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CfDs für den H2-Markthochlauf

Wie die Politik  privates Kapital  mobilisieren kann

Text: Klaus Ulrich Hachmeier

In Deutschland steht die kohlenstoffarme Wasserstoffwirtschaft noch am Anfang. Ohne konstanten und starken politischen Rückenwind wird sich das auch nicht ändern. Zu groß ist die Kluft zwischen den für die kommenden Jahre erwarteten Marktpreisen und dem Niveau, das für eine im internationalen Wettbewerb stehende Industrie akzeptabel ist. Letzteres liegt zwischen zwei und drei Euro pro Kilogramm Wasserstoff, je nach Branche und Zweck.

Das ist weit entfernt von den laut Monitoringbericht der Bundesregierung prognostizierten Marktpreisen von fünf bis zwölf Euro pro Kilogramm. Der Hochlauf muss daher politisch induziert und verlässlich gestaltet werden, damit die Finanzierung konkreter Projekte durch private Investoren an Tempo aufnimmt.

Das im April 2026 in Kraft getretene Wasserstoffbeschleunigungsgesetz (WasserstoffBG) ist immerhin ein wichtiger Impuls für die Branche. Seitdem gelten Anlagen und Leitungen der Wasserstoff-Infrastruktur als „im überragenden öffentlichen Interesse stehend“, was die politische Entschlossenheit zur Entwicklung dieses Energieträgers und der damit verbundenen Technologien unterstreicht. Auch die im Bundestag beschlossene Verschärfung der Treibhausgas-Minderungsquote weist in die richtige Richtung: Kraftstoffanbieter sind über das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) seit einigen Jahren zur sukzessiven Minderung der CO2-Intensität ihrer Kraftstoffe verpflichtet.

Neben der Beimischung von Biokraftstoffen oder der Bereitstellung von Strom für Elektrofahrzeuge ist der Einsatz von grünem Wasserstoff in Raffinerien dafür die wichtigste Option. Der Beschluss des Bundestages gibt sogar mehr Rückenwind, als die Bundesregierung geplant hatte. Konkret wird die Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote) bis zum Jahr 2040 fortgeschrieben, schrittweise von derzeit 10,6 Prozent auf 65 Prozent – das sind sechs Prozentpunkte mehr, als es der vom Kabinett verabschiedete Entwurf vorsah.

Für den Wasserstoffhochlauf entscheidend ist die sogenannte „RFNBO-Unterquote“, die eine Mindestbeimischung von grünem Wasserstoff vorgibt (RFNBO steht für renewable fuels of non-biological origin). Diese liegt für das Jahr 2030 bei 1,5 Prozent, für 2032 bei drei Prozent und soll bis 2040 auf zehn Prozent ansteigen. Um diese Unterquoten erfüllen zu können, wären jedoch allein für das Jahr 2030 Elektrolysekapazitäten von schätzungsweise mehr als drei Gigawatt (GW) notwendig.

Vom Kabinett ausgebremst

Leider tritt die Bundesregierung an anderer Stelle auf die Bremse: Die einst als wichtige Ankerkunden vorgesehenen wasserstofffähigen Gas-Reservekraftwerke sollen laut dem kürzlich veröffentlichten Entwurf des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StromVKG) zunächst nur in abgeschwächter Form umgesetzt werden. Sie brauchen lediglich „H2-ready“ zu sein, um sie erst zu einem späteren Zeitpunkt für den Betrieb mit Wasserstoff ertüchtigen zu können.

Das bedeutet später zusätzliche Investitionen für die Umrüstung. Und die ursprünglich ambitionierten Ausbauziele für Elektrolyseure von zehn Gigawatt bis 2030 sollen durch „flexible“ Zielvorgaben ersetzt werden, die aufgrund ihrer Unschärfe kaum noch politische oder wirtschaftliche Signalwirkung entfalten.

Kurzum: Die Signale aus dem politischen Raum sind derzeit wenig kohärent und damit insgesamt nicht geeignet, den Wasserstoffhochlauf wirksam zu unterstützen. Eine belastbare Grundlage für eine dynamische Zunahme positiver Investitionsentscheidungen ist bislang nicht gegeben. Damit sich dies ändert, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Planbare Einnahmeströme und tragfähige ­Finanzierungsstrukturen

Langfristige Abnahmeverträge mit bonitätsstarken Vertragspartnern sind eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Realisierbarkeit von Wasserstoffprojekten. Ohne Industriekunden, Energieversorger oder den Staat als langfristige Abnehmer beziehungsweise Garanten wird die Aufnahme von Fremdkapital kaum ­möglich sein.

Schließlich müssen die aufgenommenen Mittel später aus den verlässlichen Zahlungsströmen des Projekts bedient werden. Da die aktuellen Marktpreise für grünen Wasserstoff noch nicht dem für Industriekunden entscheidenden Gebot der Wettbewerbsfähigkeit entsprechen, ist ein strategisch handelnder Staat unverzichtbar, um diese Differenz vorübergehend zu überbrücken.

