Mit einem symbolischen Spatenstich hat die Regionalverkehr Köln den Bau einer Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff in Mechernich gestartet. Das Projekt entsteht auf dem Gelände des künftigen Aus- und Weiterbildungszentrums für klimaneutrale und digitale Mobilität (AWM) an der Peterheide. Die Inbetriebnahme ist nach Angaben des Unternehmens für Ende 2026 vorgesehen.
Die Anlage umfasst einen Elektrolyseur und eine öffentlich zugängliche Tankeinheit. Der Elektrolyseur soll ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben werden. Der produzierte Wasserstoff wird sowohl die Wasserstoffbusse der RVK als auch private Nutzerinnen und Nutzer versorgen. Die Tankstelle ist dem geplanten AWM-Gebäudekomplex vorgelagert, um jederzeitige Zugänglichkeit sicherzustellen.
Förderung von rund 15,1 Millionen Euro bewilligt
Für Bau und Errichtung hat die RVK zwei Förderanträge beim Bundesministerium für Verkehr gestellt, die inzwischen bewilligt wurden. Insgesamt erhält das Projekt rund 15,1 Millionen Euro. Auf die Tankstelle entfallen 7,9 Millionen Euro, auf den Elektrolyseur 3,1 Millionen Euro. Zusätzlich bewilligte das Ministerium einen Aufstockungsantrag über 4,1 Millionen Euro. Die Förderquote liegt damit bei 80 Prozent für die Tankstelle und 45 Prozent für den Elektrolyseur.
Elektrolyseur mit 36 Kilogramm Stundenleistung
Der Elektrolyseur kann nach RVK-Angaben 36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren. Das entspricht etwas mehr als zwei Tankfüllungen für Wasserstoffbusse, deren Tanks in der Regel 16 Kilogramm fassen. An der Tankstelle stehen zwei Säulen mit 350 bar Druckleistung für die Betankung von Bussen bereit. Eine vollständige Betankung eines Busses dauert etwas weniger als zehn Minuten. Eine weitere Säule mit 700 bar Druckleistung ist für Pkw und Lkw vorgesehen.
Der Wasserstoff wird in der Anlage auf bis zu minus 40 Grad Celsius heruntergekühlt, da er sich beim Tankvorgang erwärmt. Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme will die RVK später als Nahwärme für die AWM-Gebäude nutzen. Um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werden zentrale Komponenten doppelt gefertigt und installiert. Vor Ort sollen zudem Tanks Wasserstoff vorhalten.
Planung und Errichtung übernimmt im Auftrag der RVK die Ingenion GmbH. Betreiber der Anlage wird nach Fertigstellung die RVK selbst. Ein Teil der Komponenten befindet sich derzeit in der Fertigung und wurde bereits von RVK-Ingenieuren an den Produktionsstätten abgenommen.
Stromversorgung ausgeschrieben
Für den Bezug des benötigten Ökostroms hat die RVK die Stromversorgung ausgeschrieben. Infrage kommen Photovoltaik- und Windanlagen. Nach Zuschlagserteilung muss die RVK nach eigenen Angaben engmaschig nachweisen, dass die Anlagen des beauftragten Anbieters zur Produktionszeit des Elektrolyseurs Strom ins Netz einspeisen.
„Mit der Eigenproduktion von grünem Wasserstoff sichert die RVK die Versorgung ihrer Wasserstoff-Busflotte ab. Wir werden dadurch unabhängig von Marktentwicklungen“, sagt RVK-Geschäftsführer Marcel Frank. Da die Tankstelle frei zugänglich sei, trage das Unternehmen diese Antriebsform über die Unternehmensgrenzen hinaus in die Region. „Durch die Produktion von grünem Wasserstoff kann sich die RVK am THG-Quotenhandel (Treibhausgasminderungszertifikate) beteiligen. Die Erlöse werden sich positiv auf die Betriebskosten unserer Wasserstoffbusflotte auswirken“, so Frank.
Zweite Anlage entsteht in Bergisch Gladbach
Die Anlage in Mechernich ist eine von zwei Standorten, an denen die RVK künftig grünen Wasserstoff produzieren will. Parallel entsteht am im Bau befindlichen Grünen Mobilhof in Bergisch Gladbach eine weitere Produktionsanlage. Die Inbetriebnahme beider Anlagen ist nach Unternehmensangaben für Ende 2026 vorgesehen.
Das AWM selbst befindet sich noch in der Planungsphase. Ein Förderantrag für das 114-Millionen-Euro-Projekt wurde bei der Bezirksregierung eingereicht. Der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen.