AquaVentus, ein Zusammenschluss aus Unternehmen, Organisationen und Forschungsinstituten, hat den Referentenentwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) zur Novellierung des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) grundsätzlich begrüßt. Der Entwurf sehe erstmals kombinierte Anschlusskonzepte für die flexible Erzeugung von Strom und Wasserstoff auf See vor, teilte der Verband am 17. August 2026 in Berlin mit. Zugleich fordert AquaVentus Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren.
Nach Einschätzung der Initiative adressiert der Entwurf zentrale Investitionshemmnisse. Dazu zählten zweiseitige Differenzverträge, ein verlässlicher Ausschreibungspfad und die Verlängerung der Betriebsdauer. Mit der Streichung des bisherigen Anschlussverbots für sonstige Energiegewinnungsbereiche und der ausdrücklichen Nennung von Elektrolyseuren entstehe erstmals eine belastbare Rechtsgrundlage für eine netzdienliche Offshore-Elektrolyse.
Milliarden-Einsparungen durch Pipeline-Transport
„Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Nutzen kombinierter Anschlusskonzepte endlich erkannt und der Koalitionsvertrag umgesetzt wird“, sagt Robert Seehawer, Geschäftsführer von AquaVentus. „Angesichts steigender Netzkosten ist das eine gute Nachricht. Mit kombinierten Anschlusskonzepten lassen sich zweistellige Milliardenbeträge einsparen.“
Der Netzentwicklungsplan 2037/2045 weist laut AquaVentus Investitionskosten für Offshore-Netzanbindungssysteme aus, von denen sich nach Berechnungen der Initiative 56 bis 59 Milliarden Euro vermeiden ließen. Voraussetzung sei, dass Energie in Form von Wasserstoff per Pipeline statt über zusätzliche Stromtrassen an Land gebracht werde.
Kritik an Beschränkung auf einzelne Flächen
Nicht nachvollziehbar ist aus Sicht der Initiative, warum die Sektorenkopplung zunächst nur auf ausgewählten Flächen zulässig sein soll. Der betriebswirtschaftliche Nutzen, je nach Marktsignal Strom oder Wasserstoff zu produzieren, sei in zahlreichen Studien belegt. Eine gesetzliche Öffnung schaffe eine Option, keine Verpflichtung.
„Das wäre in etwa so, als würde man bei einem Brand das Feuer zunächst nur auf einer Straßenseite löschen, um zu sehen, ob es auf der anderen Seite dann von selbst ausgeht“, sagt Seehawer. „Diese Novelle macht bereits die nächste Novelle notwendig und droht veraltet zu sein, bevor sie überhaupt beschlossen ist.“
Vorschlag: Anrechnung auf 70-GW-Ausbauziel
AquaVentus schlägt vor, Windenergiekapazität innerhalb sonstiger Energiegewinnungsbereiche ausdrücklich auf das 70-GW-Ausbauziel für Offshore-Wind anzurechnen. Nach Angaben der Initiative ist dies zugleich der kosteneffizienteste Weg zum 70-GW-Ziel. Die Kapazität auf der Fläche SEN-1 könne die bestehende Konverterplattform NOR-10-1 über eine 66-kV-Anbindung mitnutzen. Ein zusätzliches dediziertes Anbindungssystem, das laut Gesetzesbegründung mit rund 5 bis 10 Milliarden Euro zu Buche schlage, werde dann nicht benötigt.
Appell an das BSH zur Flächenplanung
Die Initiative richtet ihren Appell auch an das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Eine Studie des Beratungsunternehmens Ramboll im Auftrag von AquaVentus identifiziere die Gebiete N-14, N-16 und N-19 als die Flächen mit dem höchsten systemischen und wirtschaftlichen Mehrwert für eine großskalige Offshore-Wasserstoffproduktion. Diese räumliche Grundlage solle in der laufenden Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans für Zone 4 und 5 vorgezeichnet werden, während das BMWE die gesetzliche Öffnung vorbereite.
Auch BEE fordert Nachbesserungen
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) meldete sich zum Ende der Verbändeanhörung zu Wort. Fehlsteuerungen im Ausschreibungsdesign hätten dazu geführt, dass die Ausschreibungsrunde für Windenergie auf See im vergangenen August ohne Gebote geblieben sei und in diesem Jahr keine Ausschreibungen stattfinden könnten.
„Trotz der aktuellen Verzögerungen ist es jedoch noch nicht zu spät, das Ausbauziel von 70 GW 2045 zu erreichen“, sagt BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser. „Dafür braucht es aber dringend einen international wettbewerbsfähigen und belastbaren Investitionsrahmen.“ Heinen-Esser sieht die vorgesehene Absenkung der Mindestvolumen in den Ausschreibungen kritisch. Offshore-Windenergie sei ein wichtiger Baustein für den Wasserstoffhochlauf.
Auch die aktuelle HZwei berichtet über die Notwendigkeit, den Ausbau von Meeres-Windenergie und Offshore-Wasserstofferzeugung in Deutschland und EU-weit zusammenzudenken und zu planen.
Hintergrund AquaVentus
Die Initiative AquaVentus verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, eine Million Tonnen Wasserstoff pro Jahr aus Windenergie auf der Nordsee zu erzeugen und per Pipeline an Land zu transportieren. Der Zusammenschluss aus Unternehmen, Organisationen und Forschungsinstituten will europaweit die Rahmenbedingungen für die Installation von 10 Gigawatt Erzeugungsleistung für Wasserstoff aus Offshore-Windenergie in der Nordsee schaffen.