Kaum Menschentrauben am Eingang, überall großzügige Sitzgelegenheiten in den Hallen, selbst zum Feierabend kommt man zügig zum Ausgang: In den Hallen der Hannover Messe gab es in diesem Jahr nur sehr selten Gedränge. Rund 110.000 Besucherinnen und Besucher sollen es in diesem Jahr gewesen sein. Im vorigen Jahr waren es noch 127.000. Die ungewohnte Ruhe zeigte sich auch bei der Hydrogen & Fuel Cells Europe, die diesmal in Halle 11 platziert war, also ein gutes Stück weiter vom Westeingang entfernt als in den früheren Jahren. Wer sich, vom Bahnhof kommend, den einen oder anderen Zufallsabstecher erlaubte, blieb eher schon an den Robotern in der Eingangshalle 13 hängen.
Dabei gab es bei den Firmen und Forschungseinrichtungen auf der Wasserstofffläche durchaus das eine oder andere zu sehen und zu erfahren. Recht positiv entwickelt sich die Lage momentan zum Beispiel bei SFC Energy. Der Hersteller von autarken Brennstoffzellenlösungen ist vom aktuellen wirtschaftlichen Umfeld kaum angefochten, im Gegenteil. Wo man früher mit dezentralen Energielösungen nur Stunden überbrücken wollte, denkt man jetzt auch an mehrere Tage. Hier punktet Wasserstoff gegenüber Batterien, denn man muss nicht die gesamte Anlage vervielfachen, sondern nur zusätzliche Gasflaschen ergänzen. Man kann sagen: SFC Energy hat frühzeitig eine Nische besetzt und mit dem Kauf des Ballard-Geschäfts in Skandinavien mitsamt der Efoy-Produktlinie im Jahr 2024 die Gelegenheit genutzt, diese zu erweitern – offenbar zum richtigen Zeitpunkt.
An anderen Ständen lag der Fokus auf den üblichen Entwicklungen einer reifenden Industrie. Forschungsinstitute wie Fraunhofer und DLR werben zum Beispiel für ihre Leistungen und Testeinrichtungen, von denen mittlerweile viele direkt auf die Wasserstoffbranche zugeschnitten sind. So zum Beispiel an den Fraunhofer-Ständen: Wer Membran-Elektroden-Einheiten (MEA) entwickelt, kann deren Fertigung am Fraunhofer ISE im neuen Technikum erproben lassen. Praxistaugliche Prüfprotokolle für Wasserstoffsysteme erarbeitet hingegen das Fraunhofer IWES, und beim Fraunhofer LBF untersucht man, wie sich mobile Brennstoffzellensysteme bei Erschütterungen verhalten – und an welchen Stellen man noch Material einsparen könnte.
Das Cell Voltage Monitoring (CVM), also die Überwachung der Zellspannung in Brennstoffzellen- und Elektrolysesystemen, bleibt für die Branche ein Dauerthema. Mütec und Dilico sind zwei Anbieter, die in Hannover ihre Lösungen für mehr Modularität präsentierten (mehr zum Cell Voltage Monitoring wird es in der Ausgabe 3 der HZwei zu lesen geben).
Das spektakulärste Stück neuer Hardware auf der Wasserstofffläche war vermutlich das BSZ375 von Cellcentric – die neue Brennstoffzelleneinheit für Wasserstoff-Lkw. Um das neue Produkt nach drei Jahren Entwicklungsarbeit gebührend zu feiern, hatte das Unternehmen am ersten Messeabend die Wasserstoffbühne gemietet. Das BSZ375 ist die Hop-oder-Top-Generation für Cellcentric. Es ist erstmals ein einzelnes Modul, das einen Dieselmotor in Schwerlast-Lkw auf langen Strecken ersetzen soll. Dafür hat Cellcentric die Leistung und die Effizienz erhöht und zugleich die Kühllast gesenkt. Wenn sich das neue Modul nun im Testeinsatz bewährt und zugleich Wasserstofftankstellen an den entscheidenden Langstreckenrouten entstehen und dann noch der Wasserstoff verfügbar ist – dann könnte das der Technologie den nötigen Anschub bringen. Das Zeitfenster dafür wird immer enger, denn auch China hat sich auf die Fahnen geschrieben, Wasserstoff als Treibstoff für Schwerlast-Lkw auf langen Strecken voranzubringen.