Um privates Kapital anzuziehen, bedarf es zudem einer professionellen Projektstrukturierung. Wasserstoffprojekte müssen klar abgegrenzt sein und über belastbare Projektrechte, gesicherte Genehmigungen sowie transparente und verlässliche Governance-Strukturen verfügen.

2. Regulierung und Förderung

Regulatorische Risiken sind für Projektentwickler häufig die am schwierigsten abzusichernden Risiken. Gerade deshalb ist eine kohärente Regulierung so wichtig, die einer nachvollziehbaren Logik folgt.

Der Gesetzgeber verfolgt hier die Strategie, den Markthochlauf durch Anreize auf der Angebots- sowie auf der Nachfrageseite zu stimulieren. Die weitgehend verhinderte Abschwächung des Europäischen Emissionshandels (EU ETS), die fast abgeschlossene Umsetzung der RED III-Richtlinie im Verkehrssektor und die gestärkte THG-Quote werden sich positiv auf die Nachfrage nach grünem Wasserstoff auswirken.

Zusätzlich zu diesen Instrumenten sind auch Klimaschutzverträge (Contracts for Difference, CfDs) ein probates Mittel, um die Investitionssicherheit von Wasserstoffprojekten zu erhöhen. Sie reduzieren das Preisrisiko, indem die Differenz zwischen den noch zu hohen Produktionskosten für grünen Wasserstoff und den Marktpreisen fossiler Energie abgesichert wird.

„Mit dem Bundeshaushalt 2027 könnte die Bundesregierung einen entscheidenden Impuls für den Wasserstoffhochlauf setzen, indem sie die Grundlage für Wasserstoff-CfDs und weitere Garantie­instrumente schafft.“

Solche staatlich abgesicherten Verträge würden Produzenten von grünem Wasserstoff langfristige Planungssicherheit bieten, indem sie die Abnahme definierter Mengen über mehrere Jahre gewährleisten. Wie das konkret aussehen kann – dafür hat eine Allianz aus Energiewirtschaft, Industrie, Mittelstand und Kommunen der Bundesregierung ein Modell vorgeschlagen, das die Kostenlücke reduzieren und die Nachfrage absichern würde. Nämlich, indem man CfDs derart mit Garantieinstrumenten kombiniert, dass sie einerseits Erzeugung und Nachfrage bündeln und andererseits Kosteneffizienz durch marktliches Agieren anreizen.

Durch die wettbewerbliche Vergabe der CfD-Verträge in einem Auktionsverfahren würde eine finanzielle Planbarkeit für alle Akteure der Lieferkette etabliert – ein echtes Startsignal für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.

Ausblick: Innovative Zukunftsfelder

Trotz des derzeit stockenden Wasserstoffhochlaufs steht bislang außer Zweifel, dass grüner oder kohlenstoffarmer Wasserstoff wesentlicher Baustein der Dekarbonisierung bleibt. Er muss absehbar in großen Mengen eingesetzt werden. Bereits jetzt liegt der Fokus auf neuen Anwendungsfeldern und technologischen Innovationen – nicht zuletzt, um die Kostendegression bei grünem Wasserstoff voranzutreiben.

Ein möglicher Baustein sind künstliche Energieinseln, um auf hoher See grünen Wasserstoff aus Offshore-Windkraft zu produzieren. Mithilfe dieser Zukunftstechnologie könnte Windstrom genutzt werden, der ansonsten aufgrund von Netzengpässen abgeregelt werden müsste. Und es würde Milliardensummen bei der Transformation des Energiesystems einsparen, weil die sehr teuren Stromtrassen von Offshore-Windparks ans Festland erheblich kleiner dimensioniert werden könnten.

Stattdessen würde der auf dem Meer erzeugte Windstrom direkt auf See für die Produktion von Wasserstoff genutzt und dieser dann kosteneffizient über Pipelines an Land transportiert. Die Offshore-Produktion von Wasserstoff im Rahmen von Demonstrationsprojekten in der Nordsee sollte daher so schnell wie möglich realisiert werden.

Als weiterer möglicher Baustein sollte auch „weißer“ Wasserstoff, der natürlich in der Erde vorkommt, in Betracht gezogen werden. Zwar ist die Datenlage zu Vorkommen und wirtschaftlicher Nutzbarkeit noch unklar. Umso richtiger ist es, dass die Bundesregierung mit dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz auch erste Schritte unternommen hat, die eine Erforschung und potenzielle Förderung ermöglichen.

Insgesamt befindet sich der Wasserstoffhochlauf in Deutschland an einem Scheideweg. Mit der konsequenten Weiterentwicklung bestehender Förderprogramme – insbesondere durch ein nationales Programm für Wasserstoff-CfDs – könnte die Bundesregierung ihr Engagement für die Technologie unterstreichen.

Aus Investorensicht braucht es gut strukturierte Projekte mit klaren Einnahmeströmen. Gelingt es der Bundesregierung, einen Politik-Mix mit den beschriebenen Elementen verlässlich zu etablieren, lässt sich auf jeden Fall ausreichend privates Kapital für einen erfolgreichen Hochlauf mobilisieren.

Klaus Ulrich Hachmeier
Head of Government­ ­Affairs bei CIP – Copenhagen ­Infrastructure Partners, Hamburg

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