Wasserstofftankstellen sind eine langfristige Investition – so sollte es zumindest sein, damit es sich für alle Beteiligten lohnt. Hier setzt eine aktuelle Empfehlung des unabhängigen Expertengremiums Clean Energy Partnership (CEP) an. „Technische Leistungsparameter zur Einordnung von Tankstellenkonfigurationen“ übersetzt regulatorische Anforderungen und Erfahrungswerte aus ersten Großprojekten in praxisnahe Planungskriterien für den Schwerlastbereich.
Große Mengen schnell tanken Während Normen wie die AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) Mindestziele für Netzabdeckung und Kapazitäten setzen, bleibt die konkrete technische Auslegung von Wasserstofftankstellen im Schwerverkehr ein komplexes Unterfangen. Denn die Anforderungen von bis zu 40 Tonnen schweren Lkw sind grundverschieden von denen typischer Pkw-Installationen.
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Betankungsvolumen: Während ein Pkw etwa 5–7 kg Wasserstoff tankt, liegt die benötigte Energiemenge pro schwerem Lkw meist zwischen 40 und 60 kg.
Schnelle Betankung: Kurze Standzeiten sind wirtschaftlich notwendig – Ziel ist eine Betankungsdauer von maximal 10 Minuten.
Back-to-Back-Betankung: Als Regelfall gelten mindestens drei Lkw pro Stunde, ohne dass die Speicher anschließend leer sind oder der Chiller überhitzt.
All dies verlangt nach leistungsfähigen, redundanten und modular geplanten Anlagen.
Mindestens drei Lkw pro Stunde
In der Diskussion über Wasserstofftankstellen wird häufig auf die nominelle Tageskapazität einer Anlage verwiesen, etwa in Form einer „1-Tonnen-Tankstelle“. Diese Kennzahl hilft jedoch nur eingeschränkt weiter. Entscheidend für die Praxistauglichkeit im Lkw-Einsatz sind vielmehr die Fähigkeit zur schnellen und wiederholten Betankung sowie die Sicherstellung eines Durchsatzes, der mit den Arbeitszyklen großer Logistiker Schritt hält.
Das ist vor allem im Fernverkehr wichtig. Oft müssen morgens mehrere Fahrzeuge fast zeitgleich mit jeweils 40 bis 60 kg Wasserstoff betankt werden. Eine hohe rechnerische Tageskapazität hilft dann wenig. Vielmehr müssen Speicher und die Kühlung auf Back-to-Back-Betankungen ausgelegt sein.
In diesem Punkt setzt die CEP-Empfehlung einen klaren Fokus: Die reine Stunden- oder Tagesmenge muss durch leistungsfähige Speicher-, Verdichter- und Kühlsysteme flankiert werden, sodass mehrere Lkw hintereinander – mindestens drei pro Stunde – ohne nennenswerte Wartezeiten, Nachfüll- oder Regenerationsphasen abgefertigt werden können.
Checkliste für Leistungsparameter
Die CEP-Partner haben gemeinsam mit dem Sustainable Transport Forum und auf Basis industrieller Erfahrung die wichtigsten Kenngrößen definiert, mit denen eine Tankstelle dem tatsächlichen Bedarf der Logistik gerecht wird. Die wichtigsten sind in der Tabelle zusammengefasst. Sie helfen bei Auslegung, Angebotseinholung und Betrieb. Sie sind laut CEP das Minimum, um Tankstellen wirtschaftlich und technisch auch in Zukunft bestehen können.
Zwei technische Komponenten stehen im Zentrum: die Speicherkapazität der Hochdruckspeicher und die Vorkühlung des Wasserstoffs. Beide müssen so ausgelegt sein, dass sowohl einzelne Volumentankungen im Regelbetrieb als auch mehrere aufeinanderfolgende Betankungen von Lkw ohne Kapazitätsverlust und mit gleichbleibender Qualität erfolgen können. Eine typische, für Pkw-Durchsatz dimensionierte 700-bar-Tankstelle würde in kurzer Zeit an ihre Grenzen stoßen.
Die CEP empfiehlt Modularität. Von Anfang an sollten die Anlagen so konzipiert werden, dass sie mit einfachen Nachrüstungen skaliert werden können, etwa durch zusätzliche Speicherbündel, Verdichterstufen oder Dispensern. Denn mit steigendem Fahrzeugbestand, wie ihn insbesondere Spediteure in Ballungsräumen und an Logistikdrehscheiben erwarten, genügt eine heutige Einzelplatzlösung rasch nicht mehr.
Logistik, Wirtschaftlichkeit und Förderkonformität
Nicht zuletzt muss eine Tankstelle so gestaltet werden, dass sie nahtlos in bestehende Logistikprozesse integrierbar ist.
Betankungen müssen zum Beispiel auch außerhalb klassischer Öffnungszeiten sichergestellt sein. Die Tankstelle muss schnell zugänglich und die Abwicklung einfach sein. Außerdem müssen alle Kenngrößen eingehalten sein, die für die Förderung maßgeblich sind.
Die CEP-Empfehlungen zeigen, dass die Dimensionierung einer H2-Tankstelle keine Kompromisslösung zwischen Kosten und Zukunftssicherheit sein muss. Wer die heute absehbaren Minimumstandards beherzigt und auf Modularität setzt, legt nicht nur den Grundstein für Investitions- und Förderfähigkeit, sondern auch für eine reibungslose Anpassung an steil wachsende Nachfrage. So entsteht das technische und wirtschaftliche Rückgrat einer nachhaltigen Logistik der Zukunft.