Verlauf der Börsenstrompreise in Deutschland 2025: Der mittlere Strompreis lag unter 9 c/kWh.
Grüner Wasserstoff im Erdgasnetz schlägt bereits heute eine Brücke zwischen Erzeugern und Abnehmern. Dieses Potenzial sollte stärker genutzt werden, um den Markthochlauf zu beschleunigen, argumentiert unser Gastautor vom Ingenieurbüro Emcel. Technische Anpassungen sind nicht nötig, und man schützt zugleich das Klima.
Text: Marcel Corneille
Für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft könnte die Beimischung von Wasserstoff ins Erdgasnetz eine wichtige Rolle spielen. Große industrielle Abnehmer und Teile des Verkehrssektors entwickeln ihren Wasserstoffbedarf erst schrittweise, viele Projekte warten noch auf tragfähige Absatzmärkte. Die Beimischung kann hier bereits heute zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten schaffen und den Aufbau von Elektrolysekapazitäten unterstützen.
Dass dies technisch machbar und sicher ist, haben zahlreiche Demonstrations- und Pilotprojekte in den vergangenen Jahren bewiesen. Eon zeigte dies bereits 2013 mit seiner 2-MW-Power-to-Gas-Anlage im brandenburgischen Falkenhagen. Weitere Beispiele finden sich unter anderem in Haßfurt, Mainz oder im Netzgebiet der Eon-Tochter Avacon.
Die Vermarktung über bestehende Gasnetze hat sich dabei in der Praxis bewährt. So boten Versorger in Falkenhagen und Haßfurt den beigemischten Wasserstoff ihren Kunden als „Windgas“ im Ökotarif an. Gleichzeitig lassen sich Elektrolysekapazitäten aufbauen, die später weitere Anwendungsfelder bedienen können. In Haßfurt wird der erzeugte grüne Wasserstoff beispielsweise zusätzlich in einem Wasserstoff-Blockheizkraftwerk genutzt.
Oft zehn Prozent Einspeisung möglich
Regulatorisch hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Die Einspeisung von Wasserstoff in Gasnetze ist heute grundsätzlich gesetzlich geregelt und erfolgt in einem ähnlichen Rahmen wie die Einspeisung von Biogas. Technische Vorgaben werden insbesondere durch das Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) definiert.
Aktuell sind in Deutschland Wasserstoffanteile von bis zu zehn Volumenprozent in vielen Netzbereichen möglich. Darüber hinaus haben sich bereits Praxistests mit höheren Anteilen als erfolgreich erwiesen, z. B. eine 20-Prozent-Beimischung im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, ebenfalls von Avacon im Jahr 2022. Deshalb sind weitere Anpassungen der Grenzwerte zu erwarten.
Entscheidend ist dabei nicht allein der Wasserstoff im Gasgemisch. Der beigemischte Wasserstoff kann auch zusätzlich mit Bio-Methan kombiniert werden – und auf diese Weise den Anteil von Grüngas im Gasnetz noch weiter erhöhen.
Die Analyse der Börsen- strompreise 2025 zeigt, dass es rund 1200 Stunden gab, in denen Strom für durchschnittlich 0c/kWh zu haben war. Das macht den Betrieb von Elektrolyseuren und die H2-Beimischung wirtschaftlich interessant.
Dekarbonisierung inklusive
Ziel der Beimischung ist ja bereits heute der Klimaschutz. Je nach Betriebsweise und Auslastung kann ein 1-MW-Elektrolyseur mehrere hundert Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. Damit stellt die Beimischung eine Möglichkeit dar, erneuerbar erzeugten Wasserstoff im Prinzip sofort wirksam einzusetzen und gleichzeitig Erfahrungen für den weiteren Ausbau der Wasserstoffwirtschaft zu sammeln.
Eine der größten Herausforderungen der Wasserstoffwirtschaft ist derzeit nicht die Erzeugung von Wasserstoff, sondern seine Vermarktung. Während die Nachfrage in vielen zukünftigen Zielmärkten noch hinter den Erwartungen zurückbleibt, etwa in der Industrie, der Luftfahrt oder dem Schwerlastverkehr, kann die Beimischung von Wasserstoff ins bestehende Gasnetz für Betreiber dezentraler Elektrolyseanlagen ein interessantes und attraktives Geschäftsmodell sein.
Das zugrunde liegende Prinzip ist aus dem Strommarkt seit vielen Jahren bekannt. Mithilfe von Herkunftsnachweisen und einer bilanziellen Zuordnung zwischen Erzeugung und Verbrauch können Kunden gezielt einen Ökostromtarif wählen. Ein vergleichbares Modell lässt sich auf den Gasmarkt übertragen. Kunden, die sich bewusst für ein klimafreundlicheres Gas-Produkt entscheiden, beziehen einen entsprechenden Ökogastarif und erhalten den Nachweis über den bilanziellen Anteil erneuerbarer Gase. Auf dem Markt gibt es solche Angebote bereits, allerdings in sehr begrenzter Menge.
