Die TU Bergakademie Freiberg und das Unternehmen CAC Engineering haben im Rahmen des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekts DeCarTrans erstmals industriell erzeugtes E-Methanol aus Dänemark zu synthetischem Benzin verarbeitet. Das E-Methanol stammt aus der großtechnischen Anlage im dänischen Kassø, einem Joint Venture von European Energy und Mitsui.
In der sechsten Versuchskampagne von November bis Dezember 2025 wurden rund 23.000 Liter nahezu klimaneutraler Ottokraftstoff in der Freiberger Großversuchsanlage hergestellt. Das eingesetzte E-Methanol basiert auf biogenem CO₂ und grünem Wasserstoff, der mit erneuerbarem Strom erzeugt wurde.
„Der erstmalige Einsatz von E-Methanol in unserer Großversuchsanlage ist ein zukunftsweisender Meilenstein in Vorbereitung einer ersten Industrieanlage“, sagt Martin Gräbner, Professor für Energieverfahrenstechnik an der TU Freiberg. „Uns gelang damit die technologische Demonstration der gesamten Prozesskette vom biogenen CO₂ und grünem Wasserstoff bis zum leistungsstarken synthetischen Benzin.“
Laut Gräbner ermöglicht das neue Einsatzprodukt eine effizientere Prozessführung. Die CO₂-Einsparung gegenüber fossilem Benzin könne bis zu 90 Prozent betragen.
Auch CAC Engineering sieht in dem Schritt eine wichtige Grundlage für die geplante industrielle Anlage „German eFuel One“ in Niedersachsen. „Unsere Kooperation mit Kassø zeigt, dass unser verfahrenstechnischer Methafuel-Prozess nun vollständig auf einem industriell verfügbaren, strombasierten Kohlenstoffträger basiert“, sagt Mario Kuschel, Leiter Forschung und Entwicklung bei CAC Engineering.
Freiberger Demonstrationsanlage gilt als größte ihrer Art in Europa
Die Demonstrationsanlage in Freiberg wurde 2009 errichtet und gilt als größte ihrer Art in Europa. Seit Projektbeginn wurden dort bereits 253.700 Liter regenerativer Kraftstoff produziert. Die erzeugten E-Fuels werden unter anderem für Motor- und Fahrzeugtests sowie im Motorsport eingesetzt.
Im zweiten Quartal 2026 ist eine weitere Versuchskampagne mit E-Methanol geplant. Ziel des Projekts ist es, bis Ende 2026 die Dauerbetriebsfähigkeit der Technologie unter realen Bedingungen nachzuweisen.
Das Projekt DeCarTrans wird mit insgesamt 14,93 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr gefördert. Neben der TU Freiberg und CAC Engineering gehören unter anderem FEV Europe, Coryton Advanced Fuels Deutschland und das Forschungszentrum Jülich zu den Projektpartnern.
Das synthetische Benzin erfüllt die Anforderungen der Norm DIN EN 228, ist als E10-Blend drop-in-fähig und nach REACH registriert. Laut Projektangaben könnten in industriellen Anlagen Herstellungskosten von etwa einem Euro pro Liter erreicht werden.