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H2-Transport

Standard für 380-bar-Wasserstoffcontainer in der Rheinschifffahrt zertifiziert

Die grenzüberschreitende Initiative Rhine Hydrogen Integration Network of Excellence (RH2INE) hat für den standardisierten Entwurf austauschbarer Wasserstoffcontainer eine grundsätzliche Designfreigabe erhalten. Die als "Approval in Principle" (AiP) bezeichnete Bescheinigung stellte die maritime Zertifizierungsorganisation Lloyd's Register aus. Damit sollen Container nach dem offenen Standard künftig einfacher in der emissionsfreien, wasserstoffbetriebenen Binnenschifffahrt im Rheinkorridor eingesetzt werden können.

RH2INE bezeichnet den Schritt als Übergang von theoretischen Konzepten zu einer praktisch einsetzbaren mobilen Wasserstoffinfrastruktur für Binnengüterschiffe, Schubboote und andere Wasserfahrzeuge.

Offener Standard für 20- und 40-Fuß-Container

Die Standardisierungsarbeitsgruppe von RH2INE entwickelte im vergangenen Jahr einen offenen, sicheren und zertifizierten Standard für austauschbare Wasserstoffcontainer mit einem Betriebsdruck von 380 bar in den Ausführungen 20 und 40 Fuß. Beteiligt waren Fachexperten, Industriepartner wie Air Products, Air Liquide, NPROXX, Hexagon Purus, H2Storage, ArgoAnleg, Rheinmetall, Covess und ZBT sowie Lloyd's Register. In Abstimmung mit der European Industrial Gases Association (EIGA) definierten sie unter anderem die Anschlüsse, Sicherheitskomponenten und Verbindungssysteme für die als Multiple-Element Gas Container (MEGC) ausgeführten Tankcontainer.

Nach Angaben von RH2INE zeigt die Designgenehmigung, dass das Konzept vor Beginn der detaillierten Engineering-Phase technisch realisierbar ist. Unternehmen könnten nun auf Grundlage des genehmigten Konzepts planen und bauen.

Einsatz auf der Straße, Schiene und auf dem Wasser

Ein Vorteil des Konzepts liegt laut RH2INE in seiner multimodalen Vielseitigkeit. Die Container dienen nicht nur als austauschbare Kraftstofftanks an Bord von Schiffen, sondern sind auch für die Speicherung und den Transport von Wasserstoff per Lkw, Bahn und Schiff zertifiziert. Grundlage sind die Regelwerke ADR, RID und ADN. Damit lässt sich der Container nach Darstellung der Initiative als standardisiertes Asset in der gesamten Logistikkette einsetzen.

"Mit diesem Approval in Principle zeigen wir, dass emissionsfreie Binnenschifffahrt mit Wasserstoff keine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern eine sichere, standardisierte und praktisch realisierbare Lösung in greifbarer Nähe“, sagt Diederick Luijten, Manager bei RH2INE. „Da der Container flexibel sowohl als Kraftstofftank an Bord als auch als Transportcontainer eingesetzt werden kann, bauen wir Hemmschwellen bei Reedereien und Investoren ab."

Tom Verlinden, Programmmanager bei RH2INE, ergänzt, dass 13 öffentliche Akteure – darunter Hafenbetriebe, Provinzen und Mitgliedstaaten – im RH2INE-Netzwerk die Entwicklung unterstützten.

Hintergrund: Emissionen der Binnenschifffahrt

Die europäische Binnenschifffahrt umfasst laut RH2INE mehr als 13.000 gewerbliche Binnenschiffe. Der Sektor verursacht demnach schätzungsweise 5,5 bis 6 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr. Der Großteil dieser Emissionen entstehe in den Niederlanden und Deutschland, den beiden größten Binnenschifffahrtsmärkten Europas.

Wasserstoff ergänze batterieelektrische Lösungen: Batterien eigneten sich für kürzere Strecken, Wasserstoff biete Reichweite und Leistung für schwere Langstreckenfahrten auf dem Rhein. Zudem könne die flexible Speicherung erneuerbarer Energie in Wasserstoffcontainern zur Stabilisierung der Stromnetze in den Niederlanden, Belgien und Deutschland beitragen.

Grüne Schifffahrtskorridore schaffen

Nach eigenen Angaben will das RH2INE-Konsortium nun drei Folgeschritte umsetzen:

"Erstens wollen wir Pilotprojekte starten und die entwickelten Container als mobile Wasserstoffinfrastruktur auf wasserstoffbetriebenen Schiffen operativ einsetzen.

Zweitens wollen wir grüne Schifffahrtskorridore schaffen und emissionsfreie Routen entlang des Rheindeltas realisieren – zunächst über Point-to-Point-Verbindungen und später über ein flächendeckendes Netzwerk.

Drittens wollen wir den Markt schrittweise skalieren, indem wir die Flotte mit mehr Schiffen und Containern erweitern und gleichzeitig Produktion und Nachfrage nach grünem Wasserstoff fördern“, sagt Luijten.

Parallel wollen Investoren die Rh2ineTainer Company (RTC) gründen. Diese soll die austauschbaren Wasserstoffcontainer verwalten und an Unternehmen der Binnenschifffahrt vermieten.

Der offene RH2INE-Standard für austauschbare Wasserstoffcontainer in der Binnenschifffahrt kann laut Mitteilung vorerst per E-Mail bei der Initiative angefragt und eingesehen werden.