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Natürlicher Wasserstoff

Impulspapier: Viele offene Fragen zu geologischem H2

Die Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) hat ein Impulspapier zu natürlichem Wasserstoff veröffentlicht. Das Papier mit dem Titel „Geologischer Wasserstoff – eine unterschätzte Energiequelle?“ stammt von Fachleuten der Wissenschaftsakademien acatech, Leopoldina und Akademienunion. Es untersucht, welche Mengen an Wasserstoff in der Erde lagern, wie sich Vorkommen finden und abbauen lassen und welche wirtschaftlichen Anwendungen sich daraus ergeben könnten.

Datenlage zu Lagerstätten unklar

Laut ESYS sind die geologischen Prozesse, bei denen Wasserstoff entsteht, bereits relativ gut erforscht. Verlässliche Daten fehlen jedoch zur Frage, ob sich der entstandene Wasserstoff in förderbaren Lagerstätten ansammelt. Bislang werde weltweit nur eine einzige Lagerstätte in Mali zur Energiegewinnung genutzt. „Die Diskussionen mit den internationalen Fachleuten, deren Erkenntnisse dem Impulspapier zugrunde liegen, haben ergeben, dass sich die Vorkommen von natürlichem Wasserstoff nur schwer abschätzen lassen, da hier gleich mehrere Herausforderungen zusammenkommen“, erklärt Karen Pittel, stellvertretende Vorsitzende des ESYS-Direktoriums und Forscherin am ifo Institut.

Die Migration, Ansammlung und Speicherung des Wasserstoffs im Gestein sei bisher nur wenig verstanden. Hinzu komme, dass im Boden gemessener Wasserstoff nicht zwingend aus geologischen Prozessen stammen müsse. Er könne auch durch mikrobielle Prozesse oder bei Bohrungen durch Reibung und Korrosion entstehen.

Ergänzung statt Ersatz für grünen Wasserstoff

Sollten abbaubare Vorkommen gefunden werden, lägen die Produktionskosten nach Einschätzung der ESYS-Fachleute deutlich unter denen von grünem Wasserstoff aus Elektrolyse. Als Ersatz für grünen Wasserstoff sehen die meisten Fachleute den natürlichen Wasserstoff jedoch nicht. Vielversprechend seien vor allem dezentrale Anwendungen, etwa die Co-Produktion mit Helium, die Kopplung mit Geothermie oder die lokale Energieerzeugung.

Der Rechtsrahmen in Deutschland: Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Suche und Förderung unterscheiden sich international deutlich. In Deutschland gilt Wasserstoff seit dem Inkrafttreten des Wasserstoff-Beschleunigungsgesetzes Anfang April als bergfrei. Erkundung und Abbau erfordern damit nicht mehr die Einwilligung der Grundstückseigentümer. Eine gezielte staatliche Forschungsförderung könnte nach Einschätzung von ESYS dazu beitragen, fundierter beurteilen zu können, ob natürlicher Wasserstoff künftig als Ressource eingeplant werden kann.