Ein großer Teil des Geldes – 40 Millionen GBP – kommt aus einer Investition von Great British Energy (GBE). Dabei handelt es sich um ein staatliches Unternehmen, das 2025 gegründet wurde, mit dem Auftrag, in moderne Energietechnologien zu investieren, weitere Investitionen im Vereinigten Königreich anzuschieben, Technologien voranzutreiben und Lieferketten aufzubauen. Insgesamt will die britische Regierung über die laufende Legislaturperiode auf diesem Wege mehr als 8 Milliarden GBP investieren.
Darüber hinaus hat das britische Energieministerium (Department for Energy Security and Net Zero, DESNZ) schriftlich bestätigt, einen Zuschuss in Höhe von 46,5 Mio. GBP für ITM Power gewähren zu wollen. Hierfür steht noch die beihilferechtliche Prüfung aus, die voraussichtlich bis Juni 2026 dauern soll. Erst wenn diese positiv ausfällt, kann der Zuschuss vertraglich fixiert werden.
Die Mittel aus beiden Kanälen sollen in den Aufbau einer Elektrolyseur-Fabrik fließen, in der die Stacks der „Chronos“-Generation gefertigt werden sollen. ITM Power spricht zudem von einem wachsenden Auftragsbestand in den letzten 24 Monaten und einer starken Dynamik. Mit der staatlichen Finanzspritze erhöht ITM Power seine Liquiditätsprognose (Cash Guidance) für das Jahr 2026 auf 210 bis 215 Mio. GBP.
ITM bezeichnet die Investition als „klares Vertrauenssignal in unsere Technologie und unsere Umsetzungskompetenz“. Zudem unterstreiche die Regierung damit ihr Engagement für souveräne Technologien und eine eigene Fertigung für saubere Energie im Vereinigten Königreich.
Starker Schub für die PEM-Elektrolyseur-Fertigung in Europa
ITM Power betreibt bereits im britischen Sheffield eine der wenigen Gigawatt-Elektrolyseurfabriken in Europa, allerdings für die vorherige Stackgeneration Trident. Weitere Fertigungen in ähnlicher Größenordnung gibt es in Europa, etwa von Siemens Energy (1 GW in Berlin, seit 2023). Auch Nel betreibt in Herøya eine Anlage mit einer Kapazität von 500 MW, die seit April 2022 in Betrieb ist und PEM- sowie alkalische Elektrolyseure produziert. Das Unternehmen McPhy, das 2025 Insolvenz anmeldete und dessen Gigafabrik an John Cockerill veräußert wurde, hatte ebenfalls eine Gigawatt-Fertigung geplant.
Der britische Energieminister Ed Miliband sagte: „Diese Investition setzt die Clean-Energy-Mission der Regierung konkret um – sie stärkt unsere Energiesicherheit durch saubere, heimische Energie und schafft hochwertige Industriearbeitsplätze in South Yorkshire.“ Das britische Energieministerium DESNZ fördert Projekte im Rahmen des Hydrogen Allocation Round (HAR)-Programms.
Die Chronos-Fertigungslinie soll am Standort Sheffield aufgebaut werden. Geplant sind Investitionen in automatisierte Produktionsanlagen, Membranbeschichtung, Elektrodenverschweißung, Beschichtungstechnologien, Stackmontage sowie Reinräume und Testsysteme. Die Gesamtinvestition soll bis zu 120 Mio. GBP betragen, verteilt über drei Jahre; der Produktionsstart ist für 2028 angestrebt.
Für die Beteiligung wird GBE rund 72 Mio. neue Aktien zu 55,56 Pence je Aktie zeichnen. Dies entspricht etwa 10,4 % des erweiterten Grundkapitals. GBE sagt zu, diese für mindestens 12 Monate zu halten und seinen Anteil nicht über 29,99 % zu erhöhen. Der Staatskonzern erhält zudem das Recht auf einen Board Observer sowie gegebenenfalls einen nicht geschäftsführenden Direktor. Der DESNZ-Zuschuss von 46,5 Mio. GBP für die Investitionskosten soll quartalsweise ausgezahlt werden.
ITM Power verpflichtet sich im Gegenzug unter anderem, rund 250 neue Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich zu schaffen.
ITM Power hat nach eigenen Angaben 26 Jahre Erfahrung in der Technologie, eine starke vertikale Integration und eigenes geistiges Eigentum. Zu den Kunden gehören Shell, RWE und Linde. Derzeit seien Projekte mit 500 MW in der Umsetzung, weitere 550 MW in der Pipeline.
Die neue Stack-Generation Chronos wurde über mehr als zwei Jahre entwickelt und basiert auf der Trident-Plattform. Chronos soll deutliche Verbesserungen bei Kosten und Energieeffizienz bringen, eine höhere Leistungsdichte aufweisen sowie eine geringere Degradation zeigen.