Zentral oder lokal?
In Deutschlands Wasserstoffindustrie herrscht ein Mangel an systemischem Denken, so die Behauptung. Viele fordern eine Wasserstoffstrategie, die in eine Dekarbonisierungsstrategie unserer Wirtschaft eingebettet ist. Einen zentralen Ansatz also – ähnlich wie in China.
Ein solcher Ansatz verlangt grundlegende Technologie‑ und Finanzierungsentscheidungen. Soll die Befreiung der Elektrolyseure von Netzentgelten weiter gelten? Muss das Stromnetz so massiv ausgebaut werden, nur um ein „All‑Electric“-Szenario zu ermöglichen? Warum regulieren wir die Farbe des Wasserstoffes so streng, während wir beim Strom darauf verzichten?
In Zeiten knapper Kassen lassen sich solche zentralen Fragen nicht gleichzeitig mit der nötigen Qualität lösen.
Doch wir dürfen nicht übersehen: Ein zentraler Ansatz birgt eigene Risiken. Vielfältige Abwägungen bremsen Entscheidungen. Die Umsetzung folgt erst Jahre später. Und: Lokale, potenziell disruptive Lösungen werden leicht übersehen oder durch zentrale Vorgaben ausgebremst.
Ein Beispiel für eine disruptive lokale Lösung bietet die Firma Hy2B Wasserstoff. Sie betreibt in Bayern einen 5‑MW‑Alkali-Elektrolyseur mit Abfüllstation und versorgt zwei Tankstellen für Busse und LKWs mit grünem Wasserstoff. Das intelligente Strommanagement nutzt Strom, wenn er besonders günstig ist.
Dadurch entsteht grüner Wasserstoff unterhalb der Dieselparität. Es geht also.
Zentral oder lokal ist daher aus meiner Sicht nicht die Kernfrage. Wir brauchen beides. Einen systemischen Rahmen, der Anreize für lokale Lösungen schafft. Lokales schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort und reduziert unsere Energieabhängigkeit vom Ausland.
Ideen entfalten dann eine besondere Kraft, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wenn lokale Ansätze skaliert werden, erlangen sie systemische Relevanz. „Build local“ könnte eine solche Idee sein.