Wirtschaftswunder Wasserstoff

Elektrolyseur in Namie, Fukushima, Japan, © Asahi Kasei
© Asahi Kasei

Die Herstellung von Wasserstoff gilt inzwischen weltweit als neuer Zukunftsmarkt. Die vielen unterschiedlichen Elektrolyseurhersteller erfreuen sich derzeit einer bis dato unbekannten Nachfrage. Zahlreiche neue Akteure drängen auf das Feld, und immer mehr konventionelle Energieversorger schwenken von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien um und nehmen H2-Gas in ihr Portfolio auf. Doch wo genau stehen wir aktuell beim Thema Elektrolyseure und was dürfen wir noch erwarten? Hier ein grober Überblick – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Vorsitzende des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands Werner Diwald geht davon aus, dass bis 2050 eine Elektrolyseleistung von 108 bis 350 GW allein in Deutschland benötigt wird. Um diese erreichen zu können, müssten hier ab 2030 jährlich etwa 5 GW aufgebaut werden. Weltweit erwartet er ein Potential von über 78.000 GW.

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Während sich die Gesamtkapazität installierter Anlagen bislang noch im dreistelligen Megawattbereich bewegt, soll die Leistung nach offizieller Planung allein in der EU bis 2030 auf 40 GW steigen, dürfte bis dahin aber schon weitaus höher liegen, wenn man heutige Ausbauziele zum Maßstab nimmt. Kürzlich hat die Internationale Energieagentur (IEA) vorgerechnet, dass zu diesem Zeitpunkt weltweit bereits 850 GW Elektrolysekapazität benötigt werden, um Klimaneutralität bis 2045 zu gewährleisten.

Dr. Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ beim BMBF, betonte, heute komme jeder fünfte Elektrolyseur aus Deutschland – ein Marktanteil, den man auch in Zukunft mindestens halten wolle.

Automechanika

Exponentielles Wachstum erwartet
Die Anlagen werden immer größer: 2017 war der von Siemens in Hamburg-Neuhof installierte 5-MW-PEM-Elektrolyseur der zu dieser Zeit größte seiner Art. Knapp vier Jahre später lag die Latte bereits bei 20 MW. 2021 erklärte Cummins, einen entsprechend großen PEM-Elektrolyseur, den größten zu dieser Zeit, an einem H2-Produktionsstandort von Air Liquide in Bécancour in der kanadischen Provinz Québec in Betrieb genommen zu haben. Die Anlage erzeugt 3.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr mithilfe der dort reichlich vorhandenen Wasserkraft.

Für eine weitere Elektrolyseanlage von Siemens erfolgte am 9. Juni 2021 im Energiepark Wunsiedel der Spatenstich. Die Anlieferung des Containers mit einer Anschlussleistung von 8,75 MW erfolgte am 9. November. Ab Sommer 2022 sollen damit 1.350 Tonnen grünen Wasserstoffs jährlich erzeugt werden. Insgesamt plane Bayern, in den nächsten Jahren „eine Milliarde Euro in Wasserstoffprojekte“ zu investieren, so Ministerpräsident Dr. Markus Söder.

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Der Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa gab Ende 2020 bekannt, mit Green Hydrogen Systems (GHS) zu kooperieren. Deren Elektrolyseur wird im dänischen Brande mit dem Strom einer 3-MW-Windturbine versorgt, um mit diesem Gas im Inselbetrieb einen H2-Lastwagen von Everfuel betanken zu können. Auch Ørsted greift auf einen Elektrolyseur-Stack von GHS zu, um zwei 3,6-MW-Offshore-Windräder für die Wasserstofferzeugung nutzen zu können.
Zudem gaben Trianel und die Stadtwerke Hamm bekannt, dass sie im Rahmen ihres Joint Ventures namens Projektgesellschaft Wasserstoffzentrum Hamm GmbH & Co. KG planen, auf dem Gelände des Gaskraftwerks Hamm-Uentrop bis 2024 einen Elektrolyseur mit 20 MW Leistung zu errichten.

Noch größer wird es in Leuna, wo Linde die nach eigenen Angaben „größte PEM-Elektrolyseanlage der Welt“ aufbauen will. Starten wird die 24-MW-Anlage des Joint-Venture-Partners ITM Power mit zertifiziertem Ökostrom. Ab Mitte 2022 sollen mit in der Nähe erzeugten erneuerbaren Energien bis zu 3.200 Tonnen grünen Wasserstoffs pro Jahr hergestellt werden. […]

… gekürzte Online-Version

Den kompletten Fachbericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe des HZwei-Magazins.

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