Der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen hat das Forschungsprojekt mit dem Kürzel SeLv nach mehr als fünf Jahren abgeschlossen. Ziel war die Entwicklung eines modularen Antriebsstrangs für schwere Nutzfahrzeuge, der eine wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle mit einer Hochvoltbatterie kombiniert. Das System soll eine schnelle Industrialisierung ermöglichen und richtet sich an Fahrzeughersteller, Umrüster sowie Nischenmärkte wie den Baumaschinensektor.
Reichweite von 750 bis über 1.000 Kilometern
Zum Projektabschluss präsentierte das PEM-Team einen dritten Prototypen-Lkw, der als zweites Fahrzeug des Projekts über eine offizielle Straßenzulassung verfügt. Die Plattform erlaubt es, unterschiedliche Batterie-, Wasserstoff- und Thermomanagement-Technologien sowie Softwarelösungen zu integrieren. „Beim SeLv-Lkw handelt es sich um eine reale Plattform mit Straßenzulassung“, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker. „Künftige Interessenten können darauf aufbauen und Unterstützung bei der Entwicklung zum Serienprodukt erhalten.“
Der Antrieb des Lkw liefert eine Spitzenleistung von knapp 640 PS und eine Dauerleistung von rund 544 PS. Je nach Größe der Wasserstofftanks hinter der Kabine soll eine Reichweite von 750 bis über 1.000 Kilometern möglich sein. Ein integriertes Navigationssystem berechnet Routen auf Basis der verfügbaren Wasserstoff- und Ladeinfrastruktur.
Mit 17 Millionen Euro von der Regierung gefördert
Ein intelligentes Energiemanagement verteilt die Leistung zwischen Batterie und Brennstoffzelle abhängig vom Fahrprofil, um den Wirkungsgrad zu optimieren. „Eine große Hürde während der Entwicklung bestand darin, dass viele Komponenten zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge nur als Prototypen existierten und nicht am Markt verfügbar waren“, sagt Michael Betz, Homologationsverantwortlicher im Projekt.
Das Projekt wurde im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) der Bundesregierung mit rund 17 Millionen Euro gefördert. Projektverantwortlicher Michael Demming betont: „Ein junges Forschungs-Team und erfahrene Fachkräfte aus der Entwicklung haben auf einzigartige Weise industrielle Standards mit neuen wissenschaftlichen Ansätzen kombiniert.“