Ohne technischen Aufwand
Der entscheidende Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass die moderate Beimischung von ein bis zwei Prozent praktisch keine Anpassungen an der bestehenden Infrastruktur erfordert. Gleichzeitig entsteht ein vermarktbares Produkt, das sich an unterschiedliche Kundengruppen richtet. Neben privaten Haushalten kommen insbesondere Stadtwerke, Gewerbekunden sowie Unternehmen mit eigenen Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungszielen als Abnehmer infrage.
Die Erfahrungen aus dem Ökostrommarkt zeigen, dass ein nennenswerter Teil der Kunden bereit ist, für klimafreundliche Energieträger einen Aufpreis zu bezahlen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist genau dieser Aufpreis der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Wasserstoff ist aktuell noch teurer als Erdgas.
Entscheidend ist daher nicht allein der Energiepreis, sondern die Zahlungsbereitschaft für ein klimafreundliches Produkt. Bereits ein vergleichsweise geringer Aufschlag auf einen Ökogastarif kann ausreichen, um wirtschaftlich interessante Erlöse für eingespeisten Wasserstoff zu erzielen.
Beispielrechnungen zeigen, dass an entsprechenden Standorten bei einer Beimischung von zehn Volumenprozent Wasserstoff Umsatzerlöse in einer Größenordnung von rund 13 Euro pro Kilogramm Wasserstoff erreichbar sind – ein Wert, der für viele Projekte bereits heute wirtschaftlich attraktiv ist.
Hinzu kommt, dass sich die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Elektrolyseuren in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben. Verschiedene Abgaben und Netzentgelte entfallen unter bestimmten Voraussetzungen für die Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energien.
Schon jetzt wirtschaftlich tragfähig
Dadurch sinken die Stromkosten, die einen großen Anteil an den Wasserstoffgestehungskosten ausmachen. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Erlöspotenziale für Nebenprodukte der Elektrolyse, etwa für die Nutzung von Abwärme, die Vermarktung von Sauerstoff oder Erlöse aus netzdienlichen Betriebsweisen.
Die Beimischung von Wasserstoff ermöglicht eine schrittweise Transformation bestehender Gasnetze, ohne sofort umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen oder vollständige Netzumstellungen zu erfordern. Statt eines abrupten Wechsels sollte die Entwicklung in drei wesentlichen Stufen erfolgen (siehe entsprechende Abbildung).
Zuerst werden geringe Wasserstoffanteile von ein bis zwei Volumenprozent eingespeist. Dazu sind praktisch alle Teilnetze heute schon in der Lage. In einer zweiten Phase können die Anteile – abhängig von den technischen Voraussetzungen des jeweiligen Teilnetzes – auf zehn bis zwanzig Prozent erhöht werden. Langfristig kann daraus ein vollständig wasserstofffähiges Netz entstehen oder ein Anschluss an das parallel dazu entstehende Wasserstoff-Kernnetz erfolgen.
Zwischen diesen Schritten liegt immer die kritische Prüfung, ob die Stilllegung des betreffenden Teilnetzes geboten ist oder ob das Teilnetz in Zukunft nicht mehr ausgelastet sein wird, weil die früheren Nutzer z. B. auf Wärmepumpen umgestiegen sind. Ein wesentlicher Vorteil dieses Vorgehens liegt in der Flexibilität.
Mit zunehmendem Ausbau der Wasserstoffwirtschaft können die erzeugten Mengen später auch anderen Sektoren zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise der Industrie, der Mobilität oder direkt dem Wasserstoff-Kernnetz.
„Investitionen in Elektrolyseure schaffen somit bereits heute Produktionskapazitäten für die zukünftige Wasserstoffversorgung.“
Lokale Wertschöpfung
Besonders interessant ist dieser Ansatz für dezentrale Projekte. Während große Elektrolyseanlagen mit Leistungen von mehreren hundert Megawatt häufig in direkter Nähe zum Wasserstoff-Kernnetz entstehen werden, können Anlagen von ein bis zehn Megawatt Leistung gezielt regionale Potenziale erschließen.
Sie nutzen vorhandene erneuerbare Energiequellen vor Ort, reduzieren den Transportaufwand und schaffen lokale Wertschöpfung. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, Erfahrungen mit dem Betrieb von Wasserstoffanlagen zu sammeln und regionale Märkte für Wasserstoff schrittweise aufzubauen.
Die Wasserstoff-Beimischung sollte deshalb nicht als Konkurrenz zum Wasserstoff-Kernnetz oder anderen grünen Gasen verstanden werden. Alle Ansätze erfüllen unterschiedliche Aufgaben auf dem Weg zur vollständigen Dekarbonisierung.
Die Tabelle und die Berechnung zeigen, dass sich bei einem Erdgas-Basispreis von 10 ct/kWh, einem Ökogas-Aufpreis von 1 ct/kWh und einem angenommenen Wasserstoffpreis von 13 €/kg eine Wasserstoff-Beimischungsquote von zehn Volumenprozent ergibt.
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