Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) berät die Bundesregierung seit 2020 zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Die Regierung hatte den NWR kürzlich per Satzung auf maximal 20 Mitglieder verkleinert. Ziel war es außerdem, die Wirtschaftskompetenz zu stärken. Inhaltlich soll die Arbeit in Zukunft enger mit der Regierung „verzahnt" werden.
Nun stehen die 17 neuen Mitglieder des Nationalen Wasserstoffrates fest. HZwei hat sich die Personen, ihren fachlichen Hintergrund und die durch sie vertretenen Organisationen näher angeschaut. Es sind weniger einzelne Unternehmen vertreten und weniger wissenschaftliche Einrichtungen. Neu sind Perspektiven aus der Finanzbranche und einer Raffinerie, was zum vorgesehenen Fokus passt.
Fachlich ist der NWR weit überwiegend mit Ingenieuren und Naturwissenschaftlern besetzt, gefolgt von Politikwissenschaftlern. Zwei Wirtschaftsingenieure, zwei Diplom-Kauffrauen und eine Volkswirtin schieden aus. Statistisch ebenfalls auffallend ist, dass unter den elf ausscheidenden Mitgliedern sieben Frauen sind.
Hier der Überblick über den neuen NWR:
Wer führt?
Stefan Dohler (Vorsitzender): Der gelernte Seemann, Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und MBA ist seit Januar 2018 Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers EWE AG in Oldenburg. Seit dem 4. Juni 2024 ist er zusätzlich Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Dohler ist neu im Nationalen Wasserstoffrat.
Felix Matthes (Stellvertretender Vorsitzender): Der Elektroingenieur und promovierte Politologe ist seit 1991 in verschiedenen Positionen am Öko-Institut tätig, seit 2009 als Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik. Er gehörte bereits dem vorigen Nationalen Wasserstoffrat an, seit Mai 2025 als kommissarischer Vorsitzender.
Wer bleibt?
Sechs Mitglieder bleiben (in alphabetischer Reihenfolge) unverändert im Nationalen Wasserstoffrat. Sie stammen aus wissenschaftlichen Einrichtungen verschiedener Fachrichtungen, großen Unternehmen mit relativ starkem Wasserstoffbezug (Linde und Daimler Truck) und dem Branchenverband BDEW.
Tilman Altenburg: Der promovierte Wirtschaftsgeograph ist Co-Leiter des Forschungsprogramms „Transformation von Wirtschafts- und Sozialsystemen" am German Institute of Development and Sustainability (IDOS). Er gehört dem Nationalen Wasserstoffrat bereits seit 2023 an.
Andreas Gorbach: Der promovierte Verfahrenstechniker ist Mitglied des Vorstands der Daimler Truck Holding AG und verantwortet den Bereich Truck Technology. Er gehörte bereits dem vorigen Nationalen Wasserstoffrat an. Karsten Lemmer: Der Elektrotechniker studierte an der Technischen Universität Braunschweig und promovierte dort 1994. Seit 2021 ist er Vorstandsmitglied im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für „Innovation, Transfer und wissenschaftliche Infrastrukturen". Er gehörte dem Nationalen Wasserstoffrat bereits seit dessen Gründung im Juni 2020 an.
Karsten Pinkwart: Der Chemiker ist Professor für Elektrochemische Energiespeicher und -wandler an der Hochschule Karlsruhe (HKA) und stellvertretender Produktbereichsleiter Angewandte Elektrochemie am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (Fh-ICT) in Pfinztal. Er gehört dem Nationalen Wasserstoffrat bereits seit dessen Gründung im Juni 2020 an.
Nicole Schödel: Die in technischer Chemie promovierte Chemikerin studierte und promovierte an der TU München. Seit 2020 ist sie Director of Chemical Technology Services bei Linde Engineering. Kirsten Westphal: Die promovierte Politologin arbeitete für die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), anschließend im Vorstand der H2Global Stiftung. Heute ist sie Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW und verantwortet das Ressort „Versorgungssicherheit, Handel und gasspezifische Fragen". Sie gehört dem Nationalen Wasserstoffrat bereits seit dessen Gründung im Jahr 2020 an.
Wer kommt?
Neun neue Personen kommen in den Nationalen Wasserstoffrat. Viele davon ersetzen konkrete Personen aus derselben Organisation (zum Beispiel IG BCE) oder einer ähnlichen Perspektive (zum Beispiel WWF statt BUND als Umweltorganisation).
Einige Neuzugänge erklären sich stimmig aus dem vorgesehenen Fokus. So soll der NWR sich künftig stärker mit dem Thema E-Fuels und Derivate befassen – fachlich nun abgebildet durch TotalEnergies. Mit der KfW IPEX Bank ist erstmals auch das Thema Finanzierung explizit adressiert. Der Think Tank Agora Industrie ist ebenfalls neu vertreten.
Thomas Behrends: Der General Manager der TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna studierte ursprünglich Thermischen Apparatebau und Umwelttechnik, begann seine berufliche Laufbahn bei Tüv Nord und arbeitet bereits seit 1997 bei TotalEnergies.
Alexander Bercht: Er ist seit September 2023 Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Vivawest und Evonik Industries. Zuvor arbeitete er unter anderem in verschiedenen Funktionen für die SPD.
