Chancen der Digitalisierung

Kommentar zum Wandel der Veranstaltungsbranche

Hydrogeit
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Auch Anfang 2022 wurden bereits wieder viele ursprünglich für Jahresbeginn geplante Messen und Kongresse verschoben – zunächst in den Sommer. Nach wie vor wissen die meisten Veranstalter nicht genau, welche Events wie geplant live durchführbar sein werden. Das gilt auch für die Hannover Messe, die vom April auf Ende Mai verlegt wurde. Digitale Formate erfreuen sich deswegen seit Monaten einer regen Nachfrage. Was bedeutet dieser Trend für die H2-Branche? Sind fehlende Messen ein Verlust, oder stellen Online-Events einen adäquaten Ersatz dar – und bergen vielleicht sogar neue Potentiale? Sollten im Sommer überhaupt Live-Veranstaltungen stattfinden, bevor es dann im Herbst eventuell wieder virtuell wird?

Im HZwei-Heft vom Januar 2021 habe ich schon einmal die „Digitalisierung in der Veranstaltungsbranche“ thematisiert. Damals wussten wir noch nicht, wie lange uns die Pandemie in ihrem Griff halten wird. Es war allerdings schon absehbar, dass die Digitalisierung des Veranstaltungssektors immer schneller immer wichtiger wird.

Mittlerweile seit zwei Jahren wirbelt die Pandemie die Terminkalender immer wieder durcheinander, ein jährlicher Rhythmus ist kaum noch erkennbar. Außer bei Mission Hydrogen: Die digitale Veranstaltungsagentur hat seitdem zahlreiche Online-Webinare mit jeweils mehreren Hundert TeilnehmerInnen durchgeführt. Zudem werden mittlerweile zwei Großveranstaltungen im Jahr organisiert – im Frühjahr der Hydrogen Online Workshop (HOW – jetzt am 3. März) und im Herbst die Hydrogen Online Conference (HOC). Die weiteren Termine stehen bereits bis 2027 fest und liegen immer genau ein halbes Jahr auseinander.

Mission Hydrogen zeigt, wie es geht

Am Beispiel dieser von Silke Frank und David Wenger geleiteten Agentur lässt sich sehr schön zeigen, welche Veränderungen mit der voranschreitenden Digitalisierung einhergehen und welche Potentiale diese Entwicklung hat:

Bei der ersten HOC 2020 waren 77 Aussteller dabei, während der 24 Stunden nahmen mehr als 5.600 Zuschauer aus aller Welt teil (s. HZwei-Heft Jan. 2021). Zum Vergleich: Bei der ersten Hydrogen Technology Conference & Expo im Oktober 2021 in Bremen, die durchaus positive Kritiken bekommen hat, waren es rund 130 Stände und 2.700 Besucher (s. HZwei-Heft Jan. 2022). Hierbei muss zudem angemerkt werden, dass ein Gast im Messegeschäft gemäß den Bestimmungen der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM) doppelt zählt, wenn er an zwei Tagen kommt – und dreifach an drei Tagen.

Diese Zahlen belegen, dass die Reichweite im Internet ungleich größer als im Real Life sein kann. Aber wie viele Besucher sind online wirklich über eine längere Dauer mit dabei? Wie hoch ist der Wert dieser Kontakte einzuschätzen? Lassen sich auf diesem Wege auch neue Geschäfte anbahnen?

In meinem HZwei-Kommentar Anfang 2021 hatte ich etwas skeptisch geschrieben: „Einen echten Überblick über die tatsächliche Größe der HOC haben wahrscheinlich nur Frank und Wenger. […] ich habe kein Gespür dafür entwickeln können, wie die Stimmung war.“ Ähnlich dürfte es auch anderen gehen, die allein vor ihrem Bildschirm sitzen. Wirklich transparent sind Digital-Events nicht. Während in Messehallen ein Blick reicht, um zu erfassen, wie rege das Treiben in den Gängen ist, kann im Online-Segment der Zuschauer oder Pressevertreter weder die Höhe der Beteiligung noch die Stimmung richtig einschätzen.

Aus diesem Grund gewährt Silke Frank, die sich nach vielen Jahren bei der Peter Sauber Agentur zufälligerweise genau Anfang 2020 selbständig gemacht hat, Einblicke in ihre Reportings. Mithilfe vieler Zahlen versucht sie, Transparenz zu schaffen. Die Mission Hydrogen GmbH erstellt dafür monatlich eine Tabelle mit sogenannten Key Figures. Diese Kennzahlen geben Auskunft darüber, wie viele Newsletter-Abonnenten, wie viele Follower auf Twitter sowie LinkedIn und wie viele Webinar-Teilnehmer sowie Homepage-Besucher das schwäbische Unternehmen hat.

