Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) betont in einem Positionspapier zum Jahresauftakt, dass Deutschlands Anspruch beim Wasserstoffhochlauf eine technologische Spitzenposition sein müsse. Dies sichere nicht nur die künftige Versorgung mit klimaneutralen Gasen, sondern eröffne auch Chancen für den Export von Technologie und Know-how.
Bereits heute gibt es laut DVGW erste Erfolge: So hat der Gastransportnetzbetreiber Gascade kurz vor dem Jahreswechsel ein 400 Kilometer langes Hauptversorgungssystem im Nordosten Deutschlands mit Wasserstoff befüllt. Zudem unterstützt der DVGW aktuell Indien bei der Entwicklung eines Wasserstoff-Regelwerks. Im Rahmen der Indienreise von Bundeskanzler Olaf Scholz im Januar wurde eine entsprechende Absichtserklärung mit der indischen Regulierungsbehörde für Erdöl und Erdgas unterzeichnet.
Kritik an fehlender Mengenprognose der Bundesregierung
Kritisch sieht der DVGW hingegen, dass die Bundesregierung im aktuellen Monitoringbericht zur Energiewende keine eigenen Mengenbedarfe für Wasserstoff benennt. Eine Expertenkommission prognostiziert hingegen einen Bedarf von rund 300 bis 600 Terawattstunden klimafreundlichem Wasserstoff, um die Klimaziele zu erreichen. Die Wissenschaftler erwarten bereits ab 2030 einen stark wachsenden Importbedarf, der durch verschiedene Erzeugungsarten gedeckt werden müsse.
Technologieoffene Wärmewende gefordert
Nach Einschätzung des DVGW ist es nötig, Wasserstoff zunächst in allen Produktionsformen – also in allen sogenannten Farben – herzustellen und gleichzeitig die Erzeugung und Verteilung von Biomethan auszubauen. Dies sei insbesondere für den Wärmemarkt relevant. Der DVGW betont, dass eine vollelektrische Versorgung mit der elektrischen Wärmepumpe nicht der alleinige Weg sei. Stattdessen spricht sich der Verband für eine technologieoffene, praktikable und rechtssichere Gebäude-Energiewende aus, die auf Klimaneutralität ausgerichtet ist.