PtX-Retrospektive und -Perspektive

Das Fortschreiten der PtX-Technologien innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte, begonnen in Deutschland, scheint sich zu einer Erfolgsgeschichte mit aktuell über 900 Projekten weltweit zu entwickeln. Derzeit ist ein Übergang von kleinen Pilotprojekten im Labormaßstab hin zum großkommerziellen Einsatz zu beobachten. Bisherige und auch zukünftige PtX-Aktivitäten werden von der LBST begleitet und analysiert.

Mit der Kopplung von Strom, Gas und Transport im Rahmen der Energiewende entsteht eine neue technische Infrastruktur, in der das Power-to-X-Konzept (PtX) als Sektorenkopplungstechnologie einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wirtschaft leisten kann. Unter dem Begriff PtX werden Anlagenkonzepte verstanden, die elektrische Energie zu Wasserstoff und bei Bedarf unter Hinzufügung von Kohlenstoff weiter zu gasförmigen oder flüssigen Kohlenwasserstoffen synthetisieren.

Transglobal

Seit 2011 verfolgt die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) die Entwicklung entsprechender PtX-Aktivitäten und unterhält eine Datenbank, in der mittlerweile über 900 Projekte weltweite erfasst sind. Waren anfangs nur kleinere Anlagen mit Elektrolyseleistungen im Kilowatt-Bereich für Forschungszwecke aufgeführt, so werden heute Projekte mit elektrischen Leistungen von mehreren Megawatt (MW) realisiert. Noch größere Anlagen im Gigawatt-Bereich befinden sich aktuell international in verschiedenen Vorbereitungsstufen. Treiber hierfür sind der steigende Druck, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, umfassende öffentliche wie private Finanzmittel und nicht zuletzt auch der durch den Ukraine-Konflikt zusätzlich angefachte Bedarf nach einer Diversifizierung der Energieversorgung.

Standort Deutschland
Mit Stand April 2022 befanden sich allein in Deutschland rund 200 Forschungs- und Demonstrationsanlagen in verschiedenen Stadien der Umsetzung (von „Ankündigung“ über „Planung“ bis „Bau und Betrieb“). Die gesamte installierte elektrische Leistung der PtX-Anlagen in der Bundesrepublik beträgt derzeit knapp 55 MW. Zum Vergleich: Im Mai 2012 lag die Gesamtleistung bei unter 50 kW. Das entspricht einer Vertausendfachung innerhalb von zehn Jahren.

Automechanika

Die größte Wasserstoffelektrolyseanlage in Deutschland, die mit einer Polymer-Elektrolyt-Membran-Technologie (PEM) ausgestattet ist, hat eine Leistung von 10 MW und wurde im Rahmen des Projektes REFHYNE Mitte 2021 in Betrieb genommen. Die von ITM Power gebaute und von Shell betriebene Anlage produziert 1.300 Tonnen Wasserstoff pro Jahr für die Rheinland Raffinerie in Wesseling. Basierend auf diesen Erfahrungen entwickelt ITM Power derzeit ein Design für eine 100-MW-PEM-Anlage.[…]

… gekürzte Online-Version
Den kompletten Fachbericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe des HZwei-Magazins.

decarbxpo

AutorInnen:
Tetyana Raksha & Luis A. Martinez B. – beide Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST), Ottobrunn/München

HOC

1 Gedanke zu „PtX-Retrospektive und -Perspektive“

  1. Zitat:
    “Unter dem Begriff PtX werden Anlagenkonzepte verstanden, die elektrische Energie zu Wasserstoff und bei Bedarf unter Hinzufügung von Kohlenstoff weiter zu gasförmigen oder flüssigen Kohlenwasserstoffen synthetisieren.”
    Ist das so?!?
    Also ich kenne eine deutlich weiter gefasste Definition, die neben PtG (Power to Gas) und PtL (Power to Liquid) eben auch PtH (Power to Heat) – also den Wärmesektor mit einschließt.
    Aber direkt zum beworbenen Projekt:
    Dass die derzeit größte PEM-Elektrolyseanlage des Projektes REFHYNE in Deutschland mit 1.300t H2 /Jahr nur einen Bruchteil der von der Shell Rheinland Raffinerie am Standort Wesseling (ca. 180.000t H2 /Jahr) benötigten Wasserstoffmenge produziert, ist kein Makel – es ist ja nur ein Anfang.
    Kritischer sehe ich, dass auch dieser Elektrolyseur mit Netzstrom betrieben wird und im Projekt keinerlei Angaben zu einem eigenen Ausbau /Zubau der EE-Stromerzeugung gemacht werden. Wenn die Akteure verpflichtet würden, wenigstens bilanziell die benötigten regenerativen Strommengen zusätzlich neu zu erzeugen – dann hätte man den Kritikern etwas entgegenzusetzen, die diese mit Steuergeld subventionierten Projekte als eher klimaschädlich und als Greenwashing bezeichnen.

    Antworten

Kommentar verfassen