Das H2Reallabor Castrop-Rauxel ist in sein drittes Projektjahr gestartet. Aktuell erarbeitet das Projektteam konkrete Handlungsempfehlungen für den Einsatz von Wasserstoff in der Stadt. Im Fokus stehen Gewerbecluster mit kleinen und mittleren Unternehmen. Das Werkstattprojekt ist Teil der Initiative H2Raum und wird vom Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (Fraunhofer IEG), der Westfälischen Hochschule, der Gelsenwasser AG und den Stadtwerken Castrop-Rauxel bearbeitet.
Modell berechnet Versorgungskonzepte und Szenarien
Laut dem Projektteam ist das der Modellansatz inzwischen vollständig validiert. Damit sollen sich verschiedene Technologien zu Versorgungskonzepten kombinieren und Szenarien für ausgewählte Stadtgebiete berechnen lassen.
In den vergangenen Monaten führte das Team dafür umfangreiche Datenquellen zusammen. Dazu zählen Vor-Ort-Begehungen, Unternehmens- und Registerdaten sowie Informationen von Stadtwerken und Netzbetreibern. Im Fokus steht das Gewerbegebiet Habinghorst. Dort analysierte das Team die Energiebedarfe aufgeteilt nach Prozess- und Raumwärme sowie die resultierenden Strombedarfe.
Wasserstoff als "Ausgleichsenergie" im dichten Ruhrgebiet
Die Szenarien orientieren sich an der Bedarfsseite. Denn im Ruhrgebiet übersteigt der Bedarf durch die hohe Bevölkerungsdichte die erneuerbaren Erzeugungspotenziale. Das Zusammenspiel von Verbrauch und Erzeugung muss daher berücksichtigt werden, um Engpässe oder Überlastungen durch den Ausbau von Photovoltaik und Windenergie einzubeziehen. Wasserstoff soll sich nach Einschätzung des Projektteams als Baustein in das bestehende Energiesystem einbetten und dort die Rolle einer Ausgleichsenergie übernehmen. Für eine wirtschaftliche Umsetzung sei der perspektivische Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz entscheidend.
Bedingungen veränderten sich während Projektlaufzeit
Schroer verweist auf veränderte Rahmenbedingungen während der Projektlaufzeit. Diese ergäben sich aus politischen Wechseln, verändertem Interesse der Abnehmerseite und einem Abflachen des Wasserstoffhypes. Eine ganze Stadt abzubilden, sei komplex, daher liege der Fokus auf ausgewählten Stadtgebieten. „Gerade in Clustern liegen große Chancen für den wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff. Gebündelte Bedarfe ermöglichen Lösungen, die für einzelne Unternehmen allein oft nicht tragfähig wären“, sagt Schroer.
In den kommenden Monaten will das Team die Ergebnisse gemeinsam mit Unternehmen und Partnern schärfen. Für den Herbst ist ein Abschluss-Workshop geplant. Die Initiative H2Raum wird über das Programm „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.