Eine Veranstaltungsfläche zu Thema Wasserstoff gab es auf der The Smarter E auch 2025 – damals hieß sie Green Hydrogen Forum.
Der Hydrogen Dialogue zieht von Nürnberg nach München und ist in diesem Jahr erstmals Teil der Energiemesse The Smarter E. Was das für die wasserstoffinteressierten Gäste bedeutet, erklärt Fabian Pfaffenberger vom Zentrum Wasserstoff Bayern (H2.B).
Interview: Eva Augsten
Herr Pfaffenberger, der Hydrogen Dialogue ist in der Branche bekannt, war aber bisher in Nürnberg zuhause. Freuen Sie sich auf den Umzug in die Landeshauptstadt und die neuen Nachbarn?
Pfaffenberger: Die neue Umgebung bietet eine große Chance. Wir kommen in eine Weltmetropole mit einem sehr starken Messestandort und internationaler Strahlkraft. Gleichzeitig bleiben wir unseren bayerischen Wurzeln treu. Inhaltlich passt es auch. Wasserstoff lässt sich ja nicht isoliert betrachten – es geht immer auch um Stromerzeugung, Umwandlung, Energiemanagement, Dezentralisierung und Digitalisierung. Genau diese Themen deckt The Smarter E in München ab. Dort können wir Sektorenkopplung viel konsequenter mitdenken.
Stichwort bayerische Wurzeln: Welche Rolle spielt H2.B beim Hydrogen Dialogue?
H2.B – das Zentrum Wasserstoff.Bayern – ist die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle des Freistaats für die bayerische Wasserstoffwirtschaft. Wir bringen Akteure zusammen, informieren, beraten und vernetzen. Beim Hydrogen Dialogue sind wir ideeller Träger. Das heißt: Wir bringen unsere Expertise und unser Netzwerk ein und sind federführend für das Konferenzprogramm verantwortlich. Veranstalter ist inzwischen die Solar Promotion, der bayerische Wirtschaftsminister fungiert als Schirmherr.
The Smarter E steht im Ruf, sehr international zu sein. Passt da so ein bayerisches Format?
Unbedingt – eine rein bayerische Veranstaltung war der Hydrogen Dialogue nie. Schon seit 2019 war klar: Wir wollen einerseits die zentrale Plattform für die bayerische Wasserstoffwirtschaft bieten, andererseits aber gezielt internationale Akteure einbinden und bundespolitische Themen abdecken. Durch Delegationsreisen und Kooperationen ist ein belastbares Netzwerk entstanden. Dieses Netzwerk laden wir nach Bayern ein. Das fällt in München noch leichter als in Nürnberg.
Eine Veranstaltungsfläche zu Thema Wasserstoff gab es auf der The Smarter E auch 2025 – damals hieß sie Green Hydrogen Forum.
„Der Hydrogen Dialogue war nie eine rein bayerische Veranstaltung.“
Was ändert sich für die Besucherinnen und Besucher?
Es wird größer. Die Messe in München hat eine deutlich höhere Besucherfrequenz. Dadurch ergeben sich mehr Kontaktmöglichkeiten – nicht nur innerhalb der Wasserstoff-Community, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der Stromerzeugung über die Wasserstoffproduktion bis hin zu Speicherung, Umwandlung und Anwendung. Neu ist auch der eigenständige „Hydrogen Dialogue Summit“ als Fachkonferenz in München. Dabei geht es um den energie- und wirtschaftspolitischen Blick auf strategischer Ebene. Wie bereits in früheren Formaten haben wieder ein hochkarätig besetztes Programm – unter anderem mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm und Jorgo Chatzimarkakis von Hydrogen Europe. Thematisch geht es um Systemintegration, grüne Leitmärkte, Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, die Rolle von Wasserstoff bei der Diversifizierung der Energieversorgung und um die geopolitische Lage. Auch der Technologiewettbewerb mit Asien spielt eine Rolle. Daneben gibt es weiterhin die Sonderfläche auf der Messe, das Hydrogen Dialogue Forum, bei dem es stärker um Deep Tech geht. Es gibt auch Rundgänge für internationale Delegationen und perspektivisch wieder Besuche bei Unternehmen in der Region – allerdings noch nicht in diesem Jahr.
Mit der Wasserstoffbranche und der Erneuerbare-Energien-Branche treffen ja auch unterschiedliche Energiewelten aufeinander. Was erwarten Sie von dieser Begegnung?
In der Tat – und das ist gut so. Das ist auch innerhalb der Wasserstoffbranche schon so. Auf der einen Seite stehen etablierte Energieversorger, die Wasserstoff als Ergänzung und Brücke zu bestehenden Geschäftsmodellen sehen. Auf der anderen Seite Akteure aus der erneuerbaren Szene, die eine Transformation „von unten“ wollen. Dazwischen liegen Themen wie CCS /CCU, bei denen es einerseits die Sorge vor Lock-in-Effekten gibt, andererseits aber auch das Argument, dass Wasserstoff sonst nicht bezahlbar sei. Diese Spannungsfelder gehören zur Realität der Branche. Deshalb werden wir CCUS auf der Konferenz auch in einem Panel diskutieren. Wir wollen diese Debatte nicht ausklammern.
Was ist Ihr Ziel für die kommenden Jahre?
Die Marke wird sich am neuen Standort weiter integrieren. Das Wachstumspotenzial ist da – durch die höhere Frequenz und die thematischen Schnittmengen. Mit der etwas breiter angelegten Ausrichtung erreichen wir auch Akteure, die bisher nicht primär aus der Wasserstoffwelt kommen, das Thema aber als strategisches Add-on sehen. Wir wollen auch die internationale Dimension stärken. Der Hydrogen Dialogue soll Plattform, Debattenraum und Schaufenster zugleich sein – für Bayern, für Deutschland und für die internationale Wasserstoffwirtschaft. Wenn es uns gelingt, unterschiedliche Perspektiven konstruktiv zusammenzubringen, dann haben wir viel erreicht.
Noch eine Frage für künftige Hauptstädter: Wie findet man in München überhaupt ein Zimmer?
Wer beim Hydrogen Dialogue und The Smarter E dabei sein will, sollte jetzt schnell sein – die Zimmersituation ist tatsächlich schwieriger als in Nürnberg.
Über The Smarter E und Hydrogen Dialogue
Am Anfang stand eine kleine Solarmesse in der Pforzheimer Turnhalle. Nach 35 Jahren und einer Reihe von Umzügen ist daraus Europas größte Messeallianz rund um das Thema Energie geworden. The Smarter E sorgt verlässlich für ausgebuchte Messehallen in München – und die Zimmersituation sieht ähnlich aus. Aussteller und Veranstaltungen rund um das Thema Wasserstoff findet man bei The Smarter E auf der Teilmesse ees Europe, die sich mit dem Thema Energiespeicher befasst. In diesem Jahr ist erstmals der Hydrogen Dialogue mit dabei, der vorher bei der MesseNürnberg angesiedelt war.
Wann:Messe mit Hydrogen Dialogue Forum vom 23. bis 25. Juni 2026, Fachkonferenz Hydrogen Dialogue Summit am 24. Und 25. Juni
Wo:Messe München beziehungsweise International Congress Center Messe München (direkt auf dem Messegelände)
Wer:Die Veranstalter rechnen mit 2.800 Ausstellern und über 100.000 Besucherinnen und Besuchern auf der gesamten Messe.