Der Wasserstoffmarkt in Deutschland tritt auf der Stelle. Das ist das zentrale Ergebnis des H2-Marktindex 2026, den sieben Verbände vorgestellt haben. Der Index liegt bei 41 von 100 möglichen Punkten und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Trotz Fortschritten beim Infrastrukturausbau und bei der Regulierung sei eine Belebung des Marktes derzeit nicht erkennbar, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.
Durchgeführt wurde die Online-Erhebung vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI). Auftraggeber sind der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), die H2Global Stiftung, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der VDMA Power-to-X for Applications sowie der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Von Mai bis Juli 2026 flossen 431 Rückmeldungen in die Auswertung ein.
Nur Infrastrukturausbau legt zu
Von vier Hauptrubriken konnte allein der Infrastrukturausbau einen Anstieg verzeichnen. Er liegt nun bei 36 Punkten, nach 35 Punkten im Jahr 2025 und 24 Punkten im Jahr 2023. Besonders die Bewertung der Pipelineinfrastruktur ist gestiegen – von 31 Punkten im Jahr 2023 auf nun 46 Punkte. Als Grund nennen die Verbände die Entscheidung für das Wasserstoff-Kernnetz.
Auch die zahlungspflichtigen Kapazitätsreservierungen im Kernnetz, die binnen drei Monaten von 3 auf 6 GW gestiegen seien, bewerten sie als Signal für den Hochlauf. Speicher- und Importinfrastruktur blieben mit 31 beziehungsweise 30 Punkten unverändert. Import-Routen und Grenzübergangspunkte seien zwar geplant, verfügten aber weitgehend nicht über finale Investitionsentscheidungen.
Politischer Rahmen und Marktentwicklung mit Rückgängen
Das Innovationsumfeld bleibt mit 55 Punkten unverändert und bildet weiterhin den am besten bewerteten Bereich. Das technische Regelwerk legte um 11 Punkte auf 60 Punkte zu – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Im August 2026 seien rund 670 Normen für Wasserstofftechnologien erfasst gewesen.
Der politisch-regulatorische Rahmen sank um zwei auf 36 Punkte. Besonders der wahrgenommene politische Wille verlor 11 Punkte gegenüber dem Vorjahr und liegt nun bei 34 Punkten. 35 Prozent der Befragten sehen in der Überregulierung das größte rechtliche Hindernis. Auch die Förderkulisse wird schlechter bewertet: Ihr Indexwert sank seit 2023 von 40 auf 34 Punkte.
Die Marktentwicklung fiel um zwei auf 35 Punkte. Für 58 Prozent der Befragten ist sie die größte Herausforderung des Hochlaufs. Die Attraktivität von Wasserstoff als Geschäftsfeld in den kommenden zwölf Monaten sank auf 41 Punkte, nach 55 Punkten im Jahr 2023.
Am kritischsten bewertet die Industrie als potenzieller Abnehmer den Hochlauf (29 bis 35 Punkte), am positivsten die Fernleitungsnetzbetreiber mit 51 Punkten.
Verbände fordern CfDs und Nachfrageimpulse
Die Verbände fordern technologieoffene Rahmenbedingungen, eine wirksame Förderung etwa über Contracts for Difference (CfDs) sowie gezielte Nachfrageimpulse. Markus Exenberger, Vorstandsvorsitzender der H2Global Stiftung, sagt: „Der H2-Marktindex zeigt: Die Wirtschaftlichkeit bremst den Hochlauf. Solange die Differenz zwischen den Kosten für klimaneutralen Wasserstoff und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer besteht, fehlen nachhaltige Investitionen auf der Angebots- und Nachfrageseite.“ Bereits existierende Instrumente müssten konsequent eingesetzt werden.
Peter Müller-Baum, Geschäftsführer von VDMA Power-to-X for Applications, erklärt: „Die Technologie ist verfügbar, aber die gesetzliche Regulatorik schafft noch keinen zuverlässigen, praxistauglichen Rahmen. Für einen tragfähigen Wasserstoffmarkt bedarf es weniger, aber besserer Regulierung!“
Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer des VIK, betont: „Der industrielle Wasserstoffhochlauf scheitert weder an fehlendem Know-how noch an mangelnder Investitionsbereitschaft. Die Unternehmen stehen bereit und bringen bereits erste Projekte auf den Weg.“ Was fehle, seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die inländischen Produktionsziele für 2030 gelten laut Index als nicht erreichbar. Importe gewinnen damit nach Einschätzung der Verbände weiter an Bedeutung.