Unter der Federführung des Fördervereins AquaVentus fordert ein Bündnis aus Industrie, Gewerkschaften und Branchenverbänden, Wasserstoff nicht nur als Energieträger, sondern als flexibles Speichermedium im Energiesystem zu verankern. Zu den Unterstützern zählen nach Angaben der Initiative unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Energieversorger Verbund, Bosch, Copenhagen Infrastructure Partners (CIP), die IG Metall, Weidmüller, das Digitalunternehmen Control-F, der Stahlrohrhersteller Mannesmann Line Pipe sowie der Engineering-Softwareanbieter Aucotec.
Wasserstoff soll saisonaler Speicher und als Korrektiv für Preisspitzen im Strommarkt dienen. „Momentan ist Flexibilität die härteste Währung im Energiemarkt. Wasserstoff hat alle Eigenschaften, mehr Flexibilität zu gewährleisten. Deshalb müssen wir mehr Energie auch gasförmig lagern“, sagt Robert Seehawer, Geschäftsführer von AquaVentus.
Speicherbedarf bis 2045 bei 130 Terawattstunden
Das Bündnis verweist auf Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Für ein kostenoptimales Energiesystem im Jahr 2045 rechnet das Institut demnach mit rund 130 Terawattstunden saisonaler Speicherkapazität. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) beziffert die Speicherkosten in Salzkavernen auf rund einen Euro je Kilogramm Wasserstoff, was etwa drei Cent pro Kilowattstunde entspricht.
Batterien und Wasserstoff könnten sich die Aufgaben teilen, heißt es weiter. Batterien eigneten sich für kurzfristige Schwankungen, Wasserstoff für die langfristige Speicherung. Damit passe das Gas gut zu Offshore-Windkraft mit ihren längeren Produktionszyklen. Negative Strompreise hätten 2025 mit 573 Stunden einen Rekord erreicht, der Trend halte an.
Offshore-Umwandlung soll Übertragungsleitungen ersparen.
Konkret zielt das Bündnis auf eine Neuausrichtung des Netzausbaus. Strom, der bereits auf See in Wasserstoff umgewandelt wird, benötigt keine Übertragungsleitung an Land. Nach Berechnungen von Beratungsunternehmen, auf die sich das Bündnis beruft, ließen sich so bis zu 1,7 Milliarden Euro pro Jahr einsparen. Diese Kosten würden andernfalls über die Netzentgelte auf alle Verbraucher umgelegt.
Zum Vergleich verweist Seehawer auf den aktuellen Entwurf des Netzentwicklungsplans: „Was im Gesetz nicht steht, wird nicht geplant – und was nicht geplant wird, wird nicht gebaut. Wird das versäumt, fallen die Kosten für den Netzausbau tatsächlich in voller Höhe an: Der aktuelle Entwurf des Netzentwicklungsplans beziffert allein den Investitionsbedarf für das Übertragungsnetz bis 2045 auf 360 bis 390 Mrd. Euro.“
Initiative fordert eigene Kategorie im Windenergie-auf-See-Gesetz
Im Zentrum der politischen Forderung steht das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG). Bislang kennt es nach Darstellung des Bündnisses nur eine Planungskategorie für Offshore-Windstrom mit Netzanbindung. In der anstehenden Novelle sollen zwar sogenannte kombinierte Anschlusskonzepte berücksichtigt werden, allerdings ohne einen Pfad für die Skalierung. Das Bündnis fordert deshalb, Offshore-Elektrolyseure als eigene Kategorie zu verankern, damit sie in der weiteren Planung berücksichtigt werden.
Ein Wasserstoffmarkt entstehe nicht losgelöst vom Stromsystem, argumentieren die Beteiligten. Elektrolyse sei dann besonders wertvoll, wenn sie Strom systemdienlich aufnehmen könne. Das Optimum liege daher nicht in zwei parallelen Märkten, sondern in einem integrierten Energiesystem, das Strom, Stromspeicher und Wasserstoff gemeinsam plane.
Wertschöpfung an der Küste und im Süden
Das Bündnis hebt auch die industriepolitische Dimension hervor. Offshore-Wasserstoff verbinde die Windpotenziale der Nordsee mit den industriellen Zentren in Süddeutschland, die ohne Wasserstoff keinen klimaneutralen Pfad hätten. An der Küste entstünden nach Angaben der Initiative neue Wertschöpfungsketten – von Planung und Fertigung über Häfen und Logistik bis zu Betrieb und Wartung. Auch Stahlbau und Maschinenbau könnten davon profitieren.
Der Förderverein AquaVentus verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, eine Million Tonnen Wasserstoff pro Jahr aus Offshore-Windenergie in der Nordsee zu erzeugen und per Pipeline an Land zu transportieren. Angestrebt werden europaweit Rahmenbedingungen für 10 Gigawatt Erzeugungsleistung sowie die zugehörige Transportinfrastruktur.