Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat ein Impulspapier mit zehn Maßnahmen vorgelegt, um den Aufbau des Wasserstoffmarkts voranzubringen. Nach Angaben des Ministeriums steht der Hochlauf vor großen Herausforderungen. Die Erzeugungskosten liegen demnach weiterhin deutlich über der Zahlungsbereitschaft vieler potenzieller Anwendungssektoren. Die Maßnahmen verteilen sich auf vier Bereiche: Wettbewerbsfähigkeit, Infrastruktur, Nachfrage sowie Governance und Technologieführerschaft.
CCfD-Fenster mit 1,5 Milliarden Euro für Wasserstoff
Zur Stimulierung der Nachfrage legt das BMWE ein neues Wasserstoff-Fenster im Programm für Klimaschutzverträge (Carbon Contracts for Difference, CCfD) auf. Dafür sind Haushaltsmittel von mindestens 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, die sich an industrielle First Mover richten. Insgesamt sind für die CCfD bis zu 8,7 Milliarden Euro eingeplant, die auch für Wasserstoffprojekte offenstehen. Daneben will das Ministerium die technische Umrüstung von insgesamt vier Gigawatt Kraftwerksleistung auf Wasserstoff fördern. Die Gesetzesgrundlage dafür wird nach Angaben des BMWE derzeit erarbeitet.
Erstmals soll zudem ein Leitmarkt für emissionsarmen Stahl geschaffen werden. Nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) müssen Offshore-Windkraftanlagen künftig Stahl verwenden, der mit erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff produziert wurde.
Infrastruktur, Importe und europäische Regeln
Beim Infrastrukturaufbau setzt das BMWE auf das Wasserstoff-Kernnetz, Importkorridore und Wasserstoff-Speicher. Verteilernetze sollen durch die Umsetzung des EU-Gas-Wasserstoff-Binnenmarktpakets transformiert werden können. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit kündigt das Ministerium eine pragmatische Anpassung der europäischen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff, verlässliche Stromnetzentgelte und kostengünstige Importe aus diversifizierten Lieferländern an. Zudem wird der Nationale Wasserstoffrat laut Papier wieder näher an die Bundesregierung herangeführt. Im Rahmen der Hightech-Agenda Deutschland erstellt das BMWE eine Roadmap für Wasserstoff-Technologien.
BDEW: Impulse sind zu zaghaft
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt den Vorstoß, hält die Hebel jedoch für unzureichend. „Es ist deshalb richtig, dass das Ministerium die Kosten senken und den Markt voranbringen will“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Dafür bleiben die vorgeschlagenen Hebel jedoch bisher zu zaghaft.“
Andreae bezeichnet das eigene Wasserstoff-Fenster in den CCfD als sinnvoll, verweist aber auf einen vom BDEW geforderten Wasserstoff-Differenzvertrag (Carbon Contract for Difference, CfD). Dieser könne den Markthochlauf effektiver voranbringen, „weil er weniger komplex ausgestaltet ist, und Erzeugung, Beschaffung und Handel zusammenbindet“. Im Klima- und Transformationsfonds brauche es ab 2027 einen eigenen Haushaltstitel für langfristige Verträge. Positiv wertet der BDEW die Möglichkeit, auf der Nordseefläche SEN-1 zwei Projekte mit je 250 Megawatt Elektrolyseleistung umzusetzen. Bei der Infrastruktur bleibe der Plan dagegen vage. Zudem fordert der Verband eine Wasserstoff-Allianz auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten.
BEE: Fokus auf grünen Wasserstoff legen
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht einen Schritt in die richtige Richtung, vermisst jedoch neue Ansätze. „Die angekündigten Maßnahmen zum Wasserstoffhochlauf sind ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei enthält das Impulspapier aber nur wenige wirklich neue Ansätze“, kommentiert BEE-Hauptgeschäftsführerin Christine Falken-Großer. Der Verband begrüßt die Zusage von Bundesmitteln für das Kernnetz und den auf Wasserstoff ausgerichteten CCfD-Förderrahmen. Der Fokus der Förderinstrumente solle klar auf erneuerbarem Wasserstoff liegen, da die industriepolitischen Stärken Deutschlands primär in der Elektrolyse lägen.
Falken-Großer fordert eine zügige Umsetzung: „Wir brauchen verlässliche Investitionsbedingungen, den Abbau regulatorischer Hemmnisse und gezielte Anreize für Elektrolyseure und die Nutzung biogener Potenziale. Heimischer grüner Wasserstoff stärkt unsere Energiesouveränität, ist flexibel einsetzbar, schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze und muss deshalb beim Markthochlauf Priorität haben.“