Der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, haben zum Auftakt der Hydrogen Technology World Expo in Hamburg verlässliche politische Rahmenbedingungen für den Markthochlauf von Wasserstoff gefordert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus bestehenden Projekten tragfähige Investitionen und ein funktionierender Markt entstehen können.
Schwarzelühr-Sutter bezeichnete Wasserstoff als „Schlüsselbaustein für Klimaneutralität, Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Wertschöpfung“. Deutschland verfüge über Unternehmen, Forschungseinrichtungen und technologische Kompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders bei Elektrolyseuren gehörten deutsche Unternehmen nach ihren Worten weiterhin zu den technologisch führenden Anbietern. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Skalierung beginnt und so auch die Kosten sinken“, sagte die Staatssekretärin.
Treibhausgasquote als Nachfrageinstrument
Ein zentrales Thema der Statements war die deutsche Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III im Verkehrssektor. Der DWV begrüßt die Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote), die aus Sicht des Verbands zeigt, wie Regulierung Nachfrage schaffen und Investitionen eine Perspektive geben kann.
Schwarzelühr-Sutter stellte klar, dass die Quote bestehen bleibe: „Durch den Einsatz von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien können Mineralölkonzerne die gesetzlichen Vorgaben zur Treibhausgasquote bei Kraft- und Treibstoffen leichter erfüllen.“ Die Treibhausgasquote trage nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern stärkt gleichzeitig die Nachfrage nach Wasserstoff und ist damit ein wesentliches Instrument für den Hochlauf der Wasserstoffproduktion. „Die Quote wird bleiben.“
Andreas Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender des DWV, bezeichnete die deutsche RED-III-Umsetzung im Verkehr als wichtige Voraussetzung. Dieses Signal brauche jedoch eine europäische Fortsetzung – mit ambitionierten Zielen und Regeln, mit denen Projekte wirtschaftlich werden könnten. „Die Wasserstoffwirtschaft hat viel aufgebaut: Technologien, Partnerschaften und konkrete Projekte. Jetzt können wir gemeinsam den nächsten Schritt gehen: aus Projekten Investitionen und aus Investitionen einen Markt machen“, so Kuhlmann.
Forderung nach praxistauglicheren EU-Produktionsregeln
Beide Akteure sehen Nachbesserungsbedarf bei den europäischen Vorgaben für die Produktion von Wasserstoff. Nach Angaben von Schwarzelühr-Sutter muss die Europäische Kommission die Kriterien für die Produktion regenerativer Kraftstoffe überarbeiten und dabei Hürden für den Einsatz von klimaneutralem Wasserstoff abbauen. Die Bundesregierung setze sich in Brüssel für pragmatische Regelungen ein, um den europaweiten Hochlauf der Wasserstoffproduktion zu beschleunigen.
Kuhlmann warnte davor, bestehende Ziele erneut infrage zu stellen. Das würde aus seiner Sicht Investitionen verzögern, die für den Markthochlauf benötigt werden. „Deutschland und Europa brauchen jetzt einen verlässlichen Kurs beim Wasserstoff. Ambitionierte Ziele und einfachere Regeln gehören dabei zusammen“, so Kuhlmann.
DWV als Partner der Hamburger Fachmesse
Der DWV begleitet die Hydrogen Technology World Expo vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Hamburg als Partner. Zahlreiche Mitgliedsunternehmen des Verbands präsentieren dort Technologien und Projekte. Gemeinsam mit Hydrogen Europe und dem Alfons W. Gentner Verlag ist der Verband in Halle B7 am Stand 7B30 vertreten. Am 20. Oktober wird Schwarzelühr-Sutter den Messestand des DWV besuchen.