Kawasaki Heavy Industries hat ABB mit der Lieferung des Distributed Control Systems (DCS) für den Kawasaki-LH2-Terminal in Ogishima beauftragt, rund 30 Kilometer südlich von Tokio. Nach Angaben von ABB soll die Anlage weltweit erstmals die Versorgung mit flüssigem Wasserstoff von Pilotprojekten auf ein kommerzielles Niveau skalieren.
Die Grundsteinlegung fand im November 2025 statt. Im Januar 2026 unterzeichneten Kawasaki Heavy Industries und Japan Suiso Energy einen Vertrag über den Bau des weltweit größten Flüssigwasserstofftankers mit einer Kapazität von 40.000 m³. Dies entspricht 32 Millionen m³ gasförmigem Wasserstoff unter Normbedingungen. Das 250 Meter lange Schiff soll im Werk Sakaide von Kawasaki (Stadt Sakaide, Präfektur Kagawa) gebaut werden. Kawasaki Heavy Industries hatte bereits 2021 mit der „Suiso Frontier“ das erste Schiff für den Transport von Flüssigwasserstoff gebaut. Es kann 1.250 Kubikmeter LH2 transportieren. Das Be- und Entladen sowie der Transport wurden 2022 auf einer Route zwischen Australien und Japan erprobt.
Der LH2-Terminal ist ein zentrales Element des japanischen Plans zum Aufbau einer internationalen Lieferkette für verflüssigten Wasserstoff. Dabei handelt es sich um einen besonderen Ansatz: Andere Länder setzen eher auf Wasserstoffderivate oder Pipelines. Japan Suiso Energy fungiert als Projektbetreiber. Die Finanzierung erfolgt durch die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) über ihren Green Innovation Fund. Die Initiative trägt offiziell den Namen „Liquefied Hydrogen Supply Chain Commercialization Demonstration Project“. Der Abschluss der Demonstrationsphase wird bis 2030 erwartet, dann soll der kommerzielle Betrieb starten.
LH2-Speichertank mit 50.000 Kubikmetern Kapazität
Der Terminal wird einen Speicher für verflüssigten Wasserstoff mit einer Kapazität von 50.000 m³ umfassen. Das entspricht etwa 40 Millionen Kubikmetern gasförmigem Wasserstoff unter Normbedingungen. Zur weiteren Infrastruktur gehören Anlagen für den Frachtumschlag, die Verflüssigung, die Versorgung mit Wasserstoffgas sowie die Abfertigung von Tanklastwagen. Nach Inbetriebnahme soll die Anlage importierten Flüssigwasserstoff im kommerziellen Maßstab annehmen, speichern und verteilen.
Verflüssigter Wasserstoff könnte eine Option sein, um Wasserstoff über lange Strecken auf dem Seeweg zu transportieren. In flüssiger Form reduziert sich sein Volumen gegenüber dem gasförmigen Zustand auf etwa ein Achthundertstel. Japan strebt im Rahmen seines Übergangs zu einem kohlenstoffärmeren Energiesystem den Aufbau einer internationalen Wasserstofflieferkette an.
ABB liefert redundantes Automatisierungs- und Sicherheitssystem
Zum Lieferumfang von ABB gehört das System 800xA, integriert mit einem sicherheitsgerichteten System der Sicherheitsstufe SIL 3 (Safety Instrumented System, SIS). Die Lösung ist als einheitliche Plattform für Prozesssteuerung, Sicherheit und die betriebsweite Transparenz von Abläufen ausgelegt. Sie umfasst zudem redundante AC-800M-Controller sowie Serverinfrastruktur für Betrieb, Datenmanagement und Systemverfügbarkeit.
Laut ABB soll die redundante Architektur die betriebliche Komplexität reduzieren und schnellere Entscheidungen ermöglichen. Außerdem soll sie die Verfügbarkeit in kritischen Prozessen wie Verflüssigung, Speicherung, Be- und Entladung sowie Auslieferung verbessern. Das Unternehmen erklärt, dass damit auch bei Ausfall einzelner Anlagenkomponenten eine stabile Leistung gewährleistet werden soll.
Der Auftrag für Ogishima baut auf der bisherigen Beteiligung von ABB am Hydrogen Energy Supply Chain (HESC)-Pilotprojekt auf, das vom HySTRA-Konsortium geleitet wurde. In diesem Projekt lieferte ABB die Steuerungs- und Sicherheitssysteme für den Empfangsterminal Hy touch Kobe, Japans erste Importanlage für verflüssigten Wasserstoff. Der Kawasaki-LH2-Terminal erweitert diese Zusammenarbeit von der Pilotphase auf den kommerziellen Maßstab.