Der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) hat ein Strategiepapier mit dem Titel „H2026 - Resilienz durch Wasserstoff gestalten" vorgelegt. Friederike Lassen, Co-Vorsitzende des DWV und Hauptautorin des Papiers, erklärt im Podcast „The Hydrogen Elevator", wie sie sich einen verbindlichen Nachfragepfad und eine Entlastung bei Strom- und Netzkosten für Elektrolyseure vorstellt.
Der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) hat sein Strategiepapier „H2026 – Resilienz durch Wasserstoff gestalten" veröffentlicht. Das Papier ist nach Verbandsangaben gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen entstanden und richtet sich an die neue Bundesregierung. Hauptautorin ist die Co-Vorsitzende Friederike Lassen. In der neuesten Folge des Podcasts „The Hydrogen Elevator" mit Host Jürgen Pfeiffer, der auf der Hannover Messe aufgezeichnet wurde, spricht sie ausführlich über Inhalt und Hintergrund. „Wir sind international Weltmarktführer im Bereich Wasserstofftechnologien", sagt Lassen. Dieses Fenster sei aber „noch ein Stück weit offen" und schließe sich mit jedem Tag, an dem internationale Wettbewerber Erfahrungen sammelten, mehr Brennstoffzellen auf die Straßen brächten und Testläufe in Gigafactories machten.
Als oberste Priorität nennt Lassen die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Investitionsentscheidungen (Final Investment Decisions, FID) ermöglichen. „Wir müssen jetzt die Rahmenbedingungen so schaffen, dass eine Bankability da ist, dass ein Vertrauen in den Markt da ist, dass Kunde und Produzent zueinander finden", sagt Lassen. Die Technologie sei verfügbar, die Produktionskapazitäten stünden bereit - entscheidend sei nun die Nachfrage.
Netzentgeltbefreiung und Delegated Act im Fokus
Lassen benennt mehrere Kostentreiber. Eine Befreiung von den Netzentgelten für Elektrolyseure mache laut Berechnungen von DWV-Mitgliedern rund 2 Euro pro Kilogramm Wasserstoff aus. Der Verband fordert deshalb, die bestehende Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure beizubehalten. Die Bundesnetzagentur hatte diese laut Lassen zuletzt in Frage gestellt und damit Verunsicherung im Markt ausgelöst.
Ein zweiter Hebel liegt nach Verbandsauffassung in Brüssel: Die Kriterien des Delegierten Rechtsakts zu erneuerbarem Wasserstoff (RFNBO) müssten zeitlich verschoben werden, gemessen am tatsächlichen Markthochlauf. An den Kriterien selbst will der DWV nicht grundsätzlich rütteln. Lassen verweist darauf, dass sich auf europäischer Ebene inzwischen eine Allianz von Partnern formiere, die eine Anpassung unterstütze.
Forderung an Reiche: Nachfragepfad ab 2026 klar definieren
Direkt an Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche richtet Lassen die Forderung nach „einem verbindlichen Nachfragepfad für Wasserstoff in Industrie und Energiewirtschaft" – sofort, ab 2026.
Mit Blick auf die öffentliche Beschaffung verweist Lassen auf das Vergabebeschleunigungsgesetz. Qualitätskriterien wie der CO2-Fußabdruck etwa bei Stahlprodukten müssten in Vergabeverfahren eingepreist werden. Pfeiffer verweist im Gespräch darauf, dass rund 30 Prozent aller Bauvorhaben in Deutschland aus öffentlicher Hand finanziert würden – ein Hebel für den Markthochlauf grüner Grundstoffe.
Kritik am Hannover-Messe-Auftritt von Merz
Lassen kritisiert, dass Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Eröffnung der Hannover Messe kein klares Bekenntnis zum Wasserstoff-Hochlauf abgegeben habe. „Gerade vor dieser weltpolitischen Lage brauchen wir ein starkes Commitment zum Hochlauf des Wasserstoffs und des Wasserstoffsystems", sagt Lassen. Solche Signale kosteten kein Geld, seien aber für die Investitionsbereitschaft der Branche entscheidend.
Der DWV vertritt über 400 Mitglieder entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Lassen führt den Verband seit November 2024 als Co-Vorsitzende. Zum 1. Mai 2025 tritt der frühere Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), Andreas Kuhlmann, als zweiter Co-Vorsitzender an ihre Seite.
Die neue Folge von The Hydrogen Elevator gibt es ab Dienstag, 28. April, unter www.hzwei.info/podcast und überall, wo es Podcasts gibt.