Das italienische Ingenieurunternehmen Techfem hat den Bau des Hydrogen Valley in der süditalienischen Stadt Lamezia Terme fertiggestellt. Der Begriff Hydrogen Valley bezeichnet ein geografisch abgegrenztes Ökosystem, in dem grüner Wasserstoff vor Ort produziert, gespeichert und an lokale Abnehmer aus Industrie und Mobilität geliefert wird. Im vorliegenden Fall vereint die Anlage die Erzeugung erneuerbarer Energie, Elektrolyse, Verdichtung, Speicherung und eine Verladestation für Trailer in einer einzigen Einrichtung auf einem ehemaligen Industriegelände.
Techfem übernahm die Ingenieurplanung und die EPC-Ausführung im Auftrag des Kunden und künftigen Betreibers Teca Gas. Das Projekt wurde mit 6,85 Millionen Euro finanziert. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um das erste Projekt dieser Art in der Region Kalabrien und um das einzige, das von einem privaten Empfänger im Rahmen des italienischen Aufbau- und Resilienzplans (NRRP) entwickelt wurde.
Grüner Wasserstoff mit hohem Druck direkt aus erneuerbaren Energien
Kernstück des Hydrogen Valley ist ein 2-MW-PEM-Elektrolyseur des Herstellers IMI. Zur Anlage gehören Speicher- und Verdichtungssysteme mit einem Druck von bis zu 220 barg, eine 480-kW-Photovoltaikanlage mit 750 Modulen sowie eine Verladestation für Trailer, mit denen der Wasserstoff zu externen Abnehmern transportiert wird.
Techfem zufolge ermöglicht die Konfiguration die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen direkt unter Druck. Der Energieverbrauch wird bei Volllast mit 55 kWh pro Kilogramm H₂ angegeben und liegt damit unter dem im NRRP festgelegten Schwellenwert von 58 kWh/kg. Erste Abnehmer sollen die lokale Metallindustrie sowie bestehende und künftige Verkehrssysteme sein. Teca Gas plant zudem, am Standort Hydromethan zu produzieren, mit einer erwarteten Jahresmenge von 85 Tonnen, die sich an Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs richtet.
Probebetrieb startet jetzt, regulärer Betrieb ab September geplant
Die Anlage wird nun von Techfem getestet und behördlich geprüft. Sobald das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist, soll der Betrieb im September 2026 aufgenommen werden.
„Der Bau des Hydrogen Valley in Lamezia Terme ist das Ergebnis einer vorausschauenden Vision und einer soliden Zusammenarbeit zwischen Techfem und Teca Gas“, sagte Federico Ferrini, CEO von Techfem. Das Projekt sei zudem eine Anerkennung der Fähigkeit des Unternehmens, den gesamten Lebenszyklus einer Prozessanlage von der Planung bis zum Bau zu steuern.
Pasquale Rocca, Technischer Leiter von Teca Gas, bezeichnete das Projekt als Auftakt eines strategischen Wegs für die Region: „Kalabrien muss den Weg der Energiewende und des Ziels null Emissionen entschlossen weitergehen und dabei natürliche Ressourcen wie Wasser und Sonnenlicht mittels Elektrolyse nutzen.“
Techfem mit Sitz in Fano ist seit 1984 im Energiesektor tätig und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeitende an fünf europäischen Standorten. Teca Gas wurde 2008 gegründet, hat seinen Sitz in Lamezia Terme und ist auf LPG-Verteilsysteme sowie den Verkauf und Transport flüssiger und gasförmiger Kraftstoffe spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt 70 Mitarbeitende.