Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2037/2045, den die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW vorgelegt haben, stößt bei AquaVentus auf deutliche Kritik. Die Initiative sieht in der aktuellen Planung eine einseitige Ausrichtung auf Stromnetzausbau und warnt vor einer Vernachlässigung der Offshore-Wasserstoffwirtschaft.
AquaVentus: NEP gefährdet Wasserstoffhochlauf und Kosteneffizienz
„Der Netzentwicklungsplan bildet ausschließlich die Interessen eines rein strombasierten Geschäftsmodells der ÜNB ab“, sagt Robert Seehawer, Geschäftsführer von AquaVentus. Sollte der Entwurf unverändert bestätigt werden, gefährde dies nicht nur den Hochlauf der Offshore-Wasserstoffwirtschaft, sondern auch die Kosteneffizienz der Energiewende insgesamt.
Laut AquaVentus verhindert der Entwurf technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle für Offshore-Windparkentwickler. Insbesondere die Möglichkeit, Wasserstoff direkt auf See zu erzeugen und zu vermarkten, werde durch die einseitige Elektrifizierungsstrategie eingeschränkt. Dies schwäche die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Technologieanbieter.
Zentrale Wasserstoffinfrastruktur bleibt außen vor
Kritisch sieht AquaVentus auch, dass zentrale Infrastrukturprojekte wie die Offshore-Pipeline AquaDuctus im NEP keine Berücksichtigung finden. Die Pipeline ist sowohl als „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) als auch als „Project of Common Interest“ (PCI) der EU eingestuft. Dennoch bleibt sie im Entwurf unberücksichtigt.
Die Initiative warnt vor volkswirtschaftlich ineffizienten Investitionen und steigenden Netzkosten, wenn Strom- und Wasserstoffnetze nicht gemeinsam geplant werden. „Wenn der vorgelegte Netzentwicklungsplan so bestätigt wird, ist das ein schwerer Rückschritt für ein modernes, integriertes Energiesystem“, so Seehawer.
Forderung an die Bundesnetzagentur
AquaVentus fordert die Bundesnetzagentur auf, den Entwurf im weiteren Verfahren grundlegend zu überarbeiten. Dabei sollen insbesondere Freiheitsgrade für kombinierte Anschlusskonzepte erhalten bleiben, Offshore-Elektrolyse und Wasserstofftransport systematisch berücksichtigt und Strom- und Wasserstoffnetze gemeinsam bewertet werden.
Die Initiative verweist auf die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, die europäische Vorgabe zur integrierten Netzplanung sowie die Nationale Wasserstoffstrategie. Diese müssten im NEP stärker abgebildet werden, um den Industriestandort Deutschland langfristig zu sichern.