Deutschland, Österreich und Luxemburg haben ein gemeinsames Förderprogramm für strombasiertes nachhaltiges Flugkerosin (electricity-based Sustainable Aviation Fuel, eSAF) auf den Weg gebracht. Ziel ist es, den Markthochlauf dieses Kraftstoffs in Europa zu beschleunigen. Deutschland stellt dafür bis zu zwei Milliarden Euro bereit. Österreich und Luxemburg steuern jeweils bis zu 60 Millionen Euro bei. Das teilte das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit.
Die drei Länder sind Gründungsmitglieder der im Dezember 2025 gestarteten eSAF Early Movers' Coalition. Mit dem gemeinsamen Programm gehen sie nach eigenen Angaben den nächsten Schritt zur Entwicklung und Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe. Die geförderten eSAF-Mengen sollen entsprechend dem jeweiligen Anteil der eingebrachten Fördermittel in den drei Ländern in Verkehr gebracht werden. Das Programm steht unter dem Vorbehalt der beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission.
Doppelauktion soll Preislücke schließen
Kern des Fördermechanismus ist ein Doppelauktionsverfahren. Es soll ein strukturelles Problem beim Aufbau der eSAF-Produktion adressieren: Produzenten benötigen langfristige Abnahmeverträge, um Investitionen in Produktionsanlagen abzusichern. Abnehmer aus der Luftfahrt schließen Verträge für Flugkraftstoffe dagegen typischerweise über deutlich kürzere Zeiträume ab. Diese Lücke erschwert nach Angaben des BMV bislang den Bau neuer Anlagen.
Beim Doppelauktionsmechanismus werden in einem wettbewerblichen Verfahren auf der einen Seite Angebote von eSAF-Produzenten und auf der anderen Seite die Nachfrage von Abnehmern ermittelt. Ein Intermediär gleicht die Differenz zwischen den Angebots- und Nachfragepreisen mit staatlichen Fördermitteln aus. So sollen langfristige Produktionsperspektiven mit wettbewerblichen Abnahmebedingungen verbunden werden.
Politische Stimmen zur Kooperation
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger betonte den industriepolitischen Charakter des Vorhabens. „Europa braucht bei eSAF nicht nur ambitionierte Ziele, sondern Investitionen in die industrielle Produktion", sagte Bilger. „Wenn wir jetzt investieren, können Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze in Europa entstehen. Gleichzeitig stärken wir unsere Unabhängigkeit bei Energie- und Lieferketten."
Österreichs Mobilitätsminister Peter Hanke sieht in dem Programm ein Signal für den Aufbau eines europäischen Marktes. „Mit dem Markthochlauf von eSAF schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Luftfahrt ihre europäischen Vorgaben erfüllen und zugleich messbar CO₂ einsparen kann", so Hanke. Luxemburgs Wirtschaftsminister Lex Delles verwies auf die Pionierrolle: Die drei Länder wollten „nicht nur das Klima schützen", sondern auch die industrielle Wertschöpfung in Europa und die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten fördern. Luxemburgs Mobilitätsministerin Yuriko Backes ergänzte, mit dem Beitritt zur Koalition unterstütze das Land den Ausbau der eSAF-Produktion und beschleunige die unionsweite Markteinführung.
Marktkonsultation abgeschlossen
Das BMV hat die Marktkonsultation zum geplanten deutschen Fördermechanismus nach eigenen Angaben abgeschlossen. Die Konsultation war Teil des beihilferechtlich erforderlichen Verfahrens. Sie diente dazu, Rückmeldungen aus Industrie und Wissenschaft zur Ausgestaltung des Instruments einzuholen. Die Ergebnisse bestätigen nach Darstellung des Ministeriums ein breites Marktinteresse an einem beschleunigten Hochlauf der eSAF-Produktion in Europa. Auch Luxemburg hat eine eigene Marktkonsultation durchgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht.
Hintergrund zur Technologie
Strombasiertes erneuerbares Kerosin, auch als Power-to-Liquid-Kerosin bezeichnet, wird aus erneuerbarem Wasserstoff und nachhaltigem Kohlenstoff hergestellt. Der Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom. Wird der Kraftstoff entsprechend den europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen produziert, lassen sich die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus nach Angaben des BMV erheblich reduzieren. Für den Luftverkehr, insbesondere im Langstreckenbereich, bleiben flüssige Energieträger auf absehbare Zeit unverzichtbar. eSAF kann in bestehenden Infrastrukturen für Transport, Lagerung und Betankung eingesetzt werden.