Gunnar Groebler: Der an der RWTH Aachen ausgebildete Maschinenbauer ist seit Mai 2021 Mitglied und seit Juli 2021 Vorsitzender des Vorstands der Salzgitter AG.
Thomas Hüwener: Der promovierte Strömungstechniker ist seit 2024 Sprecher der Geschäftsführung des Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE). Hüwener übernimmt im Nationalen Wasserstoffrat die Rolle seines Vorgängers Jörg Bergmann, der das Gremium bislang für OGE beriet.
Velibor Marjanovic: Der promovierte Manager wurde zum 1. Mai 2022 in die Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank berufen und verantwortet dort den Bereich Industriesektoren.
Julia Metz: Die promovierte Politikwissenschaftlerin studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Heidelberg und promovierte an der Freien Universität Berlin zu europäischer Politik. Seit Februar 2025 ist sie Direktorin von Agora Industrie.
Andreas Mündel: Der studierte Physiker war zunächst bei McKinsey tätig und wechselte 2004 zu Deutsche Post DHL. Heute ist er dort SVP of Group Strategy und verantwortet strategische Projekte im Produktionsbereich, darunter die Leitung des Sustainable Fuel Projects.
Werner Ponikwar: Der in Chemie promovierte Manager studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist CEO des Elektrolyseurherstellers thyssenkrupp nucera.
Viviane Raddatz: Die Politikwissenschaftlerin ist seit 2008 im Klimateam des WWF Deutschland tätig und leitet dort seit 2021 die Abteilung Klimaschutz und Energiepolitik.
Der Blick zurück – die bisherigen Mitglieder
Mindestens so spannend wie die neuen NWR-Mitglieder ist die Frage, wer nun nicht mehr dabei ist. Einige Mitglieder des vorigen NWR werden durch andere Personen aus derselben oder einer ähnlichen Organisation ersetzt, andere Perspektiven fallen ganz weg.
Wer wird ausgewechselt?
Jörg Bergmann: Der promovierte Wirtschaftsingenieur war bis 2024 Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe (OGE). Sein Nachfolger als OGE-Chef, Thomas Hüwener, ist neu in den NWR berufen.
Verena Graichen: Die Diplom-Biologin ist stellvertretende Vorsitzende des BUND und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut in Berlin. Der BUND ist nicht mehr direkt vertreten. Als NGO-Sitz rückt Viviane Raddatz vom WWF nach.
Michael Vassiliadis: Der gelernte Chemielaborant ist seit 2009 Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Die IG BCE ist durch Alexander Bercht weiter im NWR vertreten.
Arnd Köfler: Der Ingenieur war bis Oktober 2024 Produktionsvorstand (CTO) der thyssenkrupp Steel Europe AG. Der Thyssenkrupp-Konzern ist über Werner Ponikwar (thyssenkrupp nucera) weiterhin im NWR vertreten, die Stahlbranche durch Gunnar Groebler (Salzgitter AG).
Wer geht ganz?
Für elf der bisherigen Mitglieder gibt es keinen erkennbaren Ersatz. Statistisch auffallend ist, dass darunter sieben Frauen sind. Bezüglich der Organisationen sind es vor allem wissenschaftliche Institutionen sowie einzelne Unternehmen, die durch diese Verkleinerung nicht mehr im NWR vertreten sein werden.
Veronika Grimm: Die promovierte Volkswirtin ist seit April 2024 Professorin für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Energiewirtschaft, an der Technischen Universität Nürnberg und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bekannt als „Wirtschaftsweise". Sowohl die TU Nürnberg als auch der Sachverständigenrat sind im neuen NWR nicht mehr vertreten.
Jutta Hanson: Die promovierte Elektroingenieurin leitet seit 2013 das Fachgebiet Elektrische Energieversorgung unter Einsatz Erneuerbarer Energien an der TU Darmstadt.
Uwe Lauber: Der promovierte Wirtschaftsingenieur war seit 2015 Vorstandsvorsitzender von MAN Energy Solutions (heute Everllence SE). Auch für ihn gibt es keinen direkten Ersatz.
Stefanie Peters: Die Diplom-Kauffrau ist Gesellschafterin und geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Neuman & Esser Group in Übach-Palenberg.
Gunda Röstel: Die Diplom-Lehrerin für Mathematik und Biologie ist seit 2001 kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden.
Klaus Schäfer: Der promovierte Chemiker war bis 2023 Chief Technology Officer und Arbeitsdirektor des Polymerherstellers Covestro.
Sylvia Schattauer: Die promovierte Physikerin ist Präsidentin der TU Clausthal. Zuvor war sie stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle. Andreas Schierenbeck: Der Elektroingenieur ist seit April 2023 Chairman und CEO von Hitachi Energy in Zürich.
Michael Sterner: Der promovierte Ingenieur ist Professor für Energiespeicher und Energiesysteme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg.
Silke Wagener: Die promovierte Chemikerin ist Corporate Director Governmental Relations bei der Freudenberg Gruppe in Weinheim, die unter anderem Komponenten für die Automotivebranche fertigt.
Susanna Zapreva: Die Diplom-Kauffrau ist seit Juli 2024 Chief Operating Officer der Verbund AG in Wien. Zuvor war sie Vorstandsvorsitzende der enercity AG.