Der Wasserstoffhochlauf kommt langsamer voran als politisch erwünscht. Woran das liegen könnte, zeigt eine Studie von Capgemini Invent im Auftrag des Bundesverbandes der Energie‑ und Wasserwirtschaft (BDEW), die auf Interviews mit Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette basiert. Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die sogenannte Multikausalität der Risiken: Probleme entstehen selten isoliert, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren – wie Regulierung, Marktstruktur, Finanzierung, Infrastruktur und Technologie, die sich sich gegenseitig verstärken. In der Folge steigen Risikoaufschläge, was die Finanzierbarkeit („Bankability“) erschwert und finale Investitionsentscheidungen (FID) verzögert. Deshalb werden selbst Projekte mit hohen Förderzusagen verschoben oder gestoppt.
Fehlende Abnahme
Besonders kritisch sehen die Autoren das Abnahmerisiko. Für die Finanzierung großer Elektrolyseprojekte benötigen Produzenten langfristige Abnahmeverträge mit Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren. Viele potenzielle Abnehmer in der Industrie bevorzugen jedoch deutlich kürzere Vertragslaufzeiten. Gründe sind Unsicherheit über künftige Preise, andere Optionen zur Dekarbonisierung und regulatorische Entwicklungen. Aber ohne langfristige Nachfrage lassen sich Projekte kaum finanzieren – und ohne Projekte entsteht wiederum kein Markt.
Finanzierung schwierig
Eng damit verbunden ist das Finanzierungsrisiko. Banken verlangen hohe Eigenkapitalquoten und stabile Erlösstrukturen. Ohne gesicherte Nachfrage sind viele Projekte aus Sicht der Kapitalgeber zu riskant. Förderprogramme können zwar einen Teil der Investitionskosten abfedern. Sie reichen jedoch nicht aus, um die Kapitalkosten entscheidend zu senken oder die Finanzierungsstruktur nachhaltig zu verbessern.
Fazit
Ein Markt entsteht nicht von allein. Erst wenn die Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduziert werden, kann im großen Maßstab investiert werden – und ein funktionierender Wasserstoffmarkt entstehen.
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