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Wasserstoffbusse

Irizar schickt Bus mit Bosch-Brennstoffzelle in Madrid in den Fahrgastbetrieb

In Madrid befördert ein Bus des spanischen Herstellers Irizar mehrere Wochen lang Passagiere durch die spanische Hauptstadt, angetrieben von einem Bosch-Brennstoffzellensystem. Betreiber ist die Busgesellschaft Alsa. Das Fahrzeug soll vor allem auf längeren Strecken zum Einsatz kommen, auf denen die Reichweite des Brennstoffzellenantriebs zum Tragen kommt.

Zum Einsatz kommt das Fuel Cell Power Module (FCPM) C190 von Bosch. Das System basiert auf einem horizontalen Doppelstack und liefert eine Dauerleistung von 190 Kilowatt. Mit dem verfügbaren Wasserstoff-Tankvolumen seien Reichweiten von über 1.000 Kilometern möglich, die Tankzeiten lägen bei zehn bis 15 Minuten. Damit eigne sich der Bus auch für den Überlandverkehr, so Bosch.

In den vergangenen Wochen hat das Testfahrzeug umfassende Erprobungen sowie die Homologation, also die behördliche Zulassung, durchlaufen. Der nun startende Realbetrieb soll laut Bosch die Robustheit des Antriebs unter Alltagsbedingungen bestätigen.

Kann der Großkonzern noch zu den Spezialisten aufholen?

Technologisch sind die Eckdaten nicht revolutionär. Brennstoffzellenbusse von spezialisierten Anbietern sind bereits in verschiedenen europäischen Städten auf den Straßen unterwegs. Die Regionalverkehr Köln (RVK) hat über 100 Wasserstoffbusse von Solaris und Wrightbus im Einsatz. Diese nach RVK-Angaben bisher größte Flotte an Wasserstoffbussen in Europa wurde bereits 2022 über ein Förderprogramm angeschoben. Auch Modelle von Caetanobus mit Brennstoffzellen von Toyota sind in mehreren Großstädten unterwegs.

Eine Besonderheit liegt zum einen in der Firmenstruktur. Bei den bisherigen Anbietern handelt es sich um Spezialisten für Nischenprodukte. Nun versucht Bosch als großes Tier-1-Unternehmen\\,\** einen Brennstoffzellenantrieb auf den Markt zu bringen, der sich industriell skalieren lässt. Direkte Konkurrenz gibt es in diesem Feld nicht viele. Hyundai konzentriert sich mit seinen Brennstoffzellen vor allem auf seine eigenen Fahrzeuge und den asiatischen Markt. Toyota hat viel Brennstoffzellenerfahrung für kleinere Fahrzeuge, hat sich für die leistungsstarken Antriebe nun aber dem Joint Venture Cellcentric angeschlossen.

Elektrobus-Spezialist setzt bei Langstrecke auf Brennstoffzelle

Ebenfalls bemerkenswert ist der baskische Bushersteller Irizar. Mit rund 1.000 produzierten Bussen jährlich ist er nicht gerade ein Platzhirsch, setzt aber konsequent auf klimaschonende Antriebe. Dazu gehört auch eine ganze Reihe batterieelektrischer Stadtbusse. Warum nun plötzlich ein Brennstoffzellenantrieb?

„Die Brennstoffzelle ist die perfekte Ergänzung zum batterieelektrischen Antrieb – auch im Busbetrieb“, begründet es Thomas Pauer, Mitglied des Sektorvorstands Bosch Mobility und Vorsitzender des Bosch-Bereichsvorstands Power Solutions. „Die Brennstoffzelle bietet sich insbesondere für Busse an, die täglich längere Strecken fahren und unterwegs kaum die Möglichkeit haben, zu laden. Mit dem Testbetrieb können wir eindrucksvoll zeigen, dass die Brennstoffzellentechnik von Bosch bereit für den anspruchsvollen Serieneinsatz im Personenverkehr ist.“

Die Perspektive für Irizar liegt womöglich gar nicht in der Stadt, sondern in Überlandfahrten – wie von Bosch bei den Einsatzoptionen bereits angedeutet. Bei seinen Reisebussen hat Irizar nämlich noch kein batterieelektrisches Modell im Angebot. Sie fahren mit HVO, Erdgas, Biodiesel oder auch gewöhnlichem fossilem Diesel. Einen Brennstoffzellen-Reisebus mit anvisierter Reichweite von 1.000 km stellte Irizar 2024 als Prototyp auf der FIAA in Madrid vor. Im Frühjahr 2025 absolvierte er eine Testfahrt über 2.500 km und kam dabei immerhin auf eine Reichweite von 900 km. Den Anbieter des Brennstoffzellenmoduls nannte Irizar bisher nicht.

Bosch: Wasserstofftechnologien mit Aufs und Abs

Die Brennstoffzellensparte bei Bosch hat schon einige Höhen und Tiefen durchlaufen. Nach frühen Entwicklungen in den 1990er- und 2000er-Jahren hörte man lange wenig, bis der Konzern Ende der 2010er wieder einstieg. Bosch arbeitete an stationären SOFC-Brennstoffzellen, verabschiedete sich aber 2024 von diesem Geschäft. Die Entwicklung der Modelle für den mobilen Einsatz ging weiter, mit dem Lkw-Hersteller Nikola als Ankerkunden – der aber 2025 insolvent ging. Doch das Jahr war nicht nur schlecht für Bosch: Ein Bosch-Entwicklerteam für die mobile Brennstoffzelle wurde Ende 2025 mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation ausgezeichnet.

Nun bietet Bosch neben dem FCPM C190 mit dem FCPM C300 ein System für schwere Reisebusse und Lkw an. Ergänzt wird das Portfolio durch das FCPM C100 mit 100 Kilowatt Dauerleistung und einer flachen Bauform, das sich nach Herstellerangaben für städtische Busse eignet.

Bei den Stadtbussen macht die EU mehr Druck als bei den Überlandbussen: Die CO2-Emissionen neu zugelassener Stadtbusse müssen bis 2030 um 90 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 sinken. Für alle anderen Bustypen gilt diese Vorgabe ab 2040. Brennstoffzellenfahrzeuge erkennt die EU als „Zero-Emission“-Fahrzeuge an. Laut dem europäischen Fahrzeugherstellerverband ACEA wurden 2025 in der EU gut 38.000 Busse neu zugelassen.

Außerdem gehört seit 2025 der PEM-Elektrolyse-Stack Hybrion zum Bosch-Sortiment.

Zudem arbeitet Bosch an Technik für Wasserstoffmotoren und bietet Komponenten für die Saugrohr- und Direkteinblasung an.

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