H2-Produktion an der französischen Atlantikküste

Versuchsanlage: Schwimmendes Windrad und Forschungsplattform, © Lhyfe
© Lhyfe

Das auf die Produktion von grünem Wasserstoff spezialisierte Unternehmen Lhyfe will im großen Stil den nachhaltigen Rohstoff auf dem Meer erzeugen. Denn dort gebe es das größte Potenzial, so die Franzosen. Noch vorhandene Leitungen und Plattformen ehemaliger Öl- und Gasfelder könnten dabei helfen. Im Spätsommer 2022 soll eine Testanlage vor der französischen Atlantikküste ihren Betrieb aufnehmen.

Weit draußen auf dem Atlantik locken große Möglichkeiten. Der Wind bläst ungebremst – stetig und kräftig. Dort ließen sich Windparks bauen, die rund um die Uhr viele Gigawattstunden elektrischer Energie erzeugen. Und mit dieser Energie könnte man viele Gigatonnen grünen Wasserstoff produzieren. Luc Graré, bei Lhyfe für das internationale Geschäft zuständig, ist überzeugt: „Das Potenzial, grünen Wasserstoff in großem Maßstab auf See zu produzieren, ist enorm.”

Transglobal

Doch noch ist es nicht so weit. Das junge H2-Unternehmen Lhyfe macht sozusagen noch Trockenübungen. In Bouin, südwestlich von Nantes, erzeugt Lhyfe seit dem 1. Oktober 2021 rund 300 kg Wasserstoff täglich an Land. Der dortige Elektrolyseur von Nel nutzt dafür Strom aus drei nahegelegenen Windmühlen und Wasser aus dem Meer – so wie es später auch die schwimmende Wasserstofffabrik tun soll.

Ein Stück weiter nördlich, in Le Croisic, soll dann im Spätsommer 2022 der erste Offshore-Elektrolyseur in See stechen. Dann soll es ein Modell von Plug Power sein. Vor Le Croisic erprobt die Ingenieurschule Centrale Nantes neue maritime Technologien: Eine Windenergieanlage steht auf einer schwimmenden Plattform auf dem Atlantik. In der Nähe treibt wie ein gelbes Ufor die Forschungsstation auf dem Meer, die ihren Strom selbst aus Solarenergie und Wellenkraft erzeugt. Darin soll die Offshore-Elektrolyse ihre Seetauglichkeit und Zuverlässigkeit beweisen und zunächst 440 kg Wasserstoff täglich produzieren. „Die Komponenten sind schon bestellt“, sagt Graré.

Fossile Infrastrukturen umnutzen
Schon seit Jahren rücken Windparks immer weiter ins offene Meer vor. Noch beschränken Wassertiefe und die Entfernung zum Landanschluss die Offshore-Windenergie auf küstennahe Gebiete. Doch mit dem Aufkommen schwimmender Fundamente wird der Bau von Windparks auch in immer tieferen Seegebieten möglich. Und was die Anschlusskosten angeht, könnte die Umwandlung der Energie in Wasserstoff einen Durchbruch bringen. „Eine Pipeline ist um einiges günstiger als ein Stromkabel. Die spezifischen Kosten liegen bei etwa einem Achtel“, sagt Elektrotechnik-Ingenieur Graré.

Hinzu komme, dass sich bestimmte Elektrolysestandorte ohne den Bau neuer Pipelines erschließen ließen. Wo es aufgegebene Öl- und Gasfelder gibt, liegen häufig noch Leitungen am Meeresgrund, die sich mithilfe von speziellen Schläuchen womöglich für Wasserstoff ertüchtigen ließen. Auch Plattformen ließen sich weiter nutzen, glaubt Graré.

Besonders interessant findet er die Nordsee vor der niederländischen Küste. Spätestens zum Ende des Jahrzehnts wollen die Niederlande die Förderung des niederkalorischen L-Gases beenden. Dann wird eine Gasinfrastruktur frei, die sich durch die ganzen Niederlande bis hinüber ins Ruhrgebiet zieht. […]

… gekürzte Online-Version

Den kompletten Fachbericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe des HZwei-Magazins.

Autorin: Eva Augsten

HOC

Kommentar verfassen