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Markt

DNV-Prognose: Emissionsarmer Wasserstoff wächst bis 2060 um das Hundertfache

Die Prüf- und Zertifizierungsgesellschaft DNV hat ihren „Energy Transition Outlook Hydrogen to 2060“ veröffentlicht. Demnach wird das Volumen sauberen Wasserstoffs bis 2060 um das Hundertfache wachsen. Das Gesamtvolumen aller Wasserstoffarten soll um 170 Prozent zulegen. Die kumulierten Investitionen bis 2060 beziffert DNV auf 3,2 Billionen US-Dollar.

Die stärkste Nachfrage nach sauberem Wasserstoff erwartet DNV bis 2060 in neuen Anwendungsfeldern: Stahlerzeugung (18 Prozent), Luftfahrt (18 Prozent) und Schifffahrt (15 Prozent). Etablierte Abnehmer wie die Düngemittel- und Methanolproduktion sollen jeweils rund 13 Prozent ausmachen.

Prognose um 35 Prozent gesenkt

Gegenüber ihrer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2022 hat DNV den Ausblick für die Jahrhundertmitte um 35 Prozent reduziert. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen fehlende politische Unterstützung. Frühe Ambitionen hätten sich nicht in großskalige Projekte umsetzen lassen. Zudem hätten Fortschritte bei der direkten Elektrifizierung die Rolle von Wasserstoff in einigen Sektoren verringert.

„Die Wasserstoffindustrie steht vor Wachstum, aber es ist eine fragile Position. Wasserstoff vollendet die schwierigsten Aspekte der Dekarbonisierung, zu der sich so viele Nationen verpflichtet haben. Indem Wasserstoff die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in kritischen Sektoren verringert, leistet er auch einen wesentlichen Beitrag zur Energiesicherheit“, sagt Ditlev Engel, CEO Energy Systems bei DNV. Die Politik müsse die bisherigen praktischen Fortschritte sorgfältig prüfen und entschlossen handeln.

China wird laut DNV dominanter Produzent

Die Hälfte der bis 2030 neu installierten Elektrolysekapazitäten auf Basis erneuerbarer Energien soll laut DNV in Europa und China entstehen. China verfüge bereits über 60 Prozent der weltweiten Elektrolyseur-Fertigungskapazität. In Kombination mit seinem Ausbau von Solar- und Windkraft werde das Land zum dominanten globalen Produzenten von erneuerbarem Wasserstoff.

Die Energiesicherheit dürfte sich als entscheidender Faktor für Investitionen und politische Maßnahmen im Bereich Wasserstoff herausstellen. Bis 2030 sollen zusätzlich zu den im Jahr 2025 installierten 1,5 Megatonnen pro Jahr weitere 10 Megatonnen pro Jahr an Elektrolysekapazität hinzukommen. Die geopolitische Lage beschleunige finale Investitionsentscheidungen, so der DNV. Instabilität im Nahen Osten dürfte mittelfristig zudem die kohlebasierte Wasserstofferzeugung für Ammoniak und Düngemittel stützen, um die Ernährungssicherheit zu wahren.

Sicherheit und Zertifizierung als Voraussetzung

Der DNV warnt außerdem, dass das Wachstum davon abhängt, eine Vertrauenslücke in Bezug auf die Sicherheit zu schließen und Emissionsminderungen glaubwürdig zu dokumentieren. Erkenntnisse aus Pilotprojekten fließen zwar in die Entwicklung industrieller Großanlagen und entsprechender Verfahren ein, doch die Skalierung ist weder bei Kosten- noch bei Sicherheitsannahmen einfach eine Frage des „Copy-and-Paste“. Um Vertrauen aufzubauen und umfangreiche Investitionsmittel zu mobilisieren, sind stärkere Standardisierung sowie ganzheitliche Ansätze für Sicherheit, Verifizierung und Zertifizierung erforderlich.

„Künftig geht es darum, die Regulierung fein abzustimmen, sie in Gesetzgebung umzusetzen und Sicherheitskonzepte zu verifizieren, technische Leistung zu dokumentieren und Emissionsminderungen zu zertifizieren“, sagt Magnus Killingland, Global Segment Lead Hydrogen bei DNV. So könne erneuerbarer und kohlenstoffarmer Wasserstoff in schwer elektrifizierbaren Sektoren einen Unterschied machen.

Magnus Killingland, DNV-Global Segment Lead Hydrogen.

DNV

Magnus Killingland, DNV-Global Segment Lead Hydrogen.