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Politik

DVGW: Stillstand beim H2-Hochlauf überwunden, weitere Schritte nötig

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) zieht in einem aktuellen Positionspapier eine gemischte Bilanz zum Wasserstoffhochlauf. Aus Sicht des Verbandes hat die Bundespolitik den „gefühlten Stillstand“ an vielen Stellen überwunden. Zugleich benennt der DVGW mehrere regulatorische Lücken.

Vier Regelungen, die den Wasserstoffhochlauf voranbringen

Als zentrale Fortschritte nennt der Verband vier Vorhaben. Das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz (WasserstoffBG) soll Genehmigungs- und Planungsverfahren für Wasserstoffinfrastruktur straffen und Projekte als „überragendes öffentliches Interesse“ einstufen. Instrumente zur Finanzierung des Hochlaufs enthält es nach Einschätzung des DVGW jedoch nicht.

Mit der Umsetzung der EU-Gas/H2-Binnenmarktrichtlinie im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) werde der Aufbau flächendeckender Wasserstoffinfrastruktur ermöglicht – neben dem Kernnetz auch der Ausbau der Verteilnetze. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) setze mit der sogenannten Bio-Treppe und einer Grüngasquote erstmals konkrete Anreize für klimaneutrale Gase im Gebäudesektor. Kritisch bewertet der DVGW jedoch die im CO₂-Kostenaufteilungsgesetz vorgesehene Verteilung zwischen Mietern und Vermietern, die Gaslösungen benachteiligt.

Das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) sieht laut Papier Ausschreibungen im Umfang von rund 11 GW in den Jahren 2026 und 2027 vor. Die verpflichtende H2-Readiness neuer Kraftwerke sowie ein geplanter Kapazitätsmarkt ab 2032 schafften nach Verbandssicht Planungssicherheit für wasserstofffähige Gaskraftwerke als künftige Ankerkunden der Wasserstoffnetze.

Offene Baustellen bei EEG, Speichern und Carbon Management

Handlungsbedarf sieht der DVGW an drei Stellen – dabei geht es immer wieder um das Thema Geld. Der Referentenentwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sehe den Wegfall der Förderkulissen für Elektrolyseure und grünen Wasserstoff vor. Das stehe im „diametralen Widerspruch“ zu den übrigen Gesetzen zum Wasserstoffhochlauf.

Bei der ausstehenden Speicherstrategie müssten die Potenziale von H2-Speichern klar herausgearbeitet werden. Das derzeit diskutierte Netzanschlusspaket sei bislang ausschließlich auf den Strombereich fokussiert. Positiv bewertet der Verband, dass Einspeiser und Elektrolyseure im Rahmen des von der Bundesnetzagentur koordinierten AgNes-Prozesses Bestandsschutz für die Netzentgeltbefreiung erhalten sollen – dies müsse aber auch für künftige Anlagen gelten.

Kritik übt der DVGW an einem Strategiepapier des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) aus dem Frühjahr 2025, das auf Porenspeicher verzichten wolle. Dies würde nach Verbandsangaben Süddeutschland faktisch von Gasspeichern abkoppeln.

Für den Aufbau einer CO2-Transportinfrastruktur im Rahmen des Carbon Management fordert der Verband verlässliche Finanzierungs- und Absicherungsmechanismen.

Förderung für Wasserstoffhochlauf soll verlässlich im Haushalt vorgesehen werden, fordert DVGW

Der DVGW verlangt, in jedem Gesetzentwurf auch die finanziellen Rahmenbedingungen zu adressieren und Mittel im Haushalt sowie im Sondervermögen langfristig zu verankern – etwa über Verpflichtungsermächtigungen. Als Positivbeispiel nennt das Papier die novellierte Förderrichtlinie zu CO2-Differenzverträgen in Höhe von 5 Milliarden Euro.

„Die Rahmenbedingungen für den Wasserstoffhochlauf haben sich in den letzten Monaten verbessert“, heißt es im Papier. Dennoch verhielten sich viele Marktpartner abwartend, selbst in Nischen mit realisierbarem Business Case. Der Verband fordert daher weitere finanztechnische Impulse und eine klare politische Positionierung der Bundesregierung „zur Alternativlosigkeit des Wasserstoffhochlaufs“.

Der DVGW mit Sitz in Bonn vertritt nach eigenen Angaben rund 14.000 Mitglieder aus dem Gas- und Wasserfach und erarbeitet die allgemein anerkannten Regeln der Technik für die Branche.