Bewegende Zeiten für Rotterdam

Ein Who is who der weltweiten Wasserstoffbranche gab sich beim World Hydrogen Summit vom 9. bis 11. Mai 2022 in Rotterdam die Klinke in die Hand: 6.000 Teilnehmer via Streaming und vor Ort sprechen für sich. Allen Beteiligten ist klar, dass die bestehenden Pläne, eine weltweite Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, enorme Investitionen erfordern und etliche der bereits bestehenden Pläne massiv ausgebaut werden müssen. Man muss „groß“ denken, und wie es scheint, tut die Welt dies auch.

Beispiel: Die EU hat kürzlich ihr Ziel für den Hochlauf der Elektrolyseurkapazitäten von 1,7 GW pro Jahr auf 17,5 GW pro Jahr in 2025 erweitert. Es geht um die Dekarbonisierung ganzer Industrien, es geht um Energiesicherheit, es geht um den Klimawandel und den Ersatz fossiler Energieträger. Und natürlich geht es auch darum, Abhängigkeiten zu verringern. Unklar ist dabei, wie sich der Ölpreis entwickeln wird, denn die Nachfrage nach dem schwarzen Gold wird kaum sinken, da die Grundnachfrage auf mittlere Sicht ansteigt.

All das spielt der Produktion von grünem Wasserstoff in die Hände. Bislang macht grüner Wasserstoff allerdings nur ein bis zwei Prozent der weltweiten Wasserstoffproduktion aus – ein langer Weg, bis in 30 Jahren pro Jahr 500 Mio. Tonnen davon produziert werden können. Grünes Ammoniak liegt preislich inzwischen deutlich unter grauem Wasserstoff. Die Transportkosten dafür fallen angesichts der großen Mengen überschaubar aus. Und es gibt neue technologische Ansätze, Ammoniak kostengünstiger zu produzieren.

Es ging in Rotterdam auch um Planungssicherheit, die die Politik bieten muss, denn die Industrie will investieren, braucht aber klare Vorgaben und auch Anreize. Es ist aber erkennbar, dass die Politik diese Zukunftsmärkte offener und konstruktiv begleiten wird. Auch in Bezug auf den voranschreitenden Fachkräftemangel.

Besondere Beachtung fand die Initiative H2Global, deren Ziel es ist, grünen Wasserstoff aus der ganzen Welt (außerhalb der EU) per subventionierten Preis nach Deutschland zu bringen. Da werden neue Technologien zum Einsatz kommen, die die Effizienz der Produktion von Wasserstoff massiv erhöhen. Da werden viele Kooperationen entstehen. Elektrolyseure werden leistungsstärker und gleichzeitig günstiger im Preis, auch wenn der Wasserstoff aufgrund der Rahmenbedingungen am günstigsten nicht in Europa hergestellt, sondern importiert werden wird.

Autor: Sven Jösting

HOC

Kommentar verfassen