Der Elektrolyseur-Hersteller Thyssenkrupp Nucera hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres 2025/2026 (Januar bis März 2026) Aufträge im Wert von 316 Millionen Euro verbucht. Das ist nahezu das Vierfache des Vorjahreswerts von 83 Millionen Euro. Der Auftragsbestand stieg zum 31. März 2026 auf 732 Millionen Euro nach 606 Millionen Euro Ende September 2025. Im ersten Halbjahr legte der Auftragseingang um 119 Prozent auf 391 Millionen Euro zu.
Moeve ordert 300-MW-Elektrolyseur für Andalusien
Im Segment Grüner Wasserstoff (gH2) erhielt das Dortmunder Unternehmen einen Auftrag des spanischen Energiekonzerns Moeve über Elektrolyseure mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt. Sie sind für das Projekt „Andalusian Green Hydrogen Valley“ bestimmt, das nach Angaben von Thyssenkrupp Nucera die größte Anlage für grünen Wasserstoff in Südeuropa werden soll. Zusätzlich erhielt das Unternehmen den Zuschlag für eine Front-End-Engineering- und Design-Studie (FEED) für ein 260-MW-Wasserstoffprojekt in Indien. Der Auftragseingang im gH2-Segment summierte sich im Quartal auf 176 Millionen Euro nach lediglich 4 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Im Segment Chlor-Alkali (CA) verdoppelte sich der Auftragseingang annähernd auf 140 Millionen Euro. Bereits im Dezember 2025 hatte Thyssenkrupp Nucera einen Vertrag für ein Projekt im Mittleren Osten unterzeichnet, das nach Unternehmensangaben einen der weltweit größten PVC-Produktionskomplexe versorgen soll. Es handelt sich um den größten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte.
Neues Service-Portfolio und Plug-and-Play-Anlage
Thyssenkrupp Nucera erweitert sein Produktportfolio um zwei Angebote. Das Unternehmen bietet ein 360-Grad-Service-Portfolio für den gesamten Lebenszyklus von Anlagen für grünen Wasserstoff sowie für die Chlor-Alkali-Elektrolyse an. Zudem führt das Unternehmen eine standardisierte 120-MW-Plug-and-Play-Elektrolysesystemlösung als Komplettanlage für die Erzeugung von grünem Wasserstoff ein.
„Thyssenkrupp nucera greift entscheidende Entwicklungen auf dem Elektrolyse-Markt frühzeitig und konsequent auf und entwickelt das Produktportfolio gezielt entlang der Kundenanforderungen weiter“, sagt Werner Ponikwar, CEO von Thyssenkrupp Nucera. „Dadurch erschließen wir zusätzliche, margenstarke Wachstumsfelder.“
Umsatz und Ergebnis brechen durch Sondereffekte ein
Der Konzernumsatz ging im zweiten Quartal um 77 Prozent auf 50 Millionen Euro zurück (Vorjahresquartal: 216 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank auf –65 Millionen Euro nach –4 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Verantwortlich dafür sind nach Unternehmensangaben höhere Kosten bei laufenden Projekten im gH2-Bereich sowie die Vertragsauflösung eines Pilotprojekts. Hintergrund seien frühzeitig eingeführte Weiterentwicklungen vor anstehenden Inbetriebnahmen. Der Free Cashflow verbesserte sich hingegen auf 9 Millionen Euro nach –5 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Die im März aktualisierte Jahresprognose bestätigt das Unternehmen: Der Auftragseingang soll zwischen 550 und 850 Millionen Euro liegen, der Umsatz zwischen 450 und 550 Millionen Euro und das EBIT zwischen –80 und –30 Millionen Euro.
Für das Segment gH2 rechnet thyssenkrupp nucera mit einem Umsatz zwischen 120 Mio. und 170 Mio. Euro (2024/2025: 459 Mio. Euro) und einem EBIT zwischen –125 Mio. und –90 Mio. Euro (2024/2025: –56 Mio. Euro). Im CA-Segment wird mit einem Umsatz zwischen 320 Mio. und 400 Mio. Euro gerechnet (2024/25: 387 Mio. Euro) und einem EBIT zwischen 45 Mio. und 65 Mio. Euro (2024/2025: 58 Mio. Euro).
„Vor dem Hintergrund der Herausforderungen im globalen Wasserstoffmarkt verfolgen wir eine konsequente Kostendisziplin und überprüfen fortlaufend unsere strategische Ausrichtung“, sagt Stefan Hahn, CFO von Thyssenkrupp Nucera. „Der starke Anstieg des Auftragseingangs unterstreicht jedoch das aktuell positive Momentum im Wasserstoffgeschäft und verbessert dessen kurz- und mittelfristige Planbarkeit.“