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Nordic Hydrogen Week

Seelappland wirbt um Wasserstoff-Investoren

Beim Sea Lapland Hydrogen Day 2026 am 11. Februar in Kemi präsentierte sich Finnlands Norden als künftiger Wasserstoff-Hub für Europa. Die fünf Gemeinden Tornio, Keminmaa, Kemi, Simo und Tervola warben gemeinsam um internationale Investoren.

Organisiert von Kemin Digipolis, brachte die Veranstaltung industrielle Schlüsselakteure, Infrastrukturbetreiber und Kommunen zusammen. Ziel: die Region Sea Lapland am Bottnischen Meerbusen als wettbewerbsfähigsten Standort für Wasserstofferzeugung und Power-to-X in Europa zu positionieren.

Nachhaltige Flugkraftstoffe aus Finnland

Finnland hat sich vorgenommen, bis 2030 10 Prozent zum europäischen Wasserstoffbedarf beizusteuern. Ein Teil soll per Pipeline nach Süden gebracht werden, ein anderer vor Ort verarbeitet, zum Beispiel zu Flugkraftstoffen.

Die Voraussetzungen dort im Norden seien ausgezeichnet, betonen die Gastgeber. Minna Mentzer von der Metsä Group stellte die 2023 eröffnete Bioproduct Mill in Kemi vor – mit 4 Millionen Tonnen biogenem CO2 jährlich die größte singuläre Quelle in Europa. Gemeinsam mit Andritz erprobt Metsä die CO2-Abscheidung und plant eine Demonstrationsanlage mit 30 bis 100 Kilotonnen pro Jahr. Juha Erkkilä von Outokumpu-EvoCarbon präsentierte eine Kooperation mit Norsk e-Fuel: Am Standort Tornio soll aus Kohlenmonoxid der Stahlproduktion nachhaltiger Flugkraftstoff (e-SAF) entstehen – 80.000 bis 100.000 Tonnen jährlich, Produktionsstart geplant für 2032.

Industrielle Infrastruktur ist vorhanden und erweiterbar

Die technische Infrastruktur ist im Aufbau. Der finnische Gasnetzbetreiber Gasgrid stellte die Pläne für ein nationales Wasserstoffnetz vor: 1.500 Kilometer Pipeline, davon 100 Kilometer in Sea Lapland. Gemeinsam mit Nordion Energi treibt Gasgrid zudem die Nordic Hydrogen Route voran, eine 1.400 Kilometer lange Pipeline im Ostseeraum. Einer Ramboll-Studie zufolge soll der Hafen Ajos bereits heute 0,5 Millionen Tonnen CO2 oder Power-to-X-Produkte jährlich umschlagen können. Und für den Ausbau der Stromnetze sollen Private-Public-Partnership-Modelle sorgen.

Markku Kivistö von Business Finland unterstrich die Standortvorteile. Finnland habe zu 96 Prozent CO2-freien Strom - aus Kernenergie und erneuerbaren Quellen - und niedrige Strompreise.

Selbst der beste Standort braucht politische Unterstützung

Doch bei der Veranstaltung wird auch deutlich, dass Wasserstoff und Energiewende selbst mit den guten natürlichen Bedingungen und der vorhandenen industriellen Infrastruktur von Seelappland keine Selbstläufer sind. Ein 2-Gigawatt-Windpark liege mangels Stromabnahmeverträgen auf Eis, heißt es am Rande der Veranstaltung. Und die Unsicherheit bezüglich der politischen Großwetterlage ist auch immer wieder Thema. Kraftstoffe aus abgeschiedenem CO2 herzustellen anstatt aus fossilen Rohstoffen lohnt sich finanziell nur, wenn der politische Druck zum Klimaschutz groß genug ist, sei es in Form von Quoten für die Flugkraftstoffe oder von CO2-Abgaben für emittierende Stahlwerke. Zugleich muss die politische Bereitschaft da sein, die Mehrkosten zu tragen. Bisher sind die entsprechenden Ziele und Voraussetzungen in der EU vorhanden. Nun muss Europa dafür sorgen, dass es so bleibt - denn ohne Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen wird niemand Milliarden in diese Projekte investieren.