Mit dem Projekt „CHC Elektrolyse JadeWeser" wollen die EWE AG aus Oldenburg und die österreichische Verbund AG im niedersächsischen Nordenham einen der größten Wasserstoff-Standorte Europas aufbauen. Träger des Vorhabens wird eine eigenständige Projektgesellschaft, in die die beiden Tochterunternehmen EWE Hydrogen GmbH und Verbund Green Hydrogen GmbH ihre Kompetenzen einbringen. Nach Unternehmensangaben verfügen die Partner bereits heute gemeinsam über Wasserstoffprojekte mit einer Leistung von rund 400 Megawatt, die sich in Umsetzung oder im Betrieb befinden.
Elektrolyseur mit bis zu 500 Megawatt geplant
Kern des Projektes ist ein Elektrolyseur mit einer Leistung von bis zu 500 Megawatt. Die geplante Produktionskapazität liegt bei rund 50.000 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr. Angebunden werden soll die Anlage an das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz. Nach Angaben der Projektpartner könnte sie voraussichtlich ab dem Jahr 2032 grünen Wasserstoff für Industrie, Mobilität und den Energiesektor bereitstellen.
Der gewählte Standort im südlichen Stadtgebiet von Nordenham soll laut EWE und Verbund besondere infrastrukturelle Vorteile bieten. Die Flächen seien langfristig gesichert. In unmittelbarer Nähe befinde sich ein 380-kV-Netzanschluss mit Ausbauperspektive bis in den Gigawattbereich. Hinzu kämen eine gesicherte Wasserverfügbarkeit sowie bestehende Industrieinfrastruktur. Das Projekt entsteht nach Unternehmensangaben neben einem ehemaligen Kernkraftwerk.
Zugang zu Kavernenspeichern als strategischer Vorteil
Ein entscheidender Vorteil des Standortes ist aus Sicht der Partner der Zugang zu Wasserstoff-Kavernenspeichern beziehungsweise die unmittelbare Nähe zu entsprechenden Speicherinfrastrukturen. Dadurch könne Wasserstoff flexibel gespeichert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden. Das Projekt soll zudem perspektivisch in zukünftige europäische Wasserstoff-Korridore eingebunden werden.
„Mit dem Joint Venture schaffen wir die Grundlage für die Umsetzung eines der strategisch wichtigsten Wasserstoffprojekte in Norddeutschland. Für einen erfolgreichen Markthochlauf sind aber weiterhin regulatorische Anpassungen notwendig, wie zum Beispiel die RFNBO-Vorgaben der EU. Darüber hinaus braucht es aber auch starke Partnerschaften. VERBUND und EWE haben in den vergangenen Jahren vielfältige Erfahrungen in großtechnischen Wasserstoffprojekten gesammelt, die wir nun zusammenlegen", sagt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG. Die RFNBO-Vorgaben (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) regeln auf EU-Ebene, unter welchen Bedingungen Wasserstoff als erneuerbar anerkannt wird.
Partner fordern Anpassungen der Rahmenbedingungen
Michael Strugl, CEO der Verbund AG, betont die europäische Dimension des Vorhabens: „Die Energiewende braucht leistungsfähige europäische Partnerschaften. Mit dem Joint Venture bündeln wir die Stärken zweier etablierter Energieunternehmen und schaffen die Voraussetzungen für eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit grünem Wasserstoff."
Tobias Moldenhauer, Geschäftsführer der EWE Hydrogen GmbH, verweist auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für Projekte mit langen Entwicklungs- und Investitionszyklen. Dazu zählten insbesondere die Strombezugskosten sowie Mehrbelastungen durch RFNBO-Vorgaben, Netzentgelte und indirekte Emissionskosten. Gleichzeitig brauche es Anreize für die wettbewerbsfähige Nutzung von Wasserstoff in der Industrie, etwa durch Instrumente zur Kompensierung der Differenzkosten.
Jost Ahrens, Geschäftsführer der Verbund Green Hydrogen GmbH, hebt die Lage des Projektes hervor: „Mit dem Projekt JadeWeser entsteht eines der infrastrukturell am besten positionierten Wasserstoffprojekte Europas. Der Standort steht dabei sinnbildlich für die energiewirtschaftliche Transformation in Europa: Neben einem ehemaligen Kernkraftwerk entsteht ein industrieller Knotenpunkt für die Produktion von grünem Wasserstoff."
EWE mit Sitz in Oldenburg beschäftigt rund 11.200 Mitarbeiter und erzielte 2025 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen befindet sich überwiegend in kommunaler Hand. Verbund ist Österreichs führendes Energieunternehmen und einer der größten Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa. Rund 95 Prozent des Stroms erzeugt das Unternehmen nach eigenen Angaben aus erneuerbaren Energien. 51 Prozent des Aktienkapitals hält die Republik Österreich.