Für den Aufbau einer wasserstoffintensiven Wirtschaft hat China im Vergleich mit Deutschland, Japan und den USA die besten angebotsseitigen Voraussetzungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzanalyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Sie trägt den Titel „Supply-side preconditions for a green hydrogen economy – A case study with the EWI Global PtX Cost Tool 2026" und erscheint gemeinsam mit dem Update des Tools. Gefördert wurde die Arbeit durch die „Förderinitiative Wasserstoff und Moleküle" der Gesellschaft zur Förderung des EWI.
China mit deutlichem Kostenvorteil
Nach den Berechnungen des EWI könnte China grünen Wasserstoff zu durchschnittlichen Kosten von 120 US-Dollar pro Megawattstunde (USD/MWh) heimisch produzieren. Die USA kämen auf im Schnitt 225 USD/MWh und hätten damit fast doppelt so hohe Produktionskosten. Beide Länder könnten ihren künftigen Wasserstoffbedarf laut Analyse im eigenen Land decken und wären nicht auf Importe angewiesen.
„Gründe für den Kostenvorteil sind gute Standorte für Wind- und Solarenergie, niedrige Investitionskosten für Erneuerbare-Energien-Anlagen und Elektrolyseure sowie geringere Lohn- und Finanzierungskosten", sagt Ann-Kathrin Klaas, die die Analyse und das Tool-Update gemeinsam mit Jonas Günzl, Michael Moritz und David Wohlleben erstellt hat.
Deutschland auf Importe angewiesen
Deutschland verfügt den Berechnungen zufolge nur über begrenzte heimische Potenziale. Über Importe aus Nordafrika und anderen EU-Ländern seien Kosten auf dem Niveau von 175 USD/MWh möglich – günstiger als in den USA. Allerdings seien die günstigen Importpotenziale knapp. In einem globalen Markt könnten auch andere Staaten darauf zugreifen wollen.
„Die Abhängigkeit von Importen könnte für Deutschland einen Nachteil bedeuten bei der Versorgungssicherheit und im Preisniveau im Vergleich zu China und den USA", so Klaas.
Japan mit schlechtesten Voraussetzungen
Am ungünstigsten schneidet Japan ab. Der Inselstaat verfügt nur über geringe und teure heimische Produktionspotenziale und ist mangels Pipeline-Anbindung auf Schiffsimporte angewiesen. Diese bedeuten laut EWI einen Kostenaufschlag von 80 USD/MWh oder mehr. Schiffsimporte aus China könnten im Schnitt bei 190 USD/MWh liegen und wären damit günstiger als die heimische Produktion. Japans aktuelle Wasserstoffstrategie nenne China jedoch nicht als potenziellen Versorger. Ohne Lieferungen aus China lägen die Importkosten für Japan bei mehr als 300 USD/MWh.
Methodik und Umfang des Tool-Updates
Das EWI Global PtX Cost Tool modelliert das technisch mögliche weltweite Angebot an grünem Wasserstoff und seinen Derivaten Ammoniak, Methan, Methanol und Fischer-Tropsch-Kraftstoffen. Einbezogen sind die Kosten für Produktion und Transport per Pipeline oder Schiff.
Für das Update 2026 hat das EWI zentrale Annahmen aktualisiert. Dazu zählen die Investitionskosten für Erneuerbare-Energien-Anlagen und Elektrolyseure sowie die länderspezifischen Kapitalkosten (WACC). Zudem arbeitet das Tool nun mit einer höheren geografischen Auflösung und einer überarbeiteten Klassifikation der Photovoltaik-Potenziale. Neu hinzugekommen sind Kosten-Potenzial-Kurven sowie der sogenannte Seasonality Factor. Diese Kennzahl zeigt, wie stark die Produktion im Jahresverlauf schwankt. Nutzerinnen und Nutzer können in eigenen Berechnungen zwei Kostenszenarien bis zum Jahr 2050 sowie zwei Lieferprofile vergleichen. Das Tool steht nach Angaben des EWI kostenlos auf der Instituts-Homepage zur Verfügung.