Das Bundeskabinett hat am 10. Juni 2026 eine Reform des Nationalen Wasserstoffrats beschlossen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte die Vorlage eingebracht. Der 2020 gegründete NWR solle damit organisatorisch und strategisch an die veränderten Anforderungen des Wasserstoff-Hochlaufs angepasst werden – so heißt es in der Pressemitteilung.
Das Ministerium habe die Satzung im Einvernehmen mit den Ressorts für Forschung, Verkehr, Umwelt sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit erlassen. Die Satzung selbst hat das Ministerium nicht veröffentlicht, aber die genannten Punkte lassen aufhorchen:
· Die wirtschaftliche Expertise im Rat werde gestärkt.
· Das Mandat erweitert sich auf Wasserstoffderivate und weitere Moleküle.
· Die Arbeit des Rates werde enger mit den Prioritäten der Bundesregierung verzahnt.
· Zudem verschlankt die Bundesregierung die Gremienstruktur.
Das Gremium hat zurzeit 22 Mitglieder. Viele davon kommen aus der Wissenschaft, aber auch Vertreter von in der Wasserstoffwirtschaft engagierten Unternehmen sind dabei. Ebenfalls vertreten sind zivilgesellschaftliche Organisationen, namentlich der Umweltverband BUND mit Verena Graichen, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit Dr. Kirsten Westphal und die Bergbau- und Chemiegewerkschaft IG BCE mit Michael Vassiliadis.
Gremium als fachliche Begleitung für Regierungspolitik
Aufgabe des NWR ist es, den Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie zu begleiten und zu beraten. Er wurde von der Bundesregierung berufen und handelt als unabhängiges, überparteiliches Beratungsgremium.
„Nach dem Aufbau technischer und regulatorischer Grundlagen rücken nun beim Aufbau eines Wasserstoffmarktes die wirtschaftlichen Aspekte stärker in den Vordergrund“, sagt Reiche. „Dafür brauchen wir eine Beratung, die die Entwicklungen im Markt eng begleitet und praxisnahe Impulse liefert.“ Den bisherigen Vorsitzenden Felix Matthes würdigt sie in der Pressemitteilung als ausgewiesenen Experten für Energie- und Klimapolitik, der die Arbeit des NWR wesentlich geprägt habe.
Der NWR hatte Reiches Politik gemäß seiner Aufgabe kommentiert, Kritik aber meist zurückhaltend geäußert. Ein Beispiel ist die Stellungnahme aus dem November 2025 zur Förderung von Wasserstoff im Schwerlastverkehr. Während der Staat den Aufbau der Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw massiv unterstütze, sei eine vergleichbare Förderung für Wasserstofffahrzeuge „in keiner Weise gegeben“. Der Rat leitete daraus ab, dass der Hochlauf der Wasserstoffmobilität im Schwerlastverkehr politisch ausgebremst werde.
Einzelne Mitglieder des Rates gaben Reiche hingegen drastisch contra. Insbesondere Matthes, seit Mai 2025 kommissarischer Leiter des Gremiums, hatte Reiches Wasserstoffkurs mehrfach und deutlich kritisiert. Er ist Elektroingenieur, promovierter Politologe, war in der Industrie tätig, arbeitet für das Öko-Institut und ist in einer Vielzahl politischer Gremien aktiv. Er warf Reiche in einem Tagesschau-Bericht vor, die Ziele für 2030 würden „krachend verfehlt“. In einem Pressebriefing zum Energiewendemonitoring im September 2025 sagte er, Reiche habe mit ihrem Zehn-Punkte-Plan „die Wasserstoffziele kassiert“. (HZwei berichtete über den Zehn-Punkte-Plan und das sogenannte Energiewendemonitoring).
Innerhalb des NWR wandte er sich in einem Sondervotum gegen die weitere Lockerung bei EU-Vorgaben für erneuerbaren Wasserstoff – eine in der Branche unbeliebte Position. Er warnte, dass die von der Ratsmehrheit vorgeschlagenen Änderungen neue Unsicherheit schaffen würden.
Auch Verena Graichen kritisierte Reiches Politik in Sondervoten, zum Beispiel die Gleichbehandlung von grünem Wasserstoff mit Wasserstoff aus nicht-erneuerbaren Quellen.
Neubesetzung ab Juli 2026
Die bisherigen Mitgliedschaften im Nationalen Wasserstoffrat enden zum 30. Juni 2026. Die letzte Sitzung in der aktuellen Zusammensetzung findet am 18. Juni 2026 statt. Die neue Satzung tritt am 1. Juli 2026 in Kraft. Dann sollen zügig neue Mitglieder berufen werden.