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Die Rechnung, bitte.

Es gibt diese Sätze, die zeitweise fast zu einem Mantra werden. Man stellt sie unwillkürlich an den Anfang, wenn man eine grundlegende Sache erklären will. „Die Technologie ist vorhanden“, ist so ein Satz.

Wir hätten praktisch jeden Artikel in diesem Heft damit beginnen können. Wir haben es gelassen, denn wir gehen davon aus: Das wissen Sie schon. Stattdessen wird es konkret. Es gibt immer mehr und immer weiter entwickelte Produkte und Anlagen in der Wasserstoffbranche. Von digitalen Anlagenmodellen über Werkstoffe bis zu Maschinen für die Zellenfertigung ist alles dabei. Tausende von Ingenieurinnen und Ingenieuren haben ihre Hausaufgaben gemacht – es entsteht ein industrielles Ökosystem.

Nun müssen all diese schönen Produkte auf den Markt – und das ist die Herausforderung. Wasserstofftechnologien sind in den meisten Anwendungen noch weit davon entfernt, ein Selbstläufer zu sein. Die Forderung nach Leitmärkten wird immer lauter. Zudem unterstreicht die Branche zu Recht die Vorteile von Wasserstoff: die Speicherfähigkeit zum Beispiel und die Möglichkeit, ihn günstig durch Gasleitungen zu transportieren, seine flexiblen Einsatzoptionen und seinen Beitrag zur Resilienz. Auch bestimmte Zahlen sind immer wieder im Umlauf, wie die vermutlich fast 9 Terawattstunden an abgeregeltem Ökostrom im Jahr 2025.

Alle diese Dinge sind richtig. Doch sie sind einzelne Schlaglichter – eine Gesamtrechnung fehlt.

Da ich seit über 20 Jahren über Energiewende-Themen berichte, kann ich sagen: Bei den „Stromern“ ist das anders. Eine Szenario-Analyse jagt die nächste. Mal liegt der Schwerpunkt auf der räumlichen Verteilung, mal auf der zeitlichen Auflösung, mal auf der Volkswirtschaft. Jede kann man befürworten, kritisieren oder auch beides – aber man nähert sich damit einer systemischen ­Betrachtung.

Nun kommt der Teil, mit dem ich mich vermutlich unbeliebt mache: In der Wasserstoffbranche sehe ich davon wenig. Da ist zum Beispiel die Forderung, die knapp 9 Terawattstunden abgeregelten Ökostroms zu nutzen. Doch diese treten in Spitzen auf, verteilt auf mehrere spezifische Orte. Wo sind diese Orte? Welchen Teil dieses Stroms könnte man mit brauchbaren Volllaststunden für die Elektrolyse nutzen? Welche Förderung wäre dafür nötig – und spart man damit Geld im Vergleich zu den heutigen Entschädigungen? Nicht zuletzt: Wie lange wird dieser Strom überhaupt noch verfügbar sein – denn irgendwann werden auch die geplanten Fernleitungen nach Bayern einmal fertig werden, ebenso wie der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie.

Die Technologie ist vorhanden, doch das reicht nicht. In Bezug auf die Überzeugungsarbeit kann sich die Wasserstoffbranche von den „Stromern“ einiges abschauen.

Eva Augsten

Chefredakteurin

augsten@hzwei.info

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