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Lagebericht Wasserstoffhochlauf

Resilienz als Impulsgeber

Während die Debatte um Wasserstoff bislang stark industrie-, klima- und innovationspolitisch geprägt war, wird nun die sicherheitspolitische Relevanz immer deutlicher. Wasserstofftechnologien könnten Streitkräfte und sicherheitsrelevante Infrastruktur deutlich unabhängiger von fossilen Importen und geopolitischen Risiken machen. Die NATO hat Wasserstoff bereits explizit als strategischen Baustein für die Energiewende im Verteidigungssektor anerkannt.

Was sind Anwendungsfelder für die Verteidigungsindustrie?

• Mobile Energieversorgung & Logistik: Wasserstoff-Brennstoffzellen bieten leise, wartungsarme und klimaneutrale Stromversorgung – selbst abseits üblicher Versorgungsnetze. Mobile Wasserstoffgeneratoren können Feldlager, Sensorik oder Kommunikationseinheiten autark betreiben und bieten im Vergleich zu Diesel-Infrastruktur Vorteile in Transport, Logistik und Instandhaltung.

• Alternative Kraftstoffe und Fahrzeuge: E-Fuels ermöglichen die Dekarbonisierung bestehender Flotten – entscheidend für Luftwaffe, Marine und Heer. Wasserstoffbetriebene Nutz- und Spezialfahrzeuge reduzieren Abhängigkeiten von Nachschublieferungen klassischer Kraftstoffe, erhöhen Reichweiten und ermöglichen auch im Ernstfall eine autarke Energieversorgung.

Schutz kritischer Infrastrukturen: Stromausfälle und Sabotagen gefährden Einsatzfähigkeit und Versorgung der Streitkräfte. Wasserstoffbasierte Notstromversorgung mit Fuel Cells als Backup ermöglicht Redundanz und Versorgungssicherheit – unabhängig von Dieselreserven und Lieferkettenrisiken.

Chancen für den Wasserstoffhochlauf Die Verteidigungsindustrie ist als Early Adopter, Innovationsmotor und kritischer Großabnehmer prädestiniert, dem Wasserstoffhochlauf Dynamik zu verleihen. Sie kann durch Nachfragebündelung sowie staatliche Investitionen Anreize zur Skalierung bieten. Erste Pilotprojekte bei der Bundeswehr laufen, etwa wasserstoffbetriebene Notstromsysteme, H2-Sonderfahrzeuge oder mobile Tankstellen.

Klar ist aber auch: Militäranwendungen oder ein verstärktes Engagement der Bundeswehr im Bereich Wasserstoff fördern den Hochlauf weniger durch entsprechende Mengennachfragen, sondern als Unterstützung beim Aufbau von Infrastruktur. Der faktische Kraftstoffverbrauch der Bundeswehr am Gesamtkraftstoffverbrauch in Deutschland dürfte sich deutlich unter 1 % bewegen (also deutlich unter 1 Mrd. Liter/0,9 Mio. Tonnen). Die großen Budgets, die jetzt von der Bundesregierung für den Verteidigungsbereich freigemacht wurden, lassen hoffen, dass ein Teil davon auch den Wasserstoffhochlauf beflügelt. Ein Beispiel ist die Unterstützung beim Aufbau dezentraler Versorgungsinfrastrukturen für E-Fuels – wie sie jetzt beispielsweise von Rheinmetall entwickelt werden. Auch Überlegungen wie Quoten für grünen Stahl in Panzerfahrzeugen könnten den Wasserstoffhochlauf indirekt anreizen. Erfolgreiche Pilotanwendungen in der Militärtechnologie können zur Blaupause für eine beschleunigte Marktdurchdringung im zivilen Sektor werden. So kann Resilienz nicht nur zur Prämisse moderner Sicherheitspolitik werden – sondern zur Triebfeder eines Wasserstoffhochlaufs.

Stefan Kaufmann

Rechtsanwalt Dr. ­Stefan Kaufmann berät national und international Unternehmen und Investoren der Wasserstoffwirtschaft. Von 2009 bis 2021 und von 2024 bis 2025 saß er im Deutschen ­Bundestag. Von 2020 bis 2022 war er Innovationsbeauf­tragter Grüner Wasserstoff der Bundesregierung im Bundesforschungsministerium. Für HZwei blickt er künftig regelmäßig auf die aktuellen Entwicklungen beim Energieträger der Zukunft.

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