Lhyfe hat die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Das in Nantes ansässige Unternehmen erzielte zwischen Januar und Juni 2026 einen Umsatz von 4,7 Millionen Euro.
Im Vorjahreszeitraum waren es 4,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Lhyfe nach eigenen Angaben mit Umsatzerlösen aus dem Verkauf von RFNBO-Wasserstoff von 12 bis 13 Millionen Euro.
Für 2027 stellt die Gruppe ein Wachstum von mehr als 60 Prozent in Aussicht. Die Liquiditätsposition lag zum 30. Juni 2026 bei 45 Millionen Euro.
Messer übernimmt 30 Prozent an vier Produktionsstandorten
Im Juli 2026 hatte Lhyfe eine Partnerschaft mit dem Industriegasekonzern Messer angekündigt. Messer erwirbt 30 Prozent an der Gesellschaft, die vier Produktionsstandorte von Lhyfe in Frankreich und Deutschland hält. Diese verfügen zusammen über 30 MW installierte Elektrolysekapazität. Teil der Vereinbarung ist ein Liefervertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren.
Ab 2026 ist ein Mindestvolumen vorgesehen, das nach Unternehmensangaben mehrere hundert Tonnen erneuerbaren Wasserstoff pro Jahr erreichen könnte. Messer kann bis zu 50 Prozent der Produktion der drei betroffenen französischen Standorte abnehmen.
Lhyfe bezeichnet die Transaktion als erste Capital-Recycling-Transaktion der Gruppe. Das Unternehmen bleibt Mehrheitsgesellschafter und Betreiber der Standorte. Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende 2026 erwartet. Lhyfe rechnet dann mit einem positiven Effekt auf Eigenkapital und Liquidität in Höhe von mehreren Millionen Euro.
Umsatz in Deutschland verdoppelt sich
In Deutschland hat sich der Umsatz von Lhyfe im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Gruppe ein Plus von 130 Prozent gegenüber 2025.
Das Unternehmen führt diese Entwicklung auf den regulatorischen Rahmen in Deutschland zurück. Dazu zählen die Vorgaben zur Treibhausgasminderungsquote mit einer Unterquote für RFNBO, die Mautbefreiung für emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge sowie ein im Januar 2026 aufgelegtes Förderprogramm des Bundes in Höhe von 220 Millionen Euro. Das Programm soll bis zu 40 Wasserstofftankstellen und 400 Wasserstoff-Lkw unterstützen.
Nach Angaben von Lhyfe bieten Hylane und H2 Mobility seit Januar 2026 ausgewählten Kunden an bestimmten Lkw-Tankstellen einen Nettopreis von rund 8 Euro pro Kilogramm an. Lhyfe ist seit 2022 in Deutschland aktiv und beliefert seit 2023 erste Kunden. Zum Kundenportfolio in Deutschland zählen nach Unternehmensangaben rund 15 Kunden, darunter H2Apex und H2 Mobility.
36 MW installierte Elektrolyseleistung
Lhyfe verfügt derzeit über sechs installierte Produktionsstandorte in Frankreich und Deutschland mit einer installierten Elektrolysekapazität von 36 MW. Die Standorte Bouin, Buléon und Bessières in Frankreich sowie Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg sind in Betrieb. Schwäbisch Gmünd mit 10 MW ist der nach Unternehmensangaben größte derzeit in Betrieb befindliche Standort und soll ab 2027 voll zum Umsatz beitragen.
Die Standorte Le Cheylas (10 MW) in der Nähe von Chambéry und Croixrault (5 MW) in der Nähe von Amiens produzierten im Juni beziehungsweise September 2026 erstmals Wasserstoff und befinden sich in der Inbetriebnahmephase. Zur Logistik nutzt Lhyfe eine Flotte von 84 Transportcontainern. Im Berichtszeitraum führte die Gruppe mehr als 570 Lieferungen in Europa durch.
Kostensenkung um 30 Prozent
Lhyfe will seine Struktur- und Betriebskosten auf Jahresbasis um rund 30 Prozent senken. Die Senkung resultiert laut Unternehmen aus dem Ausscheiden von rund 60 Mitarbeitern sowie aus einem strengeren Kostenmanagement. Erste Effekte sollen Ende 2026 sichtbar werden, die volle Wirkung ab 2027. Ende Juni 2026 beschäftigte Lhyfe 126 Mitarbeiter in acht europäischen Ländern.
Bei Großprojekten konzentriert sich Lhyfe auf Onsite-Vorhaben, die direkt beim Kunden errichtet werden sollen. Dazu zählen Green Horizon in Frankreich, Kemsley im Vereinigten Königreich und Delfzijl in den Niederlanden. Für Green Horizon wird die finale Investitionsentscheidung nach Angaben des Unternehmens 2027 erwartet.
Im Oktober 2026 kündigte Lhyfe eine Partnerschaft mit Perpetual Next an. Geprüft werden soll die langfristige Lieferung von erneuerbarem Wasserstoff an die geplante DeltaNor-Biomethanolproduktionsanlage in Delfzijl.
Zudem hat Lhyfe eine Vereinbarung zur gemeinsamen Projektentwicklung mit dem Bau- und Infrastrukturkonzern Strabag für den deutschen Markt geschlossen.
Matthieu Guesné, Gründer und CEO von Lhyfe, erklärt zur Marktentwicklung: „Deutschland hat seine Ambitionen jedoch in konkrete Maßnahmen umgesetzt und einen strukturierten regulatorischen Rahmen geschaffen, der die Nachfrage unmittelbar ankurbelt.“
Zur Partnerschaft mit Messer sagt Guesné: „Die Expertise von Messer im Bereich Industriegase und deren Distribution wird uns helfen, weitere Entwicklungsschritte zu gehen und die nächste Phase der Skalierung vorzubereiten.“