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Komponenten

Alles geregelt

Text: Eva Augsten

Es ist nicht leicht, sich im Konferenzraum von Bürkert auf die Powerpoint-Präsentation zu konzentrieren. Wer sich für die Herstellung von Mess-, Steuer- und Regelungskomponenten interessiert, bekommt durch die große Glaswand viel mehr zu sehen. Der Blick schweift über eine moderne Fabrikhalle. Zu erkennen sind von oben vor allem die verglasten Arbeitsbereiche, in denen Menschen an Computerarbeitsplätzen sitzen. Sie entwerfen mit Ventilen, Sensoren und Reglern von Bürkert ganze Baugruppen und Lösungen, die speziell auf die Wünsche einzelner Kunden abgestimmt sind. „Wir nennen diesen Ort Systemhaus“, so Dominik Fröhlich, zuständig für das Business Development von Bürkert für Kunden aus der Energiebranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für das Unternehmen, dessen Geschichte vor 80 Jahren mit Magnetventilen begann und das heute u. a. auch Sensoren und Regler herstellt, ist die Wasserstoffbranche eine von vier Zielindustrien. „Wir sehen den Energy-Markt – insbesondere Wasserstoff – als klaren Zukunftsmarkt mit großem Wachstumspotenzial“, ergänzt Fröhlich.

Eine Lösung aus dem Systemhaus kann zum Beispiel eine Kombination aus einer SPS-Steuereinheit von Siemens und einer sogenannten Ventilinsel von Bürkert sein. Letztere übersetzt die elektrischen Steuersignale in Druckluft, um die pneumatischen Ventile zu steuern. Die gesamte Baugruppe ist nicht nur für die oft vom Kunden gewünschte ATEX-Zone ausgelegt, sondern kann auch in funktional sicheren Anlagen eingesetzt werden.

Die starke Integration sei im Wasserstoffbereich vor allem für Elektrolyseanlagen interessant. Dass man die Anforderungen der Kunden kennt und vertrauensvoll zusammenarbeitet, ist laut Fröhlich eine Besonderheit. Mit der fachlichen Nähe zum Kunden möchte man sich von der globalen Konkurrenz absetzen. Ein weiterer entscheidender Faktor sind die kontinuierlichen Investitionen in die Weiterentwicklung des Portfolios für diese Applikationen, mit denen das Unternehmen seine führende Position in dieser Branche stärkt.

Einer für alles

Bei Elektrolyseuren möchte Bürkert als One-Stop-Shop punkten. „In einem 100-Megawatt-Elektrolyseur stecken mehrere Hundert Regelventile, Kugelhähne und Klappen und etwa noch mal so viele Sensoren“, sagt Fröhlich. Jedes Bauteil hat nicht nur im physikalischen Sinne Schnittstellen im System, sondern muss spezifiziert, bestellt, abgenommen und manche auch gewartet werden. „Die große Zahl der Komponenten und Schnittstellen ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Gerade für Start-ups, deren Fokus und Spezialwissen bei den besonderen Elektrolysetechnologien liegt, können wir mit unserem Konzept eine große Unterstützung sein“, so Fröhlich. Zum Portfolio gehören nach der Lieferung optional auch Wartungsleistungen wie Dichtungswechsel oder Kalibrierung, auch wenn die Anlage Produkte anderer Hersteller enthält.

Alles noch dicht

Wasserstoff als Medium ist für das Unternehmen nicht neu. In manchen Anwendungen mit dem flüchtigen Gas sind Bürkert-Komponenten bereits seit 25 Jahren im Einsatz. Mit seinen grundsätzlichen Anforderungen ist man also wohlvertraut. Doch ein paar Anpassungen waren für die modernen Anwendungen doch noch nötig. In Elektrolyseuren und auch an Wasserstofftankstellen wird insbesondere mit sehr hohen Drücken gearbeitet, an vielen Stellen mehrere Hundert bar. Dafür musste Bürkert sein Portfolio optimieren, insbesondere die Dichtungsmaterialien anpassen und unter diesen besonderen Bedingungen neu testen. „Unsere Komponenten sind für die gesamte Lebensdauer eines Elektrolyseurs ausgelegt“, sagt Fröhlich. Selbst bei anspruchsvollen Anwendungen wie alkalischen Elektrolyseuren, in denen aggressive Medien wie Kalilauge (KOH) eingesetzt werden, bietet Bürkert ein optimiertes Portfolio, das zuverlässig mit diesen Bedingungen umgehen kann. So stellt das Unternehmen sicher, dass seine Lösungen auch unter extremen Anforderungen dauerhaft leistungsfähig bleiben. „Da wir die Anforderungen kennen, können wir nicht nur die passenden Komponenten liefern, sondern auch den Service darüber hinaus“, so Fröhlich.

Dominik Fröhlich verantwortet bei Bürkert das Business Development für Kunden aus der Energiebranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

© Bürkert

Dominik Fröhlich verantwortet bei Bürkert das Business Development für Kunden aus der Energiebranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Komponenten für die Nische und darüber hinaus

Dass Bürkert sich damit rühmen kann, für nahezu jede Anwendung die passende fluidische Lösung zu haben, liegt an der Unternehmensstrategie. Die Fluidikexperten mit Hauptsitz in Ingelfingen legen einen Schwerpunkt auf Systemlösungen. Aus einzelnen Ventilen, Sensoren und Reglern des Standardprogramms entstehen durch geschickte Auswahl je nach Anforderungen passende neue Systemlösungen.

Die Komponenten und Systemlösungen werden oft in Handarbeit an Montagestationen gefertigt. Das eingespielte Montageteam, das oft auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen kann, arbeitet die definierten Montageschritte präzise ab. Unterstützt werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch modernste Technik. Die Bauteile für die einzelnen Komponenten fahren aus dem Hochregallager in einer Transportbox über Rollenbahnen unter der Hallendecke und Aufzüge bis fast direkt an den jeweiligen Montageplatz. Ein Monitor an jedem Montageplatz zeigt an, welches Produkt gefertigt werden soll und was dabei zu beachten ist. An manchen Montagestationen gibt es auch Roboter, die den Menschen unterstützen.“

Auch für eine mögliche künftige Großserienproduktion ist Bürkert gewappnet, wie der Produktionsstandort Gerabronn zeigt. Dort produziert das Unternehmen bereits heute Spulen und Ventilkomponenten auf Fertigungsanlagen, die für große Losgrößen ausgelegt sind. Sollte die Wasserstoffbranche weiter wachsen und eine Skalierung der Ventilproduktion erforderlich werden, steht dem nichts im Wege. Fröhlich sagt: „Wir rechnen damit, dass die Branche in den 2030ern durchstartet.“

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