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Globaler Wasserstoffhochlauf

IDTechEx-Studie: China hält 55 Prozent der Projekt-Pipeline für grünen Wasserstoff

China hat sich zum zentralen Treiber des globalen Marktes für grünen Wasserstoff entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Report „Green Hydrogen Production & Electrolyzer Market 2027-2037“ des britischen Marktforschungsunternehmens IDTechEx. Demnach verfügt die Volksrepublik derzeit über rund 19 Gigawatt an verbindlich zugesagter Produktionskapazität für grünen Wasserstoff. Das entspricht etwa 55 Prozent der weltweiten Projekt-Pipeline, bei der eine finale Investitionsentscheidung (FID) vorliegt.

Blauer Wasserstoff spielt kaum eine Rolle

Zugleich ist China laut dem Report der größte Wasserstoffproduzent und -verbraucher der Welt. Auf das Land entfällt mehr als ein Viertel der globalen Produktion. Mehr als 60 Prozent der chinesischen Wasserstoff-Investitionen, die eine finale Investitionsentscheidung erreicht haben, fließen in grünen Wasserstoff. Auf blauen Wasserstoff – also solchen aus Erdgas mit CO2-Abscheidung – entfällt dagegen nur etwa ein Prozent. Damit verfolgt China nach Einschätzung von IDTechEx einen anderen Weg als Europa und Nordamerika, wo blauer Wasserstoff als Übergangslösung eine größere Rolle spielt.

Hydrogen als „Future Industry“ im 15. Fünfjahresplan

Strategisch verankert ist Wasserstoff im 15. Fünfjahresplan (2026-2030), den die chinesische Regierung im März 2026 vorgestellt hat. Darin wird der Sektor als „Future Industry“ und als möglicher Wachstumstreiber benannt. Die Strategie folgt dem Rahmen „1+N+X“ und zielt darauf ab, die Wasserstoff-Nachfrage über verschiedene Anwendungen hinweg auszuweiten. Als Einstieg dient der Einsatz in Brennstoffzellen-Fahrzeugen, über den der Aufbau der Infrastruktur vorangetrieben werden soll. Parallel dazu adressiert die Strategie industrielle Großanwendungen wie grünes Ammoniak, grünes Methanol, wasserstoffbasierte Stahlerzeugung und den Ersatz chemischer Rohstoffe. Auch Schifffahrt, Luftfahrt und Schienenverkehr werden als mögliche Einsatzfelder genannt.

China wird bei Elektrolyseuren wahrscheinlich nicht so dominant wie bei Photovoltaik-Modulen

Auch im Markt für Elektrolyseure sind chinesische Anbieter dominant. Sie halten laut IDTechEx im Jahr 2026 mindestens 60 Prozent der globalen Fertigungskapazitäten. Einzelne Komponenten und Systeme aus chinesischer Produktion sollen bis zu zehnmal günstiger sein als vergleichbare Angebote internationaler Hersteller. Grundlage dafür seien großskalige Produktionskapazitäten und eine stark integrierte heimische Lieferkette.

IDTechEx geht allerdings davon aus, dass China im Elektrolyseur-Markt nicht die gleiche Dominanz erreichen wird wie bei Solarmodulen. Anders als Photovoltaik-Module seien Elektrolyseure komplex integrierte Systeme, die eine Abstimmung von Strom, Wasser, Gasströmen und Balance-of-Plant-Komponenten erforderten. Die Wettbewerbsfähigkeit hänge daher nicht allein von Fertigungsgröße ab, sondern auch von Engineering-Kompetenz und Systemintegration. Zudem seien grüne Wasserstoffprojekte stark auf lokal erbrachte EPC-Leistungen (Engineering, Procurement, Construction), Genehmigungen und Infrastrukturentwicklung angewiesen.

Handelspolitik fördert regionale Lieferketten

Hinzu kommt nach Darstellung von IDTechEx ein zunehmend fragmentiertes Marktumfeld. Regelungen wie die US-Vorgaben zu „Foreign Entities of Concern“ (FEOC) sowie Einschränkungen beim Einsatz chinesischer Elektrolyseure in europäischen Förderprogrammen begünstigten den Aufbau regionaler Lieferketten. Chancen für nicht-chinesische Anbieter sieht IDTechEx vor allem dort, wo höhere Anfangsinvestitionen durch längere Betriebsdauer, bessere Zuverlässigkeit und höhere Systemeffizienz ausgeglichen werden – und damit zu geringeren Gestehungskosten für Wasserstoff (LCOH) über die Projektlaufzeit führen.

Insgesamt rechnet IDTechEx damit, dass China in den kommenden zehn Jahren Haupttreiber des globalen Marktes für grünen Wasserstoff bleiben wird. Eine Dominanz eines einzelnen Landes im weltweiten Markt sei jedoch unwahrscheinlich. Lokale Projektanforderungen und wachsende Prioritäten im Bereich Energiesicherheit sprächen für einen diversifizierten Markt.