Power to Hydrogen (P2H2) hat mit der Installation eines 500-kW-Elektrolyseurs im Hafen Antwerpen-Brügge begonnen. Das System basiert auf der Anionenaustauschmembran-Technologie (AEM) und ist nach Angaben des Herstellers die weltweit erste Anlage, die 250-kW-AEM-Stacks in einem industriellen Hafenumfeld einsetzt. Die Inbetriebnahme soll im September erfolgen, der öffentliche Launch ist im selben Monat geplant.
Erster kommerzieller Einsatz der M-Class-Plattform
Bei dem Projekt handelt es sich um die erste kommerzielle Anwendung der M-Class-Hybrid-AEM-Elektrolyseure von Power to Hydrogen. Diese Baureihe ist nach Unternehmensangaben für den Ausbau auf bis zu 25 Megawatt für industrielle Anwendungen ausgelegt. Die Anlage basiert auf modularen 250-kW-Stacks und soll dynamisch betrieben werden können.
Laut Hersteller reagiert das System in weniger als 50 Millisekunden auf Lastwechsel, was den Betrieb mit fluktuierendem erneuerbarem Strom ermöglichen soll. Zudem arbeitet die Anlage unter Druck, wodurch sich der Bedarf an nachgeschalteter Kompression verringere und der Aufbau der Peripherie vereinfache.
Verzicht auf Edelmetalle soll Kosten senken
Die AEM-Technologie ersetzt die in PEM-Elektrolyseuren üblichen Edelmetalle durch günstigere Materialien wie Stahl und Nickel. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich damit die Investitionskosten (CAPEX) gegenüber vergleichbaren PEM-Elektrolyseuren um bis zu 65 Prozent senken. Das Projekt soll eine wiederholbare, installierbare Konfiguration etablieren und durch unabhängige Validierung den Weg für künftige Multi-Megawatt-Projekte ebnen.
„Erneuerbarer Wasserstoff bewegt sich von Pilotprojekten hin zur Infrastruktur, und die Gewinner werden die Unternehmen sein, die im industriellen Maßstab fertigen, liefern und betreiben können“, sagt Paul Matter, CEO von Power to Hydrogen. Das Projekt in Antwerpen sei ein konkreter Schritt hin zu finanzierbaren Anwendungen und zeige, dass produktionsreife Hardware gebaut, geliefert und an einem aktiven Standort in Betrieb genommen werden könne. Es sei die Blaupause für weitere Projekte in Europa.
Erster Abnehmer ist Wasserstoff-Lieferant Holthausen
Der Elektrolyseur soll sowohl Mobilitäts- als auch Industrieanwendungen in der Region versorgen. Nach Unternehmensangaben werden bereits im ersten Betriebsjahr kommerzielle Erlöse erwartet. Wichtigster Abnehmer zum Start ist Holthausen, ein regionaler Anbieter von Industriegasen und wasserstoffbetriebenen Lkw. Das System sei so ausgelegt, dass künftig weitere Kunden beliefert werden könnten.
Rob Smeets, CEO des Hafens Antwerpen-Brügge, ordnet das Projekt in die Strategie des Hafens ein: „Der Hafen Antwerpen-Brügge ist ein Knotenpunkt, an dem Ambition und Handeln zusammenkommen. Indem wir den kommerziellen AEM-Elektrolyseur von Power to Hydrogen bei uns aufnehmen, gehen wir einen weiteren konkreten Schritt, um die Demonstration skalierbarer, flexibler Technologien in Europa zu unterstützen, die für die Energiewende in Europa notwendig sind.“
Versorger als Investoren
Die Anlage im Hafen Antwerpen-Brügge geht zurück auf die Auswahl von Power to Hydrogen als Gewinner des Innovationsprogramms Free Electrons im Jahr 2022. Das Programm wird von mehreren Versorgungsunternehmen getragen, darunter American Electric Power (AEP), EDP, E.ON, ESB, Origin Energy und CLP. Mehrere dieser Unternehmen sind mittlerweile auch Investoren bei Power to Hydrogen. Voraussetzung des Programms war eine kommerzielle Demonstration unter realen Betriebsbedingungen, was den Weg zum NextGen-District im Hafen Antwerpen-Brügge geebnet habe.
„Versorger investieren in Technologien, wenn es einen glaubwürdigen Weg zur Leistung im Feld und wiederholbaren Ergebnissen gibt“, betont Daniel Joisten, Head of Technology Scouting and Innovation bei E.ON Energy Infrastructure Solutions. Das Projekt sei ein wichtiger Schritt, um flexible, lastfolgende AEM-Elektrolyse im kommerziellen Maßstab zu demonstrieren.