Hier sind insbesondere die Zahlen der registrierten Webinar-Benutzer (260.000) sowie der Webinar-Teilnehmer (52.000) für das gesamte vergangene Jahr hervorzuheben. Selbst wenn darunter eine große Anzahl von Wiederholungstätern sein dürfte, liegt die Reichweite sehr viel höher, als es mit Präsenzveranstaltungen möglich wäre.

Das Interesse an Webinaren oder Online-Konferenzen ist nur das eine. Das zweite Standbein von Mission Hydrogen sind die virtuellen Messen. Ob Online-Ausstellungen tatsächlich sinnvoll sind – sowohl aus Aussteller- als auch aus Veranstaltersicht –, ist bislang nur schwer abzuschätzen und kann nicht verallgemeinernd beantwortet werden.

Für viele Besucher erscheint es zunächst wenig reizvoll, eine Internetseite zu besuchen, auf der ein Messestand abgebildet ist, um dort nach Informationen oder Kontaktdaten zu suchen. Dennoch gibt es digitale Formate – sei es die Hannover Messe, die HOC oder den HOW, wo virtuelle Stände angeboten und auch gebucht werden. Warum? Und wieso sind andere Veranstalter sehr viel zurückhaltender mit Auskünften über ihre Statistiken?

Wie Silke Frank gegenüber HZwei erläuterte, ist für Mission Hydrogen die hohe Reichweite ein Schlüsselfaktor. Ihren Ausführungen zufolge liegt die durchschnittliche Zahl der Kontaktvermittlungen an einem ihrer virtuellen Messestände bei rund 450. „Versuch mal, so viele Visitenkarten bei einer physischen Messe einzusammeln – das ist kaum zu schaffen“, konstatierte sie selbstbewusst.

Wenn dann neben der Quantität auch die Qualität der Kontakte stimmt, dürfte dies auf jeden Fall akzeptanzfördernd sein. Zunächst bleibt aber abzuwarten, ob die Hannover Messe in diesem Jahr in Präsenz stattfinden kann. Denn wenn sie das dritte Jahr in Folge ausfallen sollte, dürften fürs nächste Mal kaum noch genug Standbauer und Caterer zur Verfügung stehen.

Zur Orientierung, wie stark das Interesse an digitalen Inhalten ist, dient hier die Statistik des Hydrogeit Verlags (s. Abb.): Auf die verschiedenen Internetseiten (www.hydrogeit.de, www.hydrogeit-verlag.de, www.hzwei.info, www.h2-international.com) haben im vergangenen Jahr insgesamt rund 750.000 Besucher zugegriffen – Entwicklung: rasch steigend.

Inhalt im 4. Absatz gekürzt am 3.3.2022

1 Gedanke zu „Chancen der Digitalisierung“

  1. Bei aller Euphorie sollte bitte nicht vergessen werden,
    das wir bereits im Jahr 2003 eine funktionierende Virtuelle Messe hatten.
    Sie ist sogar noch heute online, nach neunzehn Jahren:
    https://www.hydrogenambassadors.com/vf/index.html
    Ich hatte das Thema damals für 2004 nicht weiter verfolgt,
    weil meine (kleine) Firma sich ganz auf unsere Messe- und Konferenz-Organisation
    im Auftrag den Chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie MOST konzentrieren wollte.
    Das interessante Thema lautete:
    可更新能源技术在中国—氢能源/燃料电池, 11月4日—11月9日 2004上海国际工业展会
    中国科技部展厅 (简称MOST)
    地点: 上海浦东国际博览中心
    Meeting Point Renewable Energies China incl. Hydrogen + Fuel Cells, November 4-9, 2004
    At the booth of the Chinese Ministry of Science and Technology (MOST)
    Venue: Shanghai New International Expo Center, Pudong
    新世纪展望
    A Prospect for the New Century
    https://www.hydrogenambassadors.com/china2004/index.php
    Und die Hannover Messen 2004/2005/2006 hatte wir ja auch noch zu realisieren.
    Danach stieg ich dann aus.
    Irgendwie waren wir „der Zeit…“ schon damals weit voraus.
    Und so ist es ja auch geblieben, wenn „man“ bedankt, was ich heute in Asien mache:
    https://www.youtube.com/c/ArnoAEvers/videos

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