Nikola Motors – Ende des Abwärtstrends in Sicht?

Die Aktie von Nikola Motors liegt auf einem Kursniveau, welches die Bezeichnung Crashniveau erhalten könnte. Warum notiert der Wert so niedrig? Welche Gründe sprechen für eine Neubewertung des Unternehmens mit wesentlich höheren Notierungen?

Kürzlich hat Nikola Motors für 16,5 Mio. US-$ Land in Buckeye, Arizona, erworben. Das entsprechende Projekt trägt den Namen „Phoenix Hydrogen Hub LLC“. Nicht unweit dieses Geländes – circa 20 Meilen entfernt – unterhält der Supermarktriese Walmart ein großes Logistikzentrum. Walmart hat über 12.000 Fahrer und mehr als 80.000 Trailer wie auch über 10.000 Lkw im Einsatz. Walmart plant, die Lastwagen für die Logistik zukünftig mit Batterie beziehungsweise Brennstoffzelle auszustatten.

Bei Gabelstaplern macht das Handelsunternehmen das bereits zusammen mit Plug Power. Könnte diese räumliche Nähe der Grundstein für eine Kooperation, gar einen Großauftrag von Walmart für die BZ-Lkw von Nikola sein? Vor der Umsetzung eines solchen Vorhabens müsste allerdings erst einmal die Wasserstofflogistik (H2-Produktion, Lagerung und H2-Tankstellen) vorhanden sein.

Bei Anheuser Busch hat Nikola das Gleiche getan und am Stammsitz des Konzerns eine Wasserstoffanlage positioniert. Anheuser Busch testet die wasserstoffbetriebenen Trucks von Nikola im Probelauf und hat bereits eine Absichtserklärung für 800 Fahrzeuge abgegeben. Folgt Walmart nun diesem Kunden der ersten Stunde?

Rechtsstreit von Trevor Milton

Der Gründer von Nikola Motors, Trevor Milton, wurde kürzlich in drei von vier Anklagepunkten für schuldig gesprochen. Er hat Äußerungen gemacht, die sich als falsch und irrenführend darstellten, was den damaligen Status von Nikola betraf. Nikola ist in diesem Rechtsstreit nicht beteiligt. Das Unternehmen hatte sich schon früh mit der Börsenaufsicht SEC geeinigt, 125 Mio. US-$ zu zahlen. Indes hat Nikola Trevor Milton verklagt, da der Truck-Hersteller dieses Geld von ihm zurückerstattet bekommen will.

Übernahme von Romeo Power erfolgreich

Circa 50,1 Prozent und damit die Mehrheit der Aktien von Romeo Power wurden Nikola angedient. Nikola zahlt den Kaufpreis aus einer Mischung von eigenen Aktien und Bargeld. Für die restlichen Aktien wird nun der Tausch via Equity-Swap automatisch durchgeführt, so dass Nikola nach Ende der Transaktion hundert Prozent dieses für das Unternehmen wichtigen Batterieherstellers verfügt. In wenigen Jahren soll Romeo Power dafür Sorge tragen, mehrere hundert Millionen US-$ pro Jahr an Kosten einsparen zu können. Zudem soll die Abhängigkeit von anderen Zulieferern reduziert werden.

Neuer Vorstand: Andrew Vesey

Zum neuen Vorstand wurde kürzlich Andrew Vesey berufen. Er war CEO und Präsident von Fortescue Future Industries North America, dem US-Ableger des charismatischen australischen Milliardärs Andrew Forest, der weltweit mit Plug Power Elektrolysekapazitäten aufbaut. Vesey war zuvor CEO von Pacific Gas & Electric und CEO von AES Corp.

Börsenbewertung

Mit einer Bewertung von gerade einmal 1,4 Mrd. US-$ bewertet die Börse Nikola so, als ob nur der batterieelektrische Part berücksichtigt wird (300 bis 500 Auslieferungen in 2020), nicht aber der ab Mitte 2023 so wichtige wasserstoffbetriebene Lkw-Part. Die liquiden Mittel lagen am Ende des zweiten Quartals bei über 500 Mio. US-$, wobei weitere Linien seitens der Wagniskapitalgeber Tummin/3i bestehen und ein aktuell laufendes Platzierungsverfahren ATM (at the market) in Höhe von bis zu 400 Mio. US-$ läuft.

Shortseller setzen weiterhin und verstärkt auf noch weiter fallende Aktienkurse von Nikola, was sich in der aktuell sehr hohen Zahl von fast 87 Mio. leer verkaufter Aktien (Short Interest) widerspiegelt. Bei guten Nachrichten könnten diese leer verkauften Aktien die Basis für einen Short-Squeeze liefern – in case, ohne Obligo.

In der aktuellen Bewertung drücken sich alle nur denkbaren negativen Entwicklungen aus, nicht aber die potentiell positiven (Aufträge, Kooperationen). Iveco (CNH-Gruppe – vormals Fiat Industries) hält circa 6,7 Prozent an Nikola. Eine Aufstockung würde – in case – sehr viel Sinn machen. Man arbeitet immer enger zusammen, wie man durch Pressemitteilungen (Vertrieb, gemeinsame F & E), aber auch auf der IAA-Transportation in Hannover sehen konnte (gemeinsamer Messestand).

Noch im Jahresverlauf 2022 wird erwartet (Aussage des Unternehmens), dass weitere Partner für Standorte für Wasserstofftankstellen und Produktion benannt werden. Nikola plant, vor allem an der Produktion und dem Vertrieb von Wasserstoff Geld zu verdienen. Anfang November 2022 werden die Zahlen für das dritte Quartal 2022 veröffentlicht wie auch weitere Guidances über die Pläne des Unternehmens.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 18.10.22

Kommentar verfassen