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Finanzierung

Risiken umschichten mit Leasing

Text: Michael Almeida

Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Speicherlösungen oder wasserstoffbasierte Produktionsprozesse sind technisch verfügbar. Doch der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft braucht auch Investitionen. Für viele Unternehmen, gerade aus dem Mittelstand, stellt sich daher die Frage: Wie lässt sich der Einstieg wirtschaftlich sinnvoll finanzieren? Leasing ist für viele dieser Projekte ein passendes Modell.

Leasing oder Kredit?

Auf den ersten Blick ähneln sich Leasing und Bankkredit. Bei beiden werden regelmäßige Raten gezahlt, der Finanzierungspartner will sein Risiko begrenzen und eine Vergütung für die Kapitalbereitstellung erzielen. Leasing ist dabei kein Wundermittel, die Anlage wird durch einen Leasingvertrag nicht günstiger. Was sich ändert, ist die Struktur: Wer zahlt wann was, und wer trägt welches Risiko?

Bankkredit: Das Unternehmen nimmt Fremdkapital auf, kauft die Anlage und bilanziert sie als Anlagevermögen. Die Verbindlichkeit erscheint auf der Passivseite der Bilanz. Das belastet Kennzahlen wie Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad – und schränkt den Spielraum für weitere Investitionen ein.

Leasing: Die Anlage bleibt Eigentum des Leasinggebers. Für den Leasingnehmer erscheint die Investition nicht als Verbindlichkeit in der Bilanz. Die Leasingraten werden als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt. Das Unternehmen nutzt die Anlage, ohne sie besitzen zu müssen, und verbessert damit seine Kreditlinien sowie die Bonität gegenüber Banken.

Leasing empfiehlt sich besonders, wenn Liquidität und bilanzieller Spielraum erhalten bleiben sollen, wenn planbare Betriebskosten über eine mittlere Laufzeit gewünscht werden oder wenn die Technologie weiterentwickelt wird und ein späterer Austausch absehbar ist. Ein Bankkredit kann sinnvoller sein, wenn langfristiger Eigentumserwerb das Ziel ist oder wenn steuerliche Abschreibungsvorteile genutzt werden sollen.

Leasing funktioniert nicht für jede Investitionsgröße. Bei Würth Leasing liegt der sinnvolle Einstieg bei einem Investitionsvolumen von rund 50.000 Euro. Darunter ist der Aufwand eines Leasingvertrags häufig nicht wirtschaftlich.

Typische Laufzeiten liegen bei Industrieanlagen zwischen 36 und 72 Monaten. Die konkrete Laufzeit ergibt sich aus drei Faktoren: der technischen Nutzungsdauer der Anlage, den steuerlichen AfA-Vorgaben (die Mindest- und Maximallaufzeiten definieren) und der Liquiditätsplanung des Unternehmens. Kurze Laufzeiten bedeuten höhere Monatsraten, bieten aber frühere Flexibilität. Längere Laufzeiten senken die Rate und schonen die Liquidität. Bei Würth Leasing besteht am Ende eine Kaufoption zu einem Restwert, der bei Vertragsabschluss vereinbart wird.

Andere Struktur der Risikoverteilung

Leasing ändert die Risikostruktur. Würth Leasing arbeitet als Objektfinanzierer und legt das Hauptrisiko auf das Objekt selbst ab. Im Mittelpunkt der Prüfung stehen daher die Anlage und ihre technische Qualität, die realistische Nutzungsdauer und der verwertbare Restwert. Anders gesagt: Könnte die Anlage bei Bedarf weiterverkauft oder anderweitig verwertet werden?

Die Bonität des Unternehmens muss auch stimmen, steht aber nicht im Vordergrund. Ein Unternehmen mit guten Anlagen und solider Projektbasis kann auch dann leasingfähig sein, wenn klassische Bankkennzahlen keinen weiteren Kreditspielraum signalisieren.

Je nach Technologie, Projekt und Bonitätslage kann es sinnvoll sein, eine Anzahlung zu vereinbaren. Das senkt für den Leasingnehmer die monatliche Leasingrate und verschafft dem Leasinggeber zusätzliche Sicherheit, weil ein Teil des Objektwerts von Beginn an gedeckt ist.

Bei jungen Technologien wie Elektrolyseuren ist die Restwertbewertung naturgemäß vorsichtiger als bei etablierter Industrietechnik. Das fließt in die Kalkulation ein. Leasing ist also kein Instrument zur Umgehung von Risiken, sondern es ist eine andere, häufig besser passende Struktur der Risikoverteilung.

Fallbeispiel: Wenn die Bank Nein sagt

Das könnte zum Beispiel so aussehen: Ein mittelständischer Metallverarbeiter will für 800.000 Euro einen Elektrolyseur zur Eigenversorgung mit Wasserstoff anschaffen.

Das Unternehmen ist wirtschaftlich gesund, hat jedoch in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in neue Produktionslinien über Bankkredite finanziert. Der Verschuldungsgrad ist entsprechend hoch - die Hausbank sieht keinen weiteren Spielraum für zusätzliche Verbindlichkeiten.

Über Leasing lässt sich dieses Projekt anders strukturieren. Die neue Anlage erscheint nicht als Verbindlichkeit in der Bilanz. Die Kreditlinie bei der Hausbank bleibt unangetastet. Würth Leasing prüft nicht nur die Bonität des Unternehmens, sondern bewertet auch die Anlage selbst und ihre technische Qualität, die Nutzungsdauer und den realistischen Restwert. Auf dieser Basis lässt sich ein Leasingvertrag über 60 Monate strukturieren, der zur Liquiditätsplanung passt. So wird das Projekt realisierbar, indem das Risiko anders verteilt wird.

Knackpunkt Förderung

Viele Wasserstoff-Projekte entstehen in bestehender Industrie- und KMU-Struktur: im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung, in Zuliefererbetrieben oder in energieintensiven Branchen. Als Teil der Würth-Gruppe begleitet Würth Leasing solche Unternehmen seit vielen Jahren.

In den vergangenen Monaten haben mehrfach Unternehmen aus diesen Branchen mit konkreten Wasserstoffprojekten Interesse an den Angeboten von Würth Leasing gezeigt. Es ging um Elektrolyseure zur Eigenversorgung, um Infrastruktur für wasserstoffbetriebene Logistik oder um Produktionsanlagen mit neuen Verfahren.

Trotzdem konnten solche Projekte bisher oft nicht über Leasing umgesetzt werden, da Förderprogramme das nicht zulassen. Dabei findet sich nur selten ein expliziter Ausschluss von Leasing. Viele Förderprogramme setzen vielmehr voraus, dass der Antragsteller rechtlicher Eigentümer der geförderten Anlage ist. Da beim Leasing das Eigentum beim Leasinggeber bleibt, gelten solche Investitionen in zahlreichen Programmen bisher als nicht förderfähig.

Betroffen sind unter anderem verschiedene KfW-Programme zur Energieeffizienz und Dekarbonisierung, BAFA-Förderungen für Prozesswärmeanlagen sowie mehrere Landesförderprogramme mit Technologiebezug. Selbst wenn ein Projekt technisch und wirtschaftlich förderwürdig ist, kann die Förderfähigkeit bisher an der Finanzierungsform scheitern.

Förderprogramme öffnen sich

Diese Situation beginnt sich zu verändern. Laut dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen passen mehrere Landesförderprogramme ihre Richtlinien an und öffnen sich auch für diese Möglichkeit der Projektumsetzung. Einige Programme überprüfen ihre Richtlinien und schaffen Ausnahmen oder Klarstellungen, die Leasing zulassen können. Das heißt: Investitionen können künftig häufiger auch dann gefördert werden, wenn sie über Leasing finanziert werden.

Das hat in der Praxis große Wirkung. Leasing ist – unabhängig von Förderprogrammen – seit Jahrzehnten ein etabliertes Finanzierungsinstrument. Unternehmen können Anlagen nutzen, ohne dass diese in der Bilanz erscheinen und so ihren finanziellen Spielraum behalten.

Wo Förderprogramme zusätzlich genutzt werden können, verstärkt sich dieser Effekt: Fördermittel und strukturierte Leasingfinanzierung lassen sich kombinieren, was die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte deutlich verbessern kann. Gerade in einer frühen Marktphase kann das die privatwirtschaftliche Finanzierung und damit den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft erleichtern.

Michael Almeida
Sales Manager bei Würth Leasing

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