Der französische Wasserstoffproduzent Lhyfe und der Industriegasekonzern Messer haben eine umfassende Partnerschaft vereinbart. Messer übernimmt eine Beteiligung von 30 Prozent an der Gesellschaft, die vier Produktionsstandorte für erneuerbaren Wasserstoff von Lhyfe hält. Drei dieser Standorte liegen in Frankreich, einer in Deutschland. Parallel schließen die Unternehmen einen Liefervertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Der Abschluss der Transaktion wird in den kommenden Monaten erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kreditgeber.
Mindestabnahme vereinbart
Messer verpflichtet sich im Rahmen der Vereinbarung zu einer Mindestabnahmemenge, die nach Unternehmensangaben schrittweise ansteigen und mehrere hundert Tonnen pro Jahr erreichen soll. Darüber hinaus strebt Messer laut Mitteilung an, die Hälfte der Produktion der drei französischen Standorte abzunehmen. Der bezogene Wasserstoff soll teils RFNBO-zertifiziert sein (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) und in das Produktportfolio von Messer integriert werden. Messer will sein Know-how in den Bereichen Sicherheit, Betrieb, Logistik und Vertrieb in die Standorte einbringen.
Erste Kapitalrotation für Lhyfe
Messer bringt jahrzehntelanges Know-how in den Bereichen Wasserstofftechnologien, Anwendungen, Logistik und Gasedistribution ein, während sich Lhyfe als Entwickler und Betreiber von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff etabliert hat. Für Lhyfe ist die Vereinbarung nach eigenen Angaben die erste Kapitalrotation im Rahmen seines Geschäfts mit Elektrolyseanlagen. Das Unternehmen wird die betroffene Gesellschaft weiterhin voll konsolidieren und exklusiver Betreiber der Standorte bleiben. Betriebs- und Managementdienstleistungen wird Lhyfe den Standortgesellschaften weiterhin in Rechnung stellen. Das Unternehmen will die Einnahmen nutzen, um Ressourcen auf weiter fortgeschrittene Projekte zu konzentrieren.
Messer wird seine Expertise im Bereich Industriegase einbringen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Betrieb, Logistik, Gase-Handling, Kundenbeziehungen und Vertrieb unterschiedlicher Gase. Diese Partnerschaft soll die Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Standorte weiter stärken und zu ihrem kommerziellen Ausbau beitragen.
„Die Entscheidung eines weltweit führenden Industriegasunternehmens wie Messer mit mehr als 125 Jahren Erfahrung, sich uns anzuschließen, sendet ein starkes Signal an die gesamte Branche“, sagt Matthieu Guesné, Gründer und CEO von Lhyfe. „Sie bestätigt sowohl die Stärke unseres Geschäftsmodells als auch die zunehmende Verbreitung von erneuerbarem Wasserstoff in allen Industriezweigen.“ Messer sei bereits seit mehreren Jahren Kunde von Lhyfe.
Peter Mohnen, CEO der Messer SE & Co. KGaA, erklärt: „Durch die Sicherung des Zugangs zu erheblichen Mengen an erneuerbarem Wasserstoff stärken wir unsere Fähigkeit, die Dekarbonisierungsziele unserer Kunden und potenziellen Kunden in einer Vielzahl von Branchen zu unterstützen. Die Nachfrage nach erneuerbarem Wasserstoff steigt weiter an, und die geografisch diversifizierte Produktionspräsenz dieser Standorte ermöglicht es uns, Lieferketten zu optimieren, Transportwege zu verkürzen und transportbedingte Emissionen zu reduzieren. “
Hintergrund zu den Unternehmen
Lhyfe hat 2021 nach eigenen Angaben die weltweit erste industrielle Produktionsstätte für grünen Wasserstoff eröffnet, die direkt an einen Windpark angeschlossen ist. 2022 folgte eine Pilotplattform zur Offshore-Produktion. Nach eigenen Angaben ist Lhyfe seit September 2025 Europas größter Produzent von RFNBO-Bulk-Wasserstoff durch Wasserelektrolyse. Das Unternehmen beschäftigte zum Ende des Jahres 2025 rund 188 Mitarbeiter und ist an der Euronext in Paris notiert. Messer wurde 1898 gegründet, befindet sich mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilie und erwirtschaftete im Jahr 2025 einen konsolidierten Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro.