Die eFuel Alliance hat am 17. August 2026 in Berlin ein Positionspapier mit dem Titel „eFuels For A Secure And Resilient European Energy Supply" veröffentlicht. Darin ordnet der Verband erneuerbare, strombasierte Kraftstoffe (eFuels) als sicherheitspolitisch relevanten Faktor für die Versorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit Europas ein. Als Hintergrund verweist die Allianz auf die geopolitische Verwundbarkeit der EU durch fossile Importabhängigkeiten, die sich nach eigenen Angaben durch den Krieg in der Ukraine seit 2022 und den Konflikt um den Iran im Jahr 2026 gezeigt hätten.
Nach Angaben des Verbands deckten importierte fossile Energieträger 2023 rund 58 Prozent des EU-Energieverbrauchs, während erneuerbare Energien nur etwa 23 Prozent des Endenergieverbrauchs ausmachten. Nahezu alle Fahrzeuge des Zivil- und Katastrophenschutzes sowie des Militärs seien auf flüssige Kraftstoffe angewiesen. eFuels ließen sich als Drop-in-Lösung ohne technische Anpassungen in bestehenden Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen einsetzen und seien chemisch mit NATO-Standardkraftstoffen kompatibel.
Drei zentrale politische Forderungen
Das Positionspapier formuliert drei Forderungen an die europäische Politik.
Erstens sollen die Produktionsregeln für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBOs) praxistauglich werden. Dazu zählt die eFuel Alliance eine Verschiebung der Zusätzlichkeitskriterien bis 2035, einen Bestandsschutz für laufende Projekte sowie eine Ausweitung der zulässigen CO₂-Quellen um industrielle Punktquellen.
Zweitens brauche es eine klare Marktnachfrage durch ambitionierte, sektorspezifische eFuel-Unterquoten im Rahmen der anstehenden Revision der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED IV).
Drittens sollen Investitionen in eFuel-Produktionskapazitäten auf das NATO-Ziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anrechenbar sein. Das verringere die Importabhängigkeit und stärke die industrielle Basis. Ergänzend schlägt der Verband doppelseitige Auktionen nach dem Vorbild von H2Global vor, ausgestattet mit mehr Mitteln und einem breiteren Produktspektrum, etwa für eDiesel.
Verband fordert Verzahnung ziviler und militärischer Bedarfe
„Die Debatte über eFuels darf nicht länger ausschließlich unter klima- und verkehrspolitischen Gesichtspunkten geführt werden. Versorgungssicherheit und Resilienz werden zu zentralen Standortfaktoren. Europa braucht ein diversifiziertes Energiesystem, und eFuels sind ein unverzichtbarer Bestandteil davon", erklärt Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der eFuel Alliance.
Diemer betont zugleich, dass rein militärische Nachfrage nicht ausreiche, um eine Produktion aufzubauen. „Die militärische Nachfrage allein trägt keine Produktionsstätte. Ohne zivile Nachfrage lohnt sich keine eFuel-Anlage. Deshalb brauchen wir einen regulatorischen Rahmen, der zivile und sicherheitspolitische Bedarfe zusammenbringt", so Diemer.
NATO-Programm als Bezugspunkt
Als Bezugspunkt für die wachsende sicherheitspolitische Bedeutung von Kraftstoffinfrastruktur nennt der Verband das Fuel Supply Chain Capability Programme der NATO. Dieses billigte das Bündnis nach Angaben der eFuel Alliance am 22. Juli 2026 mit rund 27 Milliarden Euro für Lager- und Verteilinfrastruktur. Vor diesem Hintergrund fordert die eFuel Alliance die europäischen Gesetzgeber auf, die Revision der Erneuerbare-Energien-Richtlinie sowie der CO₂-Flottenregulierung zeitnah für eine technologieoffene, resilienzorientierte Ausrichtung zu nutzen.