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Politik und Recht

Offshore-Elektrolyse soll stärker in nationale Planung integriert werden

„Der Offshore-Wind-Ausbau in der Nordsee ist und bleibt ein Schlüsselelement der Energiewende und industriellen Entwicklung in Deutschland und Europa. Entscheidend ist es aber, den weiteren Ausbau volllaststundenoptimiert und damit noch kosteneffizienter zu gestalten. Ein zentraler Hebel für die Steigerung der Kosteneffizienz ist die weniger dichte Bebauung und die Nutzung, Anbindung und Anrechnung ausländischer Flächen, die für den dortigen Offshore-Wind-Ausbau nicht benötigt werden.“

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Fraunhofer IWES im Auftrag des BDEW und BWO, deren Kurzversion heute anlässlich des Nordseegipfels 2026 in Hamburg veröffentlicht wurde. Die gesamte Studie wird im Februar 2026 veröffentlicht.

Anhand verschiedener 70-GW-Szenarien zeigt sich, dass durch eine weniger dichte Bebauung und eine grenzüberschreitende Flächenkooperation mit Dänemark und Schweden in der Nord- und Ostsee Abschattungseffekte deutlich reduziert werden. Zudem können Volllaststunden und Erträge um durchschnittlich 6 bis 13 Prozent gesteigert und die Kosten pro Megawattstunde für den Offshore-Strom um 6 bis 11 Prozent gesenkt werden.

„Ein zentraler Hebel für die Steigerung der Kosteneffizienz ist die weniger dichte Bebauung und die Nutzung und Anrechnung ausländischer Flächen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Europäische Kooperation für kosteneffizienten Offshore-Wind-Ausbau

Der BDEW fordert daher bilaterale Vereinbarungen mit Nachbarstaaten, um Offshore-Flächen in deren ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) für den deutschen Strommarkt zu erschließen. Diese könnten dann radial, also ausschließlich an das deutsche Netz, angeschlossen werden.
Zudem spricht sich der Verband für verlässliche und vergleichbare Investitionsbedingungen im gesamten Nordseeraum aus. Als zentrales Instrument nennt der BDEW zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) mit sektorspezifischer Indexierung und klar definierten Zuschlagsobergrenzen. Diese sollten in allen Nordseeanrainerstaaten eingeführt und harmonisiert werden.

Hinsichtlich der Offshore-Elektrolyse fordert der BDEW, deren Hochlauf staatlich zu unterstützen und stärker in die nationale und regionale Offshore-Planung zu integrieren. Kombinierte Anschlusskonzepte mit Seekabeln und Wasserstoffpipelines sollten gesetzlich ermöglicht werden.
„Mit einem solchen integrierten, europäischen Ansatz kann das Potenzial von Offshore-Windenergie für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden“, so Andreae.

AquaVentus für integrierte Offshore-Wind- und Wasserstoffplanung

Die Initiative AquaVentus fordert auf dem Nordsee-Gipfel in Hamburg eine engere Verzahnung von Offshore-Windenergie und Offshore-Wasserstoffproduktion. In einer Diskussionsrunde mit Staats- und Regierungschefs sowie Energieministern unterstreicht AquaVentus-Geschäftsführer Robert Seehawer die strategische Bedeutung der Offshore-Elektrolyse für ein kosteneffizientes und resilientes Energiesystem in Europa.

Offshore-Wasserstoff ist keine Nischenlösung, sondern ein zentraler Baustein für ein wettbewerbsfähiges, sicheres und klimaneutrales europäisches Energiesystem.“

 Robert Seehawer, AquaVentus-Geschäftsführer

Offshore-Wasserstoff könne laut AquaVentus die europäische Versorgungssicherheit stärken, da das Energiepotenzial der Nordsee als heimische und geopolitisch unabhängige Quelle genutzt werde. Voraussetzung für den Markthochlauf sei jedoch die Wirtschaftlichkeit. Durch die Kombination von Offshore-Wind, Offshore-Elektrolyse und gemeinsamer Infrastruktur für Strom und Wasserstoff könnten die Systemkosten deutlich gesenkt werden. Nach Berechnungen von AquaVentus seien allein in Deutschland Einsparungen von bis zu 1,7 Milliarden Euro pro Jahr möglich – bei gleichzeitig höherer Auslastung der bestehenden Offshore-Netze (mehr dazu s. HZwei Nr. 5-2025)

„Im Gegensatz zu milliardenschweren Stützungsmaßnahmen für Übertragungsnetzbetreiber erfordern Forschungs- und Demonstrationsprojekte für Offshore-Elektrolyse nur einen Bruchteil der Mittel und entfalten einen erheblichen Nutzen für das gesamte Energiesystem und die Industrie“, so Seehawer.

Seehawer kritisierte in diesem Zusammenhang regulatorische Hürden: „Wenn Deutschland sich nicht endlich entbürokratisiert, halten wir ganz Europa auf. Die Erlaubnis von kombinierten Strom- und Wasserstoffanschlüssen beispielsweise kostet den Staat nichts, erhöht aber die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der bestehenden Netzinfrastruktur.“

Industriepolitische Chancen und internationale Kooperationen

Neben den energiepolitischen Aspekten hebt AquaVentus auch die industriepolitische Bedeutung hervor. Offshore-Wasserstoff eröffne neue Möglichkeiten für Innovation, technologische Entwicklung und Export – insbesondere für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Die Initiative verweist auf internationale Kooperationen wie das kürzlich geschlossene Memorandum of Understanding mit Hydrogen Scotland.
„Wenn wir jetzt in alten Denkmustern verharren, gefährden wir die Energiewende und den Industriestandort Deutschland“, sagte Seehawer. Der North Sea Summit biete den politischen Rahmen, um mutig und unbürokratisch voranzugehen